Wissensdiebe

Selbstgetextetes und Selbstgemaltes...

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Lynx
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Wissensdiebe

Beitrag von Lynx » 21.10.2011 14:25

Gehen wir einmal ein paar Jahre zurück...

Wissensdiebe
„Warum mache ich das gerade eigentlich?“,
fragte Kheran seufzend.
„Weil wir so was von fällig sind, wenn man uns erwischt“,
grinste Magatsu ihn an.
„Oh ja, das hatte ich beinahe vergessen“,
Kheran verzog das Gesicht, ohne aber wirklich ärgerlich zu wirken.
„Bist du dir sicher, dass du nicht mitkommen willst?“,
Isa musste den Kopf fast in den Nacken legen, um dem anderen Anwärter ins Gesicht schauen zu müssen.
„Jetzt hör‘ dir mal die Kleine an, Magatsu. Nicht eine Spur von Furcht. Nee, ist schon in Ordnung. Ihr macht euch mehr aus Büchern als ich.“
„Tja, ich habe eben einen schlechten Einfluss auf sie. Wollen wir?“
Isa nickte, woraufhin Magatsu noch ein
„Nach Euch, Mylady“
verlauten ließ. Gemeinsam schlichen die beiden zur Bibliothek, während Kheran am Ende des Ganges in eine Nische schlüpfte, um dort Wache zu halten.
„Wenn Noulon das mitbekommt, schmeißt er einen von uns beiden raus“,
feixte Magatsu. Isa zuckte nur die Schultern.
„Von mir aus. Das wird dann eh dich treffen. Du hast noch einen Vater außerhalb von hier wohnen. Ich bin die arme, kleine Waise, ohne anderes Zuhause“,
entgegnete sie und schaute dabei so unbeteiligt wie eben möglich drein.
„Aas“,
kommentierte Magatsu.
„Danke“,
Isa knickste leicht und zog einen langen Schlüssel aus ihrer Hosentasche hervor.
„Bringst du den heute Nacht wieder zurück?“,
wollte Magatsu wissen.
„Nein. Das ist nur der Ersatzschlüssel. Es wird ewig dauern, bis die merken, dass der fehlt.“
Leise schloss sie die Türe auf. Bei Nacht lag der große Raum noch stiller dar, als er es sonst schon tat. Zumal die meisten Reiter und Anwärter sich die Bücher nur ausliehen und es vorzogen draußen oder auf ihren Quartieren zu lesen, anstatt sich hier unter den wachsamen Augen der Bibliothekarin jedes Räuspern und Nießen zu verkneifen. Sorgsam schloss Isa die Türe hinter ihnen, während Magatsu zwei kleine Lampen entzündete.
„Das Archiv, welches du suchst liegt da vorne“,
wisperte Isa und deutete in Richtung einer unscheinbaren Holztüre. Magatsu reichte ihr eine der Lampen.
„Gut, dann treffen wir uns in spätestens einer Stunde hier wieder. Wonach wirst du suchen?“
„Verrate ich dir nicht“,
grinste sie breit und wandte sich in einer anderen Richtung zu.
„Ich bekomme es ohnehin heraus“,
murmelte Magatsu eher zu sich selbst, als zu ihr und schlich in Richtung des ihm gezeigten Archivs. Mit angehaltenem Atem öffnete er die hölzerne Türe und verharrte erst einmal lauschend. Nichts regte sich, außer Isas leise Schritte, die vom anderen Ende der Bibliothek herüber hallten. Erleichtert hielt er die Lampe höher, um den flackernden Lichtschein auf Regale voller Bücher und Schriftrollen fallen zu lassen. Seine Suche würde keine Leichte werden, soviel stand fest. Wenigstens erachtete die Bibliothekarin diesen Ort nicht als wichtig genug, um ihn unter Verschluss zu halten. Nur hereingelassen hatte sie Magatsu nie und das hatte die Neugierde des jungen Anwärters geweckt. Es musste etwas geben, das sie vor ihm zu verbergen versuchten oder besser gesagt, jemanden. Denn der Raum in dem Magatsu nun stand beinhaltete nichts weiter als die Auflistung aller Reiter und deren Familien. Seinen Vater kannte er ja und auch von seinem verstorbenen Großvater hatte man ihm erzählt. Alles was er jedoch von seiner Mutter wusste, war, dass sie bei seiner Geburt gestorben sein sollte. Mehr war da nicht. Auch von seinen anderen Großeltern hatte man ihm nie erzählt. Und jedes Nachfragen war auf taube Ohren seines sturen Vaters gestoßen. Nein, er musste es nicht unbedingt wissen aber er wollte. Fieberhaft durchsuchte er das Archiv nach dem Stammbuch seiner Familie. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie viele Menschen eigentlich hier lebten. Seine Finger glitten über dutzende Bücher und Schriftrollen. An den Bedeutenderen prangten Wappen von Adelshäusern. Gleich daneben lagen auch unscheinbare Büchlein, kaum mehr als ein paar Seiten dick. Eine klare Trennlinie war dabei nicht zu erkennen.
„Es spielt keine Rolle, aus welchem Haus ein Reiter stammt“,
stellte Magatsu fest. Angespannt suchte er weiter, bis er schließlich fand, weshalb er hergekommen war. Hastig stellte er die Lampe auf einen Hocker und zog eine lose gebundene Mappe hervor. Die Neugierde wurde fast unerträglich, als er durch die Seiten blätterte. Jetzt würde er endlich Gewissheit haben. Eilig fuhr er mit den Fingern über das Papier, vorbei an Namen und Daten seiner Großeltern und seines Vaters, bis er sich selbst in den Aufzeichnungen fand. Dann folgte er der Linie wieder hinauf.
„Maharet ye Nairazyèl.“
Für einen Augenblick hielt der junge Anwärter den Atem an, dann machte sich bittere Enttäuschung in ihm breit. Da stand nur ein Name, ihm in Bedeutung und Klang völlig unbekannt. Unter der fein geschwungenen Schrift prangte eine Lücke. Es gab weder Geburts- noch Todesdatum und auch keine Berufung, so wie bei den anderen Einträgen. Nichts. Nur ein Name. Plötzlich fühlte er sich leer und taub. Minutenlang starrte er auf die Aufzeichnungen in seinen Händen. Dann stellte er die Mappe völlig ruhig an ihren Platz zurück. War er wirklich gescheitert? Nach wie vor stand er vor einem großen Nichts. Nur einen Namen kannte er jetzt. Die Lücke in seiner Familie konnte er nicht damit füllen, doch ganz allmählich wurde Magatsu klar, dass er nun eine Spur hatte, der man folgen konnte. Auch wenn es ein langer Weg blieb, so wusste er jetzt zumindest, wonach er suchen musste. Und er würde sie finden, das schwor er sich.
Die Enttäuschung niederringend verließ er das Archiv und kehrte zum Eingang der Bibliothek zurück. Von Isa war noch nichts zu sehen. Er wusste nicht, wie viel Zeit schon vergangen war, also beschloss er sie zu suchen. Es war nicht schwer den schwachen Schein ihrer Lampe zu finden. Schon nach kurzer Zeit fand Magatsu eine weitere Türe, von der er wusste, dass sie stets verschlossen gehalten wurde. Irgendwann, als er neu auf dem Falkenberg gewesen war, hatte man ihm erklärt, dass dahinter verbotene Schriften gelagert wurden, die der Rat für zu gefährlich befunden hatte, um sie anderen zugänglich zu machen. Eben diese Türe war jetzt nicht mehr verschlossen, sondern stand einen Spalt breit offen. Dahinter flackerte das warme Lampenlicht. Magatsu schmunzelte. Wo sonst sollte es den kleinen Blondschopf hinziehen, wenn nicht hier?
„Isa“,
flüsterte er leise,
„Wie lange brauchst du noch.“
Es kam keine Antwort. Nur das Umblättern einer Seite war zu hören.
„Isa!“
Magatsu trat näher. Die Anwärterin hatte sich über ein Buch gebeugt und las so konzentriert, dass sie nichts um sich herum wahrzunehmen schien.
„Isa!“,
zischte er erneut und berührte sie an der Schulter. Regelrecht erschrocken zuckte sie zusammen und blickte ihn an.
„Sag mal, Träumst du?“
„Nein“,
antwortete sie zögerlich und mit einer Miene, die er selten so ernst gesehen hatte.
„Bist du soweit? Oder sollen wir noch bleiben?“,
wollte er wissen.“
„Ja… Also ja, wir können gleich gehen. Moment.“
Isa wandte sich wieder dem Buch zu und Magatsu kam nicht umhin, ihr über die Schulter zu schauen. Was er las, schien allerdings nur sinnloses Kauderwelsch zu sein. Nichts, was er als wichtig oder gefährlich empfunden hätte. Ungeduldig wartete er, bis Isa schließlich das Buch zuschlug. Silberne Buchstaben zierten das tiefschwarze Leder. Arcanum, las er, Die dunklen Künste. Argwöhnisch betrachtete er die Andere, wie sie sorgsam das Buch wieder an seinen Platz stellte und ihre Lampe zur Hand nahm.
„Bist du fündig geworden?“,
fragte sie völlig unbescholten.
„In gewisser Weise. Und du?“
„Das kann ich noch nicht sagen.“
Ihr Lächeln verriet sie und ließ Magatsu erneut schmunzeln. Gemeinsam verließen sie die Bibliothek.
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Re: Wissensdiebe

Beitrag von Death of Fantasy » 23.10.2011 07:43

Mehr? *lach*
Aber das ist äußerst nett... vor allem Isas Kommentar mit dem armen Waisenkind mag ich...
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Re: Wissensdiebe

Beitrag von Lynx » 23.10.2011 08:31

*knicks* Danke. ^.^

Willst du wirklich mehr fordern? Soll ich nicht lieber erstmal wieder in den RPGs weiter schreiben?
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Re: Wissensdiebe

Beitrag von Death of Fantasy » 23.10.2011 08:32

Ganz wie du magst... ;) Man kann auch parallel arbeiten... ;) :cat:
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Re: Wissensdiebe

Beitrag von Karne » 23.10.2011 14:15

RPGs.... *bettel*

Natürlich sind Geschichten auch toll, aber RPGs auch.... Da entstehen doch auch manche Ideen für Geschichten xD
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Re: Wissensdiebe

Beitrag von Schneemaehne » 23.10.2011 15:30

War mir nicht sicher, ob direkt drunter posten okay ist - auch von mir Applaus, man kann sich die drei Strolche richtig vorstellen^^
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Re: Wissensdiebe

Beitrag von Lynx » 24.10.2011 09:16

Danke euch. Aber warum sollte drunter posten nicht ok sein? ;)
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Re: Wissensdiebe

Beitrag von Schneemaehne » 24.10.2011 13:12

Wegen etwaigen Fortsetzungen und so etwas^^ Da ist das dann ja immer blöd, wenn Kommentare dazwischen hängen ;)
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