Flügel der Nacht

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Death of Fantasy
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Flügel der Nacht

Beitrag von Death of Fantasy » 25.08.2011 11:11

Okay, jetzt kommt doch noch eine Geschichte bevor ich etwas von einem der anderen höre^^ Ich widme sie... Karne^^


Der Garten in der Nacht war wundervoll. Alle Düfte waren so intensiv und schwer. Besonders die Blumen dort hinten, die Königinnen der Nacht. Es war ein schöner Name für eine Blume. Mitten in all dem Pflanzenmeer lag ein zartes, junges Mädchen, von wohl fünfzehn Jahren. Es hatte die Augen geschlossen und lauschte offensichtlich den Geräuschen der Nacht, um sich herum, als sich ein junger Mann näherte.
„Guten Abend, Miss Sayleen.“
„Master James!“, rief die Angesprochene freudig aus und richtete sich auf, um in die Richtung des Vampirs zu blicken.
In letzter Zeit hatte der Vampir sich nur äußerst selten blicken lassen und Sayleen hatte seine Gesellschaft durchaus vermisst, war er doch der Einzige, der ihr mehr über die Welt dort draußen erzählte.
Vorsichtig griff der junge Mann nach der Hand der jungen Vampirin und zog sie vorsichtig hoch.
„Welch‘ angenehme Begrüßung.“, lächelte James, als das Mädchen vor ihm stand und sich das Gras vom Kleid klopfte.
„Kommt, Miss Sayleen.“
Zögerlich hakte das Mädchen sich ein und wartete ab. Was wollte James?

Der junge Mann führte die Vampirin in den großen Speisesaal, wo ihnen Blut in edlen Gläsern kredenzt wurde. Der Vampir erzählte ihr weiter von der Außenwelt und beantwortete jede ihrer Fragen äußerst geduldig. Als sie beide so gesättigt wie möglich waren, erhoben sie sich und James übernahm erneut die Führung. Er durchschritt mit ihr Gänge, die sie bis jetzt noch nie wirklich gegangen war, bis sie ein großes Flügeltor durchschritten und auf den Vorgarten traten. Auf dem gekiesten Weg stand bereits der Wagen des Vampirs und forsch führte er seine Begleiterin dort hin.
„Was planst du, James?“, fragte die Vampirin verwirrt und vergaß dabei alle Förmlichkeiten.
Der Angesprochene antwortete mit einem leichten Lachen.
„Habe Geduld, Sayleen.“
Dann stieg er ein, ließ den Motor an und fuhr mit der behüteten Vampirin los. Hinaus in die Außenwelt.
„Meine Eltern werden es kaum gutheißen…“, merkte sie unsicher an.
„Doch ändern können sie daran nichts. Lass‘ und für den heutigen Tag einfach zwei gute, alte Bekannte sein, die sich einen schönen Tag in der Stadt machen.“
„Aber ich möchte nicht, dass du deshalb Ärger bekommst…“
„Du möchtest doch einmal nach draußen. Man kann dich nicht ewig einsperren, irgendwann verwelkst du und gehst ein.“
Blutige Tränen der Rührung stiegen der Vampirin in die Augen und ihr Begleiter wischte sie ihr vorsichtig und zart ab.
„Genießen wir einfach diese eine Nacht.“

Als sie in der Stadt hielten, war Sayleen beinahe von all den Eindrücken um sie herum überwältigt. Diese Gerüche! Diese Geräusche! Doch auch ihr Jagdtrieb meldete sich. Überall lief Beute herum. Bevor sie jedoch loslaufen konnte, hatte James sie bereits gepackt.
„Nicht! Auch wenn es anfangs äußerst schwer ist, musst du dich beherrschen!“, ermahnte er sie streng, während er sie mit eisernem Griff durch die Straßen der Stadt führte.
„Das Leben ist kostbar und besonders wir sollten es ehren. Du und ich können es gar nicht nachvollziehen, da wir niemals ein sterbliches Leben führen konnten und genau deshalb sollten wir es besonders ehren. Die Menschen wissen wie begrenzt ihre Zeit ist, dennoch bemühen sie sich. Sie sind mehr als nur Vieh, das wir jagen. Wir benötigen sie zwar als Nahrungsquelle, doch sollten wir sie nicht allein darauf reduzieren!“
Betroffen schwieg Sayleen und ließ sich James Worte durch den Kopf gehen. Ja, vielleicht hatte er Recht. Sie wusste, dass die Unsterblichkeit vor ihr lag, aber wie musste es diesen zerbrechlichen Wesen gehen, die wussten, dass sie jederzeit sterben könnten?
James führte Sayleen durch alle schönen Orte der Stadt und die junge Frau war entzückt. Die Welt hier draußen war viel wundervoller als in den Erzählungen ihres Begleiters. Ein glückliches und seliges Lächeln schlich sich auf ihre Züge, bis sie zurück zum Wagen gingen.
„Die Sonne geht bald auf und unser Tag geht zur Neige.“, flüsterte James, als er Sayleen einsteigen ließ.
Traurig nickte die Angesprochene. Nun kehrte sie wieder in ihren goldenen Käfig zurück. Von allem umgeben, was ein Mädchenherz sich wünschen konnte, aber dennoch fehlte etwas: Die Freiheit. Und nun, da sie von ihr gekostet hatte, war es noch schrecklicher sie zu verlieren.

Die ganze Heimfahrt über war Sayleen äußerst schweigsam und ihr Blick wurde düsterer, als sie vor dem Anwesen hielten und James ausstieg, um ihr aus dem Wagen zu helfen.
„Morgen erkunden wir die Landschaft…“, meinte er mit einem Augenzwinkern, als er sie zurück zur Tür führte.
Doch die Vampirin glaubte nicht daran. Ihre Eltern mussten wütend sein. Sie würden James nicht mehr zu ihr lassen.
„Ja, bis morgen…“, antwortete sie lapidar und verschwand im Haus.
Once the land of liberty,
Land of ancient chivalry
Blow some trumpet loud and free,
Leave the hills of Arcady

Arcadia - Faun

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