Sagen und Mythen der Alten Welt

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Death of Fantasy
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Vogel-Frei

Beitrag von Death of Fantasy » 20.05.2012 09:19

Das fahrende Volk zieht bereits seit langer Zeit durch die Windreiche. Sie kennen keine Grenzen und sind im Geiste frei und ungezähmt. Doch haben sie auch einen hohen Ehrenkodex. Zumindest das wahre fahrende Volk.
Unter ihnen gab es einst einen, der äußerst bewandert in der Dicht- und Schauspielkunst war. Bereits in jungen Jahren war er hervorragend und sobald er das richtige Alter erreicht hatte, flogen ihm die Herzen der Damen nur so zu. Viele Herzen wurden gebrochen, als die Frauen entdeckten, dass sein wilder und ungezügelter Geist nicht zu halten war. Tränenbäche wurden aus Trauer vergossen, diesen wundervollen jungen Mann nicht bei sich halten zu können. Dies ist seine Geschichte.

Geboren wurde er auf der Straße und er wurde Treylien genannt. Seine Familie gehörte bereits seit Generationen zum fahrenden Volk. Ihre Künste gaben sie stets mündlich weiter. So lernte er bereits in jungen Jahren viele Dinge im Gedächtnis zu behalten. Anfangs belastete es ihn sehr kaum andere Kinder in seinem Alter zu haben, mit denen er spielen konnte, denn in den Dörfern und Städten an denen sie vorbeikamen, um ihre Künste feilzubieten, sahen es die Eltern nicht so gerne, wenn ihre Kinder mit Vagabunden herumtollten. Doch der Junge gewöhnte sich alsbald daran.

Der größte Trost war der Hund, der die Truppe stets begleitete. In jungen Jahren war er so etwas wie ein Kindermädchen für Treylien. Oftmals schlief der kleine Junge beim Feuer, der Hund neben ihm. Sobald der junge Schausteller alt genug war selbst Stücke zu schreiben, handelten diese oft von den Abenteuern mächtiger und tapferer Helden, die von einem treuen Hund als Begleiter unterstützt wurden. Treylien lernte schnell und war ein äußerst aufgeweckter Junge. Seine Wissbegierde wurde manchmal von einigen Mitgliedern als Plage empfunden, dennoch wurde er von allen in der Truppe geliebt.

Während er heranwuchs, wurde aus ihm ein Mann, dem die Frauen hinterherliefen und für den sie schwärmten. Sein blondes Haar, das er schulterlang in einem Zopf trug und seine, für einen Mann, eher feinen Gesichtszüge, ebenso wie seine unwahrscheinlich geschickten Hände. Er selbst spielte kein Instrument, da er sich mehr auf seine Stimme konzentrierte, die sogar Stein zum Erweichen bringen würde, sollte er es wünschen, so hieß es.
Er selbst hatte jedoch sehr feste Vorstellungen von den Frauen, die sich ihm an den Hals warfen. Eine Adelige und reiche Bürgerstöchter wies er stets ab, denn diese bedeuteten immer Ärger. Zwar versagte er sich damit auch zarte, unbescholtene Wesen, doch ihr Geist war ihm ohnehin zu gefesselt. Er selbst war frei wie ein Vogel und dies musste auch seine Gefährtin sein, so schwor er sich. Und ein verhätscheltes Mädchen könnte dies nie sein.

Die Liebeskunst erlernte er mit Bauerntöchtern, die sich wenig um Sittlichkeit scherten. Alsbald war auch sein Ruf im Bett der Frauen legendär und noch mehr Damen warben um seine Gunst.
So geschah es, dass Treylien einst in einer Stadt die Frau erspähte, für die sein freier Geist geschaffen war. Unter all diesen Hühnern stach sie heraus. Ihr Witz und ihr freier Geist waren das, wonach er so lange gesucht hatte und wonach er sich so lange vergebens verzehrt hatte, dass er die Hoffnung jemanden zu finden, der ihm ebenbürtig war, bereits fast schon aufgegeben hatte. Die Nacht verbrachten sie gemeinsam und zu seiner Überraschung lernte er sogar noch einiges von dieser Frau. Sie brachte ihn auf Ebenen, die er nie erlebt und spätestens nach dieser Nacht wusste er, dass er gefunden, wonach er so lange gesucht hatte.
Aber sie mussten fort und seine Geliebte blieb zurück. Wie sehr es ihm im Herzen schmerzte, aber sie versprach sobald wie möglich ihm nachzufolgen. So behielt Treylien sie im Herzen und schrieb ihr eine Weise, dass all seine anderen Weisen an Schönheit und Kunst übertraf. Ebenso wie seine geliebte Alirian.

Alirian hielt ihr Wort und nach einigen Wochen folgte sie ihm nach. Treylien war unglaublich glücklich, als er seine Geliebte wieder im Arm hielt. Seine Familie hieß das neue Mitglied freudig willkommen und so zogen sie glücklich durch die Lande. Bald holte sie Kunde von einer verschwundenen Adelstochter ein. Der Vater bot viel Geld an die, die sie wieder zu ihm zurückbrachten. Alirian und Treylien träumten, was sie mit all dem Belohnungsgeld anstellen könnten und lachten über den hohen Herrn, der sogar seine Tochter verlor. Wie armselig dieser mächtige Mann doch eigentlich sein musste. Seltsamerweise jedoch gab es keine Plakate mit dem Antlitz der Prinzessin, die verschwunden war, daher war es müßig über solche Dinge nachzudenken. Dennoch träumten sie ab und zu davon, wenn sie nächtlich im Arm des Anderen lagen und den zauberhaften Sternenhimmel über sich betrachteten.

Eines Tages, als sie in einer Stadt zu Gast waren, kamen Soldaten und umstellten ihr Lager. Sie behaupteten, dass die Truppe die Prinzessin entführt hatte und festhielt. Da sich niemand einer Schuld bewusst war und alle davon überzeugt waren, nichts verbergen zu haben, ließen sie die Soldaten vor, um ihre Unschuld zu beweisen. Alirian jedoch zitterte vor Angst und überredete Treylien mit ihr zu fliehen. Da dämmerte es ihm, wer die wundervolle Frau an seiner Seite war. Er wollte seine Familie nicht in Gefahr bringen, so floh er mit seiner Geliebten rasch. Die Soldaten, die ihre Flucht bemerkten, verhafteten alle Schausteller und ein kleiner Teil verfolgte die Flüchtenden. Diese jedoch konnten sich gut vor ihnen verbergen und blieben sicher. Dass Treyliens Truppe gefangen worden war, erfuhr er erst später und sein Leid war groß. Er konnte sich nicht verzeihen, dass all die, die er so liebte um seinetwillen in den Tod gehen sollten, so folgten er und Alirian der Truppe zum Sitz des Fürsten.

Die Prinzessin, die sich dort gut auskannte, schmuggelte sie beide hinein und sie arbeiteten einen Plan aus, die gesamte Truppe vor ihrer Hinrichtung zu befreien. Alirian wusste, dass es nichts hülfe, wenn sie sich stellte, außerdem wollte sie nicht mehr in diesen erdrückenden Vogelkäfig zurückkehren, dem sie endlich entflohen war. Sie liebte ihre Freiheit. Und auch Treylien wollte seine Geliebte nicht gehen lassen.
So warteten sie ab, bevor sie losschlugen. Doch ihr Befreiungsversuch wurde entdeckt und Treylien wurde gefangen genommen. Dies zwang Alirian zur Kapitulation. Die Truppe wurde frei gelassen, bis auf den Verführer, der die Prinzessin gestohlen hatte. Entgegen des Versprechens den jungen Schausteller frei zu lassen, wenn Alirian sich auslieferte, wurde er weiterhin festgehalten und der Fürst setzte einen Termin zu seiner Hinrichtung an. Die Prinzessin bat und flehte ihren Vater an ihren Geliebten zu verschonen, doch dieser blieb hart und sperrte seine widerspenstige Tochter fort. Er hatte bereits einen guten Ehemann für sie gefunden und bald würde Hochzeit gefeiert.

Treylien indes sang herzerweichend in seiner Zelle und klagte von seinem Leid und seiner Liebe zu Alirian. Sein Schicksal war für ihn ungewiss, aber er fürchtete um sein Leben. Der Adel war nicht für seine Gnade bekannt. Nimmer hätte er gedacht seine wundervolle Alirian gehöre zu diesem verrotteten Stand. Sein Körper mochte gefangen sein, doch sein Geist war frei und niemand konnte ihm dies nehmen.
Als Hochzeit gefeiert wurde, war Alirian traurig und sehr still. Ihr Geliebter schmachtete in den Zellen ihres Vaters und sie würde bald fort müssen, ohne ihn jemals wieder zu sehen. Da kündigte ihr Vater ihr ein wundervolles Hochzeitsgeschenk an und sie wagte fast nicht zu hoffen, dass ihr Geliebter nun in die Freiheit gelassen wurde. Sie gingen in den Hof und dort unten stand ihr geliebter Barde. Sofort hellte sich Alirians Gesicht auf, bevor sie den Henker sah und begriff, was dies war. Erneut flehte sie und bat um Treyliens Leben, doch der Fürst blieb hart. So wurde eine Schlinge um den Hals ihres Geliebten gelegt, der dennoch ungebrochen und stolz dastand. Tränen sammelten sich in ihren Augen und als der Schemel unter den Füßen des jungen Mannes weggezogen wurde, wandte sie sich gramvoll ab.

So ging Treylien von der Welt und mit ihm das Herz von Alirian. Dieser war ein langes und leidvolles Leben beschert an der Seite eines Mannes, der sie nicht liebte und schätzte, sondern nur als wertvolle Zuchtstute betrachtete. Er sperrte sie in einen goldenen Käfig. Jede Nacht klagte sie den Sternen und dem Mond ihr Leid und ihre Trauer über ihre verlorene Liebe, aber niemand konnte ihr Herz heilen. Dies hätte nur Treylien vermocht. Dieser war nun frei im Tod. Und unvergessen in ihrem Herzen.

Sorry, einen Hauch Kvothe ich mir doch nicht so ganz verkneifen. Aber er spielt extra schon nicht Laute und ist nicht rothaarig... Und er heißt weder Arliden, noch Illien, noch Savien. xDD
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Die Kinder des Waldes

Beitrag von Death of Fantasy » 16.06.2012 12:39

Nebel stand in feinen, feuchten Schwaden auf den Wiesen und hüllte alles in einen zarten Schleier. Die ersten Vögel zwitscherten und begrüßten die Sonne, die gerade erst über die Hügel spitzelte und einen warmen und heißen Tag, nach dieser eher kühlen Nacht versprach. Raureif stand auf den Blättern und noch war keine Menschenseele zu sehen. Die Tiere grasten ruhig und friedlich, da niemand sie störte.
Mit einem Lächeln betrachtete Enchandron den Frieden, der herrschte. Mit Besorgnis nahm er zur Kenntnis, dass die Sterblichen immer weniger an die alte Welt glaubte und dass ein Teil der Magie langsam aus den Landen verschwand. Er bedauerte diese Entwicklung, wurde die Welt dadurch doch ein wenig ärmer.
Während er so in seinen Gedanken verloren war, trat eine weitere Person an den Phaien heran.
„Sorgst du dich wieder um die Welt, Enchandron?“, fragte die Frau mit einer Stimme, die dem Gesang der Vögel ein wenig ähnelte.
Rasch wandte der Angesprochene sich um und erblickte die Phaie der Tiere. Zustimmend senkte er seinen Kopf.
„Ich habe Sorge darüber, dass die Welt langsam stirbt. Erinnere dich wie blühend sie früher war und wie ständig Neues entstand. Doch jetzt stirbt alles nach und nach. Ich fürchte um die Welt. Auch werden die Menschen immer gieriger und ehrgeiziger. Wer weiß, was sie mit unserer Welt noch alles anstellen, Thojara.“
Seine Stimme klang wie das Flüstern des Windes in den Blättern. Insgesamt wurde das Gespräch äußerst leise geführt.
„Ich verstehe deine Sorge und sie ist nicht unbegründet. Wir haben gelernt, dass das menschliche Herz korrupt ist und dass die Sterblichen nicht für die Pfade der Magie geschaffen sind. Diese haben diese Rasse und mit ihnen auch alles andere, dem Abgrund schnell näher gebracht. Dennoch gehört zum Leben auch der Tod. Es entstehen für die Dinge, die zugrunde gegangen sind auch immer wieder neue.“
„Du hast durchaus Recht, doch die Korruption der Sterblichen erreicht auch uns, die unsterblichen. Vergiss nicht, was mit Hephania geschah, unserer Schwester.“
„Ja, dies war in der Tat ein trauriges Ereignis.“, stimmte Thojara dem Herr des Pflanzenreichs zu. „Doch auch du lässt dich immer wieder mit den Menschen ein.“
„Nur ist meine Magie nicht so gefährlich und ich vermag sie zu kontrollieren. Außerdem weißt du, weshalb ich dies tue.“, wandte Enchandron ein.
„Denkst du wirklich, dass es hilft, wenn du die Menschenfrauen mit deiner Saat beglückst? Hoffst du wirklich, dass die Welt dabei nicht stirbt. Diese Kinder sind halb unsterblich und halb sterblich. Was denkst du, wird aus ihnen werden?“
„Ein neues Volk, Thojara. Sie sind dem Reich der Pflanzen mehr verbunden als die Menschen und sie sind beinahe unsterblich.“
„Doch nur beinahe, Enchandron. Denkst du nicht, dass sie sich gegen die Menschen wenden werden, die so rücksichtslos und grausam sind?“
„Nein. Noch sind sie eine junge Rasse, ebenso wie die Menschen auch. Nur sind sie in ihrer Jugend viel besonnener und weiser.“
„Ich hoffe wahrlich, dass du Recht behältst, mein Freund.“, entgegnete Thojara sanft.

Die beiden uralten Wesen betrachteten noch einige Zeit den Frieden des Morgens, bevor sie sich wieder voneinander trennten. Thojara fürchtete, dass Enchandron einen schrecklichen Fehler beging und in seiner allzu guten Absicht viel Leid über die Welt bringen würde. Dennoch war dies etwas, das die Zeit erzählen würde.

Der Phaie der Flora wanderte wieder über die Welten und sah nach all seinen Kindern. Von einem inneren Instinkt getrieben, hatten sie alle nach und nach zusammengefunden. Sie spürten, dass sie von einer Art waren und so hatten sie eine abgeschiedene Kolonie gegründet. Zumindest jene von seinen Nachkommen, die bereits das passende Alter erreicht hatten. Dank der Magie in ihrem Blut wurden sie alle an einen Ort gezogen, sodass sie von der Grausamkeit der Menschen verschont blieben, sobald sich ihre Andersartigkeit viel offener zeigte.

Seine Kinder waren sich nicht bewusst, dass das Wesen, das sie stets besuchte, ihrer aller Stammvater war. Die Älteren gründeten gemeinsame Familien und die Kinder erhielten durch das Phaienblut alle das Erbe der Eltern. Mit der Zeit wurde aus der kleinen Kolonie ein riesiges Volk und auch Enchandron gab es auf weitere Nachkommen mit Menschenfrauen zu zeugen. Seine Kinder waren nun stark genug vertreten, auf dass ein wenig der Schönheit der alten Welt bestand hatte und nicht ausstarb. So konnte er sich seiner wahren Geliebten zuwenden.
Dabei wurden seine Besuche bei seinen Nachkommen, die einen Teil des Geistes aller Pflanzenwelt in sich trugen, immer seltener.

Da die Kinder unsterblich waren, könnte man glauben, dass sie ihn nicht vergaßen, doch er wurde von all den Erinnerungen, die in ihren Köpfen lebten, überdeckt und so geriet der Herr der Pflanzen ein wenig in Vergessenheit und wurde gar manchmal abgewandelt zu einem unnahbaren Gott des Waldes, der sich nur an bestimmten Zeiten und Festen zeigte, wenn es ihm beliebte. Dadurch entstand langsam eine Religion unter dem großen einen Volk.
Die Kinder des Waldes, wie sie sich manchmal zu nennen pflegten beobachteten auch die Sterblichen und ihr Umgang miteinander, aber auch mit allem anderen Lebenden, erfüllte sie mit Furcht und Abscheu. Wie konnte man nur so unglaublich grausam und böse sein?
Manche von ihnen wollten gegen die Menschen vorgehen und sie für ihre Freveltaten auf immer vernichten, während andere lieber abwarten wollten, denn schließlich waren die Menschen sterblich und sie lernten so viel langsamer als sie. Außerdem hatten sie noch nicht die Erleuchtung des Waldgeistes erhalten. So versuchten diese ihre Brüder und Schwestern zu zügeln und zu beruhigen, dennoch hatte es leider wenig Sinn und das gesamte Volk spaltete sich in drei Lager. Einige, die die Menschen angreifen und vernichten wollten, während andere abwarten wollten. Die Dritten jedoch wollten den Streit zwischen den beiden Völkern schlichten, sodass ihre Einheit nicht auseinanderbrach.

Es hatte jedoch keinen Sinn und da ihr Vater in dieser Zeit nicht kam, um die Gemüter zu beschwichtigen, brach das eine Volk in drei Gruppen. Die einen rüsteten sich gegen die Menschen, um in den Krieg zu ziehen, während die Anderen sich weiter in den Wald zurückzogen, um unbehelligt zu bleiben. Die Dritten jedoch versuchten ihre Brüder und Schwestern von einem Krieg gegen die Menschheit abzuhalten, da diese so viel zahlreicher als sie wäre und ihnen auch ihre innere Magie nicht von Nutzen wäre.

Als Enchandron die Spaltung seiner Nachkommen bemerkte, war sein Leid groß und er trauerte um die Unschuld und Einheit, ebenso wie er sich für seine Torheiten verfluchte.
„Ich hatte dich gewarnt.“
„Ich weiß, meine Liebste, ich weiß…“, wisperte der Phaie traurig und barg sein Gesicht angesichts des Grauens, dass zu erwarten war, im Busen seiner Liebsten.
„Daher muss ich wenigstens versuchen meine Fehler zumindest etwas zu korrigieren, Thojara.“
„Das solltest du. Das Leid, das über das Land gebracht würde, wäre unerträglich. Deshalb sollten wir uns auch nie in die Belange der Menschen einmischen.“
„Nun sind mir meine Verfehlungen und Irrtümer bewusst. Doch die Zeit kann nicht zurückgedreht werden. Auch nicht von uns. Vor allem nicht von uns.“, entgegnete Enchandron reumütig.
Thojara nickte still und sah ihrem Geliebten nach, als er ging. Sie wünschte ihm alles Glück bei seinem Vorhaben.

Sobald Enchandron jedoch die Völker erreichte, lauschten sie nicht mehr auf ihn und seine beschwichtigenden Worte, außer denen, die ohnehin nie eine Spaltung gewünscht hatten. Somit zogen die einen Kinder des Waldes gegen die Menschen in den Krieg. Zuerst trafen sie diese unvorbereitet und sie gewannen rasch an Boden. Wie das Korn unter der Sense des Schnitters fielen die Menschen einer nach dem Anderen. In ihrem Zorn verschonten sie niemanden. Denn der Mensch konnte nicht lernen, er war von seinem ganzen Herzen her grausam und dies konnte man ihm nie anerziehen. Dass auch sie diese Grausamkeit in ihrem Herz wohnen hatten, bemerkten sie dabei nicht.

Doch auch die Menschen blieben nicht untätig und sobald sie sich gefasst hatten, rüsteten sie sich gegen den unerwarteten Angreifer, über den sie so gar nichts wussten. Die wenigen Menschenmagier taten sich zusammen und formten an Zaubern, um der fremdartigen Magie ihrer Angreifer zu trotzen. Anfangs blieben sie noch äußerst erfolglos, jedoch gelang es ihnen mit der Zeit die Fäden der fremdartigen Magie etwas zu entwirren und sie verstanden sie besser, auch wenn sie sie selbst nicht anwenden konnten, so konnten sie dennoch Zauber dagegen weben.
Von da an wendete sich das Blatt der Kinder des Waldes und nach und nach fielen ihre Reihen den Klingen der Menschen zu Opfer, die nun gegen ihre magischen Angriffe geschützt waren und die unbewaffneten, abgesehen von ihrer nutzlosen Magie, Fremdartigen immer weiter dezimierten. Enchandrons Kinder wurden immer weiter zurückgedrängt. Sobald sie flohen, verfolgten die Menschen sie aus Angst, dass diese abwarten, erstarken und wieder zurückkehren konnten. Oder dass diese bösartigen Wesen einen teuflischen Zauber ersannen sie alle mit einem einzigen Zauber in den ewigen Schlaf zu schicken. Nur mit Mühe entkamen einige, doch durch die Brutalität der Menschen, war ihr Hass weiter geschürt worden, jedoch sannen sie auf Rache. Die Menschen glaubten sie vernichtet, aber sie würden ihnen etwas anderes beweisen. Sie würden erneut erstarken und dann einen letzten Schlag gegen die Menschheit führen.
Enchandrons Bemühungen ihren Hass zu eliminieren scheiterten und der Phaie wandte sich verzweifelt an seine Frau und bat sie um Rat. Lange sinnierten sie darüber und wandten sich hilfesuchend an andere ihres Geschlechts, bis sie eine mögliche Lösung fanden.

Sie entschieden sich die Kinder in eine Welt zu setzen, in der die Zeit langsamer verging. Nur einmal jedes Jahrhundert wäre es möglich die Brücke für kurze Zeit zu überqueren. Somit wäre es viel schwerer für die einen Kinder eine möglichst große Armee zu formen und sie durch das Tor zu schleusen. Außerdem legte sich dann vielleicht der Hass eines Teils seiner Kinder wieder. Er hoffte zumindest darauf, denn schließlich liebte er sie aus ganzem Herzen, da diese seine einzigen Nachkommen sein würden, denn die Phaien selbst konnten miteinander keine Kinder zeugen.

Seine Kinder, die allesamt in die andere Welt verbannt worden waren, verspürten zuerst Zorn über die Taten der Götter, für die sie die Phaien hielten. Doch mit der Zeit erkannten sie den Nutzen der Welt in der sie lebten. Zwar zerstörten die Menschen noch ihre alte Heimat, jedoch konnten sie diese auch oft genug besuchen, selbst wenn dort viel Zeit vergangen war. So lernten sie, dass der Mensch auch aus seinen Fehlern lernen konnte und ihr Gemüt beruhigte sich wieder. Weit über ihre wundervolle Welt verstreut lebten sie und genossen den Frieden und die Liebe, mit der ihre Welt erschaffen worden war. Eine Welt, die niemand zerstörte. Und immer wenn die Kinder des Waldes auf die Erde zurückkehren, so versuchen sie die Wunden, die die törichten Menschenkinder geschlagen hatten, sanft zu heilen.
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Das Kleid aus Spinnenseide

Beitrag von Death of Fantasy » 09.03.2013 18:57

Noch in der alten Zeit soll einst eine Prinzessin von unglaublicher Schönheit und Anmut im Gebiet der Windreiche gelebt haben. Viele Männer umschwärmten sie, dennoch nahm sie niemanden zum Manne, da keiner ihre Traurigkeit zu heilen vermochte. Sie selbst wusste nicht, woher die unglaubliche Traurigkeit kam und was sie auslöste, nur dass es ihr nicht möglich war zu lächeln und sich zu freuen. Wie ein dunkler, finsterer Schleier hingen die Tränen über ihr. Viele junge Männer hatten es sich zur Aufgabe ein Lächeln auf das Gesicht der wunderschönen Prinzessin zu zaubern und brachten ihr allerlei Gaben und Geschenke dar, jedoch konnte kein einziges Geschenk ein Lächeln auf das Gesicht der traurigen Prinzessin zaubern, wie sie bald genannt wurde.
„Ach, Margaretha, was stimmt nicht mit mir, dass ich nicht froh sein kann?“, klagte die Prinzessin ihrer Zofe ihr Leid.
„Meine Herrin, ihr tragt nur all das Leid der Welt in Euch, so sorgt Euch nicht.“
„Aber sorgen ist doch das Einzige, das ich vermag.“, flüsterte die Prinzessin leise und betrübt.
Sie wusste, dass etwas mit ihr nicht normal sein konnte, jeder andere war doch auch fröhlich und weshalb nur war ihr dies nicht möglich?

Jeden Tag hoffte sie innerlich, dass endlich jemand kam und ihr zeigen konnte, was diese Fröhlichkeit war. Sie sehnte sich unglaublich danach, dass jemand sie in ihr auslösen würde, aber immer wieder wurde sie enttäuscht und darauf folgte eine tiefe Niedergeschlagenheit und Trauer. Die hoffnungsvollen Gesichter der jungen Männer rührten sie unglaublich und immer wieder trauerte sie, wenn sie sah, wie gebrochen sie von dannen zogen, als ihre wunderbaren Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt worden waren. Sie gaben sich stets so viel Mühe ihr eine Freude zu bereiten, doch alles klang für sie fad und nichts hatte einen besonderen Glanz. Selbst das zauberhafteste Vogelgezwitscher übte keinerlei Reiz auf sie aus. All dies wirkte so blass und unnatürlich. Das schönste Geschmeide, die wunderbarsten Stoffe, die atemberaubendste Handwerkskunst, all dies vermochte den Schleier der Trauer nicht zu durchdringen und ihn von ihr fortzuschieben.

Täglich saß sie nachdem alle wieder gegangen waren in ihrem wunderschönen Garten und betrachtete all die Blumen und zauberhaften Dinge, die zu ihrem Gefallen arrangiert worden waren. Nirgendwo war ein Makel zu finden und alles war perfekt. Die Bienen surrten leise und beruhigend, doch all dies stimmte die Prinzessin eher traurig, als fröhlich, was eigentlich doch natürlich gewesen wäre. Stumm betrachtete sie das Treiben und die zarten Rosenknospen an den Hecken, die alle so unglaublich schön wirkten, ihr Herz jedoch nicht erreichten. Sobald sie in ihre Zimmer einkehrte war sie von lauter schönen Spielsachen und anderen Dingen umgeben, die eine Frau ihres Standes beherrschen sollte.
Nachts in ihrem Schlafgemach träumte sie davon, wie es wäre, wenn sie endlich lächeln konnte und jemand ihr zeigte, was diese ‚Freude‘ und ‚Fröhlichkeit‘ war, von der alle sprachen. Und dieses ‚Glück‘. Sie sollte sich glücklich schätzen, mit all dem, was sie hatte und besaß, dennoch empfand sie dies nicht als Glück. Aber vielleicht war es für sie auch einfach nur so normal, dass sie etwas wahrhaft Außergewöhnliches benötigte um glücklich zu sein.

An einem Tag, wie jedem anderen jedoch, sollte sich dies endlich ändern und sie würde lernen, was Freude ist. Erneut ließ sie das Werben über sich ergehen, obwohl sie die Hoffnung, dass jemand sie glücklich machen könnte, bereits seit langem aufgegeben hatte und ihre Vermutung bestätigte sich auch, bis ein weiterer edler Mann vortrat, der ebenso anzusehen war, wie all die Anderen. Jedoch fesselte die Gabe in seinen Händen ihren Blick und unbemerkt stahl sich ein zartes Lächeln auf ihr Gesicht. Das Geschenk war wahrhaft außergewöhnlich, zumindest in ihren Augen, denn unter dem Hofstaat machte sich ein empörtes Raunen breit. Wie konnte man einer Prinzessin nur so gewöhnliche Feldblumen als Gabe vorlegen? Das war unerhört. Doch der Strauß von Kornblumen und Margeriten erreichte das, was die teuersten Geschenke nicht vermocht hatten.
„Wie wunderschön!“, rief die Prinzessin freudig aus und klatschte in die Hände.
Alle Blicke wandten sich ihr verwundert zu. Wie konnte sie sich über so etwas Unangemessenes so sehr freuen?
„Aber Herrin…“, raunte der Hofmarschall leise.
„Was sind dies für außergewöhnliche Blumen, dass niemand anderes ihrer Herr werden konnte.“
„Es sind ganz gewöhnliche Blumen, liebste Prinzessin. Ich nahm an, da ihr so sehr von all dem Prunk umgeben seid, könnte ein wenig Normalität Euch sicher gefallen.“, beantwortete der Edelmann ihre Frage mit einer sanften, lächelnden Stimme.
„Vollkommen gewöhnlich?“, hakte die Prinzessin ungläubig nach.
„Wieso sind solche schönen Blumen denn gewöhnlich? Und weshalb gibt es sie nicht im Schlossgarten?“
„Weil das Gewöhnliche sich nicht für Euch ziemt, Herrin. Euch gebührt nur das Außergewöhnliche.“, wand der Hofmarschall ein.
Die Antwort stieß bei der Prinzessin jedoch auf keine große Freude und erneut umwölkte Trauer ihr Gesicht. Sie verstand nicht, warum es ihr nicht gebühren sollte ihr Auge auch auf gewöhnliche Dinge zu werfen. Sie waren doch so viel schöner als all die prunkvollen und überladenen Rosen und all das Spielzeug. Es war so viel erfrischender.
„Sie gefallen mir jedoch viel besser als all der Prunk!“, entgegnete die Prinzessin, empört und auch etwas traurig.
Die Höflinge versuchten mit Vernunft an sie zu appellieren, jedoch scheiterte all dies und die traurige junge Frau sprach am Ende ein Machtwort: „Ich versprach‘ dem meine Hand, der mir zeigt, was Freude ist und diesem jungen Edelmann ist es gelungen. Ich werde ihn zum Gemahl nehmen!“
Daraufhin konnte niemand mehr sich dagegen sträuben und es ward beschlossen. Somit wurde die Hochzeit vorbereitet, was bei einer so edlen Prinzessin natürlich seine Zeit brauchen würde. Währenddessen besuchte der junge Recke die bezaubernde Prinzessin täglich und brachte ihr stets Geschenke, die ein Lächeln auf ihr Gesicht zauberten. Langsam lernte diese was es bedeutet fröhlich zu sein und was für ein wunderschönes Gefühl es war ‚Freude‘ zu empfinden. An manchen Abenden mochte sie vor Glück nicht einschlafen und lange Zeit starrte sie verträumt an die Decke ihres Himmelbettes.

Was jedoch niemand wusste war, dass eine mächtige Zauberin ihr Auge auf den jungen Edelmann gelegt hatte. Voller Neid blickte diese auf die wunderschöne Prinzessin, mit deren Anmut sie sich keineswegs messen konnte. Außerdem war der junge Recke der Prinzessin verfallen und würde nimmer eine andere Frau zu seiner Gemahlin wählen. Täglich wuchs ihr Hass auf die Schönheit, bevor sie sich in der Gestalt einer Magd letztendlich in das Schloss schlich. So reichte sie ihr am Abend den Schlaftrunk und verschwand auf ihr Schloss um zu beobachten, was weiterhin geschah. Ein bösartiges Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht.

Am Morgen erwachte die liebliche Prinzessin und fühlte sich vollkommen seltsam. Offenbar war ihr der Schlaftrunk gestern nicht bekommen. Ihre Glieder wirkten unglaublich schwer und ungewohnt. Als sich die Tür öffnete, wollte sie den Kopf wenden, als sie bereits den gellenden Schrei der Mägde vernahm, die ihr bei der Morgentoilette halfen. Wenig später rannten sie davon und die schweren Schritte der Wachen waren zu vernehmen. Was war denn los? Endlich gelang es ihr den Kopf etwas zu wenden, nur um schreckliche Panik in den Gesichtern ihrer Wachen zu erblicken, bevor auch sie flohen.
Mühsam gelang es der Prinzessin sich aus dem Bett zu erheben, aber alles wirkte so weit unten! Und ihre Beine fühlten sich so schwach an. Da endlich fiel ihr Blick auf den Spiegel und was sie erblickte ließ sie zu einer Salzsäule erstarren. Das, was ihr aus dem Spiegel entgegenblickte war so grauenvoll, so schrecklich, dass sie nicht glauben wollte, dass dies der Wahrheit entsprach. Dort, im Spiegel erkannte sie, zu was für einem Monster sie geworden war. Dies konnte nur ein Fluch sein, doch weshalb? Aber ihr Liebster würde sicher kommen und sie erlösen, er musste es einfach tun! Auch wenn sie eine riesige, pechschwarze Spinne war. Zaghaft kroch sie auf ihren acht Beinen in eine Ecke ihres Zimmers und wartete. Doch der Ersehnte kam nicht. Mit jeder Minute ergriff die Trauer Besitz von ihr und sie weinte leise, so wie Spinnen eben weinen können. Dabei hatte sie doch gerade erst ihr Glück gefunden! War es denn ihr Schicksal stets in Trauer zu leben? Das wollte sie nicht glauben! Vielleicht kam er doch noch irgendwann, vielleicht musste er nur ein wenig Mut fassen, um sich ihr zu stellen! Sie würde auf ihn warten. Und wenn dies Jahre dauern würde.
Um ihn gebührend empfangen zu können ging sie in den Thronsaal. Bald plagte sie der Hunger. Das Schloss war ausgestorben und niemand kam. Mit der Zeit übernahmen ihre neuen Spinnensinne die Kontrolle und sie spann überall in ihrem Schloss Netze, um vielleicht doch ein paar kleine Happen zu sich nehmen zu können. Irgendwann stieß sie auf einen Weg zur Küche und tat sich dort an den Überresten gut. Lange jedoch würde dies nicht helfen.
Während sie weiter auf ihren Liebsten wartete, begann sie sich ein wirklich zauberhaftes und einzigartiges Kleid aus Spinnenseide zu spinnen. Wenn sie schon nichts anderes als dies tun konnte, so konnte sie wenigstens für die Vermählung bereit sein, wenn er endlich kam und sie erlöste. Das Kleid besaß lange Ärmel, die bis zum Boden gingen und eine Schleppe, die mehrere Meter entlangschleifte. Der Schleier war in der Art von Spitze gearbeitet und fiel hinten bis zum Boden hinab. Das Kleid wäre perfekt für ihre Hochzeit. Aber auch nachdem sie fertig war und das Kleid in ihre Schlafkammer gelegt hatte, kam er nicht. Stumm wartete sie Tag für Tag darauf, dass er endlich kam und sie aus diesem grauenhaften Körper erlöste. Er konnte sie doch nicht vergessen haben!

In der Außenwelt verbreitete sich die Kunde von dem riesigen Spinnenmonster, dass die bezaubernde Prinzessin ermordet und ihren Platz eingenommen hat. Ihr Geliebter wollte sofort losrennen und sie rächen, wurde jedoch von ihrem Hofstaat zurückgehalten, dass er lieber noch warten und trainieren sollte, sodass diese Bestie ihn nicht auch tötete und so seine Rachemission vollkommen vergebens war.
So wartete er und trainierte mit den besten Recken, um dieses Monster, dass seine geliebte traurige Prinzessin ermordet und gefressen hatte, zur Strecke zu bringen, auf dass es für seine Gräueltaten Sühne tun musste. Sobald er sich bereit für den Racheakt fühlte, suchte er nach weiteren Streitern um eine Allianz zu bilden, sodass das Monster ihnen nicht entkommen konnte. Nach und nach fand der Edelmann edle Ritter, die ihm beistehen wollten und so bildeten sie eine Allianz.
Am folgenden Morgen brachen sie auf zum Schloss der Spinnenkönigin, sodass sie für den Mord an der Prinzessin gerichtet würde. Alle betraten das Schloss vorsichtig und blickten sich stets nach dem Monster um. Alles war von Spinnenweben verhangen und das Schloss wirkte, als wäre es seit Jahrhunderten unbewohnt. Vorsichtig zerteilten sie die klebrigen Fäden, die überall an ihrer Kleidung, Haut und an ihren Waffen hängen blieben. Abstreifen brachte wenig, denn kurz darauf war alles noch viel schlimmer als zuvor von Spinnenweben eingehüllt. Endlich erreichten sie den Thronsaal und dort, am Kopfe des Raumes saß das schreckliche schwarze Ungeheuer.
Sobald sie eintraten, wandte sich das Spinnenmonster ihnen zu und starrte sie aus dunklen Augen an, die haarigen langen Beine ausgestreckt, um sich ihnen blitzschnell zu nähern. Geifer troff von seinen Mandibeln und es gab leichte Klackgeräusche von sich. Offenbar war es bereits in Vorfreude darin sie ebenso wie die Prinzessin zu verspeisen, jedoch waren sie keine hilflose und unvorbereitete Beute. Langsam und in geschlossener Formation näherte der Rachetrupp sich dem Monster, an der Spitze der Verlobte der Prinzessin, die Gram über den Verlust seiner Liebsten ins Gesicht geschrieben.
„Du Monster!“, warf er der Spinne entgegen und diese wich offensichtlich erschrocken ein paar Schritte zurück. Diese Bestie hatte wohl gemerkt, dass vor ihr eine nicht sehr leichte Beute stand. Als sie nur noch wenige Meter von dem Spinnenwesen, das sich keinen Schritt mehr geregt hatte, angelangt waren, verstreuten sie sich um es, was es eindeutig verwirrte und die Kämpfer griffen an. Sobald sie trafen erklangen Schmerzensschreie aus dem Mund des Ungeheuers und es versuchte den Angreifern zu entfliehen. Einige jedoch waren so beherzt, dass sie dem Wesen einen Teil der Beine abschlugen, sodass die Spinne nicht mehr schnell genug flüchten konnte. Rasch waren die Krieger wieder über ihr und droschen mit ihren Klingen auf sie ein, was eine Kaskade von Schmerzenslauten auslöste. Als das Spinnenwesen sich nicht mehr wehren konnte, trat der junge Edelmann, dessen Braut geraubt worden war vor und rammte dem Ungeheuer seine Klinge dort, wo er ihr schwarzes Herz vermutete.
Die Prinzessin blickte auf, als ihr Liebster vortrat. Sie verstand nicht, warum man sie angegriffen hatte. Warum erlöste sie denn keiner? Doch als er endlich kam, war sie sich sicher, dass er nun den Fluch, der auf ihr lag, brechen würde, stattdessen richtete er seine Klinge gegen sie und stieß sie ihr ins Herz. Eine Träne bahnte sich ihren Weg, bevor die Finsternis sie in ihre Arme nahm.
Kurz zuckte das Untier noch, dann lag es reglos da. Wenig später, bildete sich ein funkelnder Nebel um den Kadaver des Monsters und als er sich lichtete war dort die Gestalt der traurigen Prinzessin zu sehen. Der ihr Verlobte schrie in höchster Agonie auf, da er die Schwertwunde bemerkte und begriff, was er getan hatte. Noch bevor seine Begleiter reagieren konnten, stürzte er zum nächsten Fenster und sprang hindurch, sodass er, der seine Liebste getötet hatte, nun ebenfalls den Tod finden würde.

Doch soweit kam es nicht. Die Zauberin hatte all dies beobachtet und war sofort zur Stelle und fing den jungen Mann mit Magie auf, bevor sie ihn sanft zu Boden schweben ließ. Überall hatte er Wunden von dem Glas, durch das er gesprungen war, sie würden jedoch heilen. Die Zauberin hatte die Gestalt der Prinzessin angenommen und sanft strich sie über das Gesicht des Edelmannes.
„Wach‘ auf, Geliebter!“, wisperte sie leise und zart, bis er endlich die Augen aufschlug.
„Bin ich tot?“
„Nein, ich vermochte dich zu retten. Die böse Zauberin, die uns unser Glück neidete und dich mir stehlen wollte, hat dich mit einem Zauber getäuscht, sodass du glaubst mit dem Monster hättest du mich getötet, weil ich dieses Monster gewesen wäre. Sie hat mich jedoch hier mit einem Zauber gefangen gehalten und das Monster hat mich bewacht. Durch seinen Tod wurde der Zauber gebrochen und ich war frei! Ich danke dir!“ Der junge Recke wirkte unschlüssig, gab dann jedoch seinem Wunsch zu glauben nach. Er konnte seine Liebste nicht getötet haben, das konnte er nicht verkraften. Somit küsste er sie und schloss sie glücklich in die Arme. Seine Gefährten, die in den Schlossgarten gelaufen waren, um nach ihm zu sehen, betrachteten die Vereinigung mit Verwunderung, bis er es ihnen erzählte.
So brachten sie mit viel Freude die Prinzessin zurück und wenig später wurde Hochzeit gefeiert. Der Leib der wahren Prinzessin blieb dort liegen, wo sie ermordet worden war und der junge Edelmann erfuhr seinen Lebtag lang nichts von der Täuschung der Zauberin, die ihn seine wirkliche Liebste hatte töten lassen. Somit hatte wenigstens einer des Paares seinen Seelenfrieden.

Die Legende erzählt davon, dass kein Tier je mehr das Schloss der Spinne betreten hat und dass das Kleid, dass sie für sich gesponnen hat noch immer in ihrem Raum auf seine Trägerin harrt. Unberührt, einzig von Staub bedeckt.
Once the land of liberty,
Land of ancient chivalry
Blow some trumpet loud and free,
Leave the hills of Arcady

Arcadia - Faun

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