Sagen und Mythen der Alten Welt

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Death of Fantasy
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Sagen und Mythen der Alten Welt

Beitrag von Death of Fantasy » 04.06.2011 16:06

Zuletzt geändert von Death of Fantasy am 09.03.2013 18:58, insgesamt 17-mal geändert.
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Mondlicht

Beitrag von Death of Fantasy » 04.06.2011 16:10

Am Anfang der Welten trug sich eine Geschichte zu, wie sie, auf ähnliche Weise, noch sehr oft erzählt werden sollte, doch hier möchte ich euch von der Mutter all dieser Geschichten erzählen.

Als die Welt noch jung war und voller Wunder, lebe die Magie noch wild und ungezügelt in ihr. Sie war stärker als heute, denn mit den Jahrhunderten schwand sie immer mehr und zog sich an besondere Orte zurück. Damals begab es sich, dass eine junge Prinzessin, deren Schönheit und Anmut ihresgleichen suchte, auf einer ihrer Reisen einen Mann traf, der düster und geheimnisvoll schien. Sie hatte Angst vor ihm, aber die Faszination die von ihm ausging war zugleich so viel größer. Auf sein Locken und Werben hin, folgte sie ihm auf sein Schloss, tief im finsteren Wald.
Als sie das Schloss erblickte, überkam sie doch die Angst und die Faszination schwand, sodass sie fortlaufen wollte, denn das Schloss aus schwarzem Vulkanstein thronte düster und bedrohlich über ihr auf. Es sah keineswegs einladend aus, eher so, als wäre es ein Monster, das sie verschlingen würde. Doch all ihr Widerspruch half nichts. Der Fremde zerrte sie in sein Schloss und kettete sie dort an.
Heiße Tränen rannen über die Wangen der jungen Prinzessin, die Amalya geheißen wurde. Der Mann war von ihrer Unschuld und ihrem zarten und liebevollen Charakter verzaubert, denn er selbst besaß ein pechschwarzes Herz, das ohne jegliche Liebe war. Deshalb verlangte es ihm nach der jungen Amalya. Doch all sein Werben um sie war vergebens, da das reine Wesen von seiner schwarzen und verdorbenen Seele abgestoßen wurde. Kein Betteln, Flehen oder Werben half, sodass er von Zorn ergriffen wurde und das Mädchen verfluchte von nun an als der Stolze Falke am Himmel zu fliegen und nur des Nachts zu dem zu werden, was sie war. Diesen Fluch könnte sie nur brechen, sollte sie die wahre Liebe finden oder ihn akzeptieren.
Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, verwandelte Amalya sich und wurde zu einem wunderschönen weißen Falken, der sich sogleich in die Lüfte erhob und hinausflog. Der Versuch Basroths sie einzufangen misslang und nun stand er da ohne das schöne Ding. Nichts mehr war ihm von ihr geblieben, bis auf ein paar Federn. Amalya aber war frei, wenn auch nur in der Gestalt eines Falken.
Voller Gram und Wut rief der Mann die Mächte an ihm seine Schönheit zurückzugeben, doch dies wurde nicht erhört. So versank er in die Studien dunkler Magie, um seine Schöne wieder zurückzuholen.

Währenddessen hatte Amalya sich im Wald niedergelassen und blickte der Sonne entgegen, die langsam hinabstieg. Sobald sie hinter dem Horizont versunken war und der Mond die Herrschaft über das Firmament übernommen hatte, verwandelte sie sich in das hübsche Mädchen zurück, das sie eigentlich war.
Lange Zeit war sie alleine und einsam, während ihr Häscher weiter nach Zaubersprüchen suchte sie zurückzusuchen, als, eines schönen Tages ein junger Prinz vorübergeritten kam und den Falken in seinem Flug bewunderte. Er wollte ihn auf seinem Schloss haben, für seine Jagd und so folgte er ihm und versuchte ihn einzufangen. Doch sein Pferd stolperte über eine Wurzel und sie stürzten. Der Prinz verlor das Bewusstsein und erwachte erst am Abend wieder in einer kleinen Felshöhle.
Wach wurde er von einer zarten Berührung an seiner Stirn und als er die Augen öffnete, blickte er in das schönste Gesicht, das er je gesehen hatte.
„Geht es Euch gut?““, fragte das junge Mädchen leise und der Prinz, der von ihrer Anmut ganz verzaubert war, konnte nur lächeln und nichts antworten. Als er doch endlich seine Sprache wiederfand, sah er ihr tief in die moosgrünen Augen.
„Wer seid Ihr, schönes Kind?“
Scheu zuckte sie zusammen und wich zurück, als hätte sie dies nicht erwartet und er entschuldigte sich vielmals, bevor er sich aufrichtete um ihr zu folgen, da sie immer weiter zurückwich.
„Du musst ihn mir nicht nennen, wenn du nicht möchtest!“, versuchte er sich zu beruhigen und sie blieb stehen. Leise atmete der Prinz auf. Es wäre eine Schande gewesen, wenn sie einfach so geflohen wäre.
„Wohnst du hier in der Nähe?“
Zögerlich und unsicher sah Amalya ihn an, bevor sie antwortete:
„Das kann man so sagen, ja.“
Denn sie scheute sich ihm zu erzählen, dass sie verflucht war. Dieser Prinz war ihr bereits aufgefallen, als er sie in ihrer Falkengestalt gejagt hatte und sie hatte Gefallen an ihm gefunden. Doch sicher wäre er von ihr abgestoßen, wüsste er, dass sie verflucht war.
Der Prinz bemerkte, dass sie sehr ungerne von sich selbst sprach und begann daher ihr von ihm zu erzählen. Zögerlich setzte sie sich wieder hin und lauschte ihm gespannt und voller Neugier während der Prinz das junge Ding vor sich bewunderte. Er redete die ganze Naht und als die Dämmerung sich ankündigte, sprang das Mädchen plötzlich auf.
„Ich muss gehen, es tut mir leid, mein Herr!“
Und war aus der Höhle verschwunden. Der Prinz folgte ihr, sah aber nur noch, wie der Falke, den er gejagt hatte, sich von einem Felsen erhob. Von seiner Schönheit war keine Spur mehr zu finden. Traurig und betrübt machte er sich auf den Rückweg und fand dabei sein Pferd wieder. Doch insgeheim schwor er sich, dass er sein Mädchen wiederfinden würde, um sie als Braut heimzuführen.

Zu derselben Zeit gelang es Basroth seine Schönheit zu erschaffen. Das Mädchen war ein Ebenbild von Amalya, besaß aber das dunkle Herz ihres Schöpfers. Er nannte sie Amilya. Nun heckte er einen Plan aus, wie er sich an Amalya rächen würde, die ihn so schändlich betrogen und zurückgewiesen hatte. Seine Späher hatten sie inzwischen ausfindig gemacht und so wusste er, wo sie zu suchen war.

Jeden Tag ritt der Prinz in den Wald um nach dem schönen Mädchen zu sehen, doch jedes Mal sah er nur den Falken. Er litt, da er glaubte verlassen worden zu sein, als er einen Jagdausflug mit etwas größerem Gefolge machte und sie sich entschieden über Nacht im Wald zu bleiben und sich am Feuer Geschichten zu erzählen. Als der Prinz an einen kleinen Teich ging, um etwas Wasser zu holen, sah er am anderen Ende das schöne Mädchen. Er rief ihr einen Gruß zu und sie blickte ihn tief und mit einem leichten Lächeln an.
„Kommt her!“, rief er ihr zu und wenig später machte sie sich vorsichtig auf dem Weg zu ihm.
„Wo seid Ihr gewesen, ich habe jeden Tag nach Euch gesucht.“
„Es tut mir leid, ich konnte nicht kommen.“, entgegnete sie.
Bevor sie noch irgendwelche weiteren Entschuldigungen formulieren konnte, wurde sie bereits schon von dem Prinzen an der Hand genommen und zur Jagdgesellschaft gezogen. Alle fragten, wer denn dieses schöne Mädchen wäre und der Prinz erklärte es ihnen. Nun wurde Amalya mit Fragen bestürmt, als der Prinz erklärte, dass sie sehr schüchtern sei und man doch bitte Rücksicht darauf nehmen sollte, denn er hatte gemerkt, wie all dies Amalya unangenehm geworden war.
„Amalya. Ich heiße Amalya.“, beantwortete sie leise und kaum hörbar die Frage nach ihrem Namen.
Erneut redeten sie bis zur Dämmerung, doch diesmal beobachtete Basroth das Geschehen und er formte einen Plan in seinem Kopf. Er würde sich an dem Mädchen rächen und sie würde es noch bereuen so stolz und hochmütig gewesen zu sein ihn abzuweisen.

Auch diesmal floh Amalya blitzartig im Morgengrauen und der Prinz folgte ihr, während alle anderen ihr verwundert nachsahen und über sie tuschelten. Doch diesmal sah der Prinz wie Amalya sich in den weißen Falken verwandelte. Nun verstand er, warum er sie am Morgen nie erblickt hatte und er schwor sich, sie von dem Fluch, der auf ihr lasten musste zu erlösen.
Als er zurückkehrte, wurde er von den anderen geneckt, doch tat er dies stumm ab und sie ritten weiter, stets gefolgt vom weißen Falken, der, wie er inzwischen wusste, seine geliebte Amalya war.
Amalya. Dieser Name passte sehr gut zu ihr.

Am nächsten Abend kehrte er alleine zu dem See zurück und traf dort auf Amalya, die bereits auf ihn wartete. Mit einem Lächeln begrüßte sie den jungen Prinzen und er war froh sie sehen zu können.
„Du bist der Falke.“
„Woher…?“, fragte sie erschrocken, als er ihr sanft eine Hand auf den Mund legte.
„Ich habe es gesehen. Wer hat Euch dies nur angetan?“, fragte der Prinz voller Mitleid und Zorn über denjenigen, der einem so armen und unschuldigen Ding einen so grauenhaften Fluch auferlegen konnte.
„Ich weiß nicht, wie er heißt. Er entführte mich. Mehr oder weniger. Anfangs folgte ich ihm freiwillig, doch als ich mich gegen ihn wehrte und wieder zurück wollte, da verschleppte er mich mit Gewalt auf sein Schloss. Er wollte mich überreden ihn zum Manne zu nehmen, doch ich weigerte mich, weshalb er mich verfluchte. Doch an die genauen Worte des Fluches kann ich mich nicht mehr erinnern. Es ist, als würde Nebel in meinem Kopf wie Worte verhüllen.“, gestand sie leise und unter Tränen, die der junge Edelmann sofort ritterlich trocknete und das Mädchen tröstend und schützend in die Arme nahm.
„Dies ist schrecklich!“, rief er aus. „Ich werde Euch erlösen! Das schwöre ich!“
Nun lächelte Amalya dankbar und fiel ihm in die Arme.
„Ich danke Euch vielmals.“

Amilya beobachtete all dies voller Neid, doch sie wusste um den Plan ihres ‚Vaters‘. Aber der Prinz sah wirklich sehr nett aus. Es würde sich noch zeigen, was sich dort alles drehen ließ. Aber er würde seine Geliebte niemals bekommen, nicht solange sie es verhindern könnte. Außerdem sah sie so viel schöner aus als Amalya. Und sie war so viel willensstärker und insgesamt einfach nur besser. Wenig später verschwand sie wieder, um Basroth Bericht zu erstatten.

Mehrere Nächte trafen Amalya und Prinz André sich und immer brachte er ihr kleine Geschenke mit. Dann endlich lud er sie ein, mit ihm auf das Schloss zu kommen, sodass er sie seinen Eltern als seine Braut vorstellen konnte. Am nächsten Tage würde Abends ein Ball gehalten, da wäre es ideal sie als seine künftige Braut vorzustellen.
Amalya protestierte, wegen des Fluchs, doch der Prinz bestand darauf und sprach, dass die Heirat vielleicht den Fluch aufheben könnte. Da endlich gab Amalya nach und nahm das Kleid an, das der Prinz ihr gebracht hatte, damit sie es trug.
Amalya war überglücklich und es schmerzte sie, als sie scheiden mussten, denn sie hatte ihren Prinzen inzwischen äußerst lieb gewonnen. Am Morgen flog sie trunken vor Glück hoch in die Lüfte und achtete gar nicht, was um sie herum geschah.

Währenddessen ging Basroth zu Amalyas Versteck und nahm alle Geschenke Andrés an sich, vor allem das Kleid, das sie heute am Ball tragen sollte. Ebenso schnell wie er gekommen war, verschwand er auch wieder und kehrte auf seine Burg zurück.
Als Amalya wieder zu ihrem Unterschlupf zurückkehrte und all ihre Sachen nicht mehr fand, wusste sie, dass Basroth etwas plante und sie machte sich auf den Weg zu ihm, damit er ihr das Kleid zurückgäbe.
Auf dem Schloss angekommen, erwartete Basroth sie bereits, allein und wenig später ging die Sonne unter, sodass Amalya sich wieder verwandelte.
„Gebt mir mein Kleid zurück!“, rief sie erzürnt, doch der Angesprochene lachte nur höhnisch.
„Holt es Euch, wenn es Euch nach ihm so sehr verlangt, liebste Amalya.“
Wütend stürmte sie in das Schloss hinein, entschlossen ihre Sachen zu finden und auf den Ball zu gehen, um ihren Prinzen in die Arme zu schließen, auf dass er sie zur Frau nahm.

André wartete bereits lange und sehnsüchtig auf seine geliebte Falkenprinzessin, wie er sie getauft hatte, doch die Stunden gingen nur vorüber und sie kam nicht, was ihn zweifeln ließ. Sie hatte es doch auch gewollt, weshalb kam sie nun nicht mehr? Auch seine Eltern waren inzwischen äußerst ungeduldig geworden, denn sie wollten endlich die Frau kennen lernen, die André an seine Seite gewählt hatte und die und die die neue Königin werden würde. Dass sie sich so sehr verspätete machte einen sehr schlechten Eindruck auf das Herrscherpaar. Vermutlich hatte sie dem törichten André nur den Kopfverdreht und war mit dem Kleid und den Juwelen verschwunden.
Dann endlich betrat sie in dem wundervollen Kleid den Saal. Alle hielten inne und drehten sich dem wunderbaren Mädchen um, das den Saal betrat und das nur Augen für den Prinzen hatte. Dieser lachte und rief freudig ihren Namen, bevor er ihr entgegen gelaufen kam und sie an der Hand nahm.
„Ich hatte bereits befürchtet, du würdest nicht mehr kommen.“
„Das würde ich doch niemals tun!“, entgegnete sie mit einem Lächeln und folgte dem Prinzen, als er sie zu den Thronen führte, um sie seinen Eltern vorzustellen.
Auch diese waren augenblicklich von der Anmut und dem Liebreiz des Mädchens gefangen.
„Dies ist die Frau, die ich zu meiner Königin machen möchte, weil ich sie liebe!“, erklärte er gefühlvoll und verspürte sofort einen Stich im Herzen.

Auf der Burg brach das Ebenbild schreiend zusammen.
„NEIN! WAS HAST DU NUR GETAN? ANDRÉ!“, rief Amalya, als Basroth laut lachend vor ihr auftauchte.
„Er hat dich verraten. Er liebt eine andere, das hat er laut vor allen verkündet.“
„DU! Was hast du getan?“, weinte sie aufgelöst und krümmte sich unter Schmerzen auf dem Boden.
„Ich? Was könnte ich den tun, ich bin doch hier!“, verhöhnte er Amalya.
Mit Mühe und Not gelang es der Falkenfrau aufzustehen und Basroth anzusehen.
„Ich vergebe dir.“, flüsterte sie leise und kaum hörbar, bevor sie zusammenbrach und nie wieder aufstand. Ihr Herz hatte aufgehört zu schlagen.

Auf dem Schloss nun erkannte André in seinem Herzen den Fehler und er stürmte aus dem Saal, gefolgt von Amilyas Gelächter. Er holte sich ein Pferd und ritt zu der Stelle, an der er Amalya immer getroffen hatte, doch dort war sie nicht zu finden. Doch er traf auf einen finsteren Mann, der aus Amalyas Höhle ging. Kurz abwägend ihn zur Rede zu stellen und nach Amalya zu suchen, entschied er sich für seine Liebste. Dort in der Höhle lag sie. Bleich und tot.
Amilya indes verschwand aus dem Ballsaal um sich wieder mit Basroth zu vereinen.
Der Prinz in seiner Gram trug seine tote Braut nach Hause, die durch seinen Verrat gestorben war, und trug sie dort zu Grabe. Man sagt er habe nie geheiratet.
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Falkenherz

Beitrag von Death of Fantasy » 05.06.2011 11:45

Vor langer Zeit, lebte ein junger Adeliger in den Windreichen, der eine Gabe hatte. Diese Gabe bestand darin, dass er mit den Falken sprechen konnte. Dort, wo er lebte, kannte man die Riesenfalken nicht, sondern nur ihre kleineren Geschwister. Sie wurden für die Jagd verwendet und gut erzogen. Manche Herren behandelten ihre Tiere grausam und schrecklich, sobald dies entdeckt wurde, nahm man ihnen die Tiere ab, doch der Schaden war bereits angerichtet.
Dieser junge Adelige mit dem Namen Rotario del Soleil kümmerte sich immer aufopfernd um diese armen Tiere und er versuchte ihren Schmerz zu lindern, denn da er ihre Sprache verstand, konnte er auch besser auf sie eingehen.
Die Arbeit mit den armen, traumatisierten Falken hatte ihn zu einem traurigen und schweigsamen Mann gemacht, da er wusste, zu was Menschen fähig sein konnten.

Rotario war jedoch auch ein stolzer Mann, der stets für seine Vögel kämpfte. Eines Tages ritt er im Wald aus und fand ein verletztes Falkenjunges. Aus seinem Geschrei hörte er heraus, dass es aus dem Nest gestürzt und sich vermutlich einen Flügel gebrochen hatte. Ebenso, dass das Junge Angst vor ihm hatte.
Leise und mit beruhigender Stimme, versuchte er das aufgeregte Vögelchen davon zu überzeugen, dass er keine Gefahr für ihn war. Endlich gelang es ihm den verletzten Vogel hochzunehmen. Sanft und liebevoll steckte er ihn in eine gepolsterte Tasche und stieg auf sein Pferd und machte sich auf den Rückweg zu seiner Falkenburg, wie sie von den anderen Adeligen spöttisch genannt wurde.
Dort angekommen gab er sein Pferd sofort einem Stallburschen und machte sich daran den jungen Eleonorenfalken zu behandeln. Vorsichtig schiente er dessen Flügel und sprach leise und beruhigend auf ihn ein, damit er keine Panik bekam, wegen der Schmerzen, die er ihm beim Schienen zufügen musste.
Als alles überstanden war, legte er den Falken in einen schönen, großen und so natürlich gehaltenen Käfig wie nur möglich. Dieser Falke lag ihm auf Grund seiner Verletzung momentan besonders am Herzen, weshalb sein Käfig nicht fern von seinem eigenen Schlafraum war.

Am folgenden Tag, besuchte Rotario seinen Eleonorenfalken als Erstes. Der junge Vogel hatte nichts von dem Essen, das er ihm angeboten hatte genommen. Mit einem Seufzer nahm er die Fleischstreifen heraus und bot dem Falken Fleisch aus seinen Fingern an. Er legte den Kopf etwas schief und schaute Rotario misstrauisch und vorsichtig an, bevor sein Kopf vorruckte und er ihm das Fleisch aus den Fingern zog und er es hastig hinunterschlang. Leise lächelte der Adelige, als er ihm das nächste Stückchen hinhielt.
Mit einem Lächeln auf dem Gesicht fütterte er das verängstigte Tier und ließ es dann erst einmal in Ruhe. Mit der Zeit würde er sich an die Menschen gewöhnen.

Seit er den Eleonorenfalken aufgenommen hatte, kümmerte sich der junge Adelige immer besonders um dieses Tier, jedoch nicht ohne auch die anderen Falken zu vernachlässigen. Mit der Zeit entwickelte sich, wie Rotario vorausgesehen hatte, ein besonderes Band zwischen ihnen und er nannte den Falken Traumtänzer, da es ihm wie ein Traum vorkam, dass er und dieses Tier ein solches Band geknüpft hatten und weil er im Flug aussah, als würde er einen besonderen Tanz, dessen Schritte und Regeln nur er kannte, folgen.
Auf der Jagd war Traumtänzer wundervoll und flink, sodass niemand gedacht hätte, dass er sich als Jungtier einen Flügel gebrochen hatte.
Die meisten Adeligen verspotteten den Falkenkönig, wie man Rotario oft abfällig nannte, da er so viele Falken besaß und alle verletzten Tiere aufnahm. Ohne zu Zögern oder Fragen zu stellen. Es war bequem seine störrischen und nutzlosen Tiere bei ihm unauffällig abzuladen, er nahm jedes Tier auf, so unbrauchbar es auch sein mochte, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Adeligen kümmerte er sich wenig darum, was ein Falke ihm einbrachte. Es ging ihm um das Tier an sich und dessen Wohlergehen.

Doch Rotario war auf Grund seines Rufes allein und keine Frau wollte sein werden, da sie nicht bereit waren ihr Heim mit den Falken zu teilen, ebenso wie die Aufmerksamkeit ihres Ehemannes. Hinzu kam auch, dass Rotario nicht unbedingt sehr schön war. Er war durchschnittlich, kaum etwas Besonderes. Sein Gesicht war hart und er besaß eine seltsam verkrümmte Nase, die nach einem Bruch nicht mehr richtig gewachsen war. Aber eigentlich reichten ihm auch seine Falken. Sie waren ihm genug Gesellschaft.
Jedoch hörte er Kunde von einer wunderschönen Prinzessin, die den, der ihr drei Aufgaben erfüllte heiraten würde. An sich störte es den jungen Adeligen nicht sehr, bis er sie einmal auf einem der Empfänge erblickte. Sogleich war er von ihrer Anmut und Schönheit gefangen und es verlangte ihm nach ihr. Er war unter ihren Zauber und in ihren Bann gefallen.

Am nächsten Tag reiste er zu ihrem Schloss und sprach bei ihr vor, um Aufgaben gestellt zu bekommen. Kühl blickte sie auf ihn hinab, Traumtänzer auf seiner Schulter. Sie war ein eitles, stolzes und eingebildetes Ding, das sich nur an ihren Schönheitsidealen erfreute und Rotario traf dieses keineswegs. Aber sie nahm nicht an, dass er die Aufgaben erfüllen konnte, daher nahm sie die Herausforderung an.
„Bringt mir die weiße Mondblume aus den fernen Enden des Reiches, dies sei Eure erste Aufgabe. Jedoch sei gesagt dass sie nicht verwelken darf.“
„Das werde ich, Mylady!“, rief er aus und verbeugte sich, bevor er den Saal verließ, um aufzubrechen.

Wenig später saß er auf seinem Pferd und ritt zurück auf sein Anwesen, um sich die notwendigen Karten zu besorgen. Traumtänzer würde er auf jeden Fall auf diese Reise mitnehmen, ebenso wie ein paar der anderen Falken auch. Die restlichen Tiere würden seine engsten Vertrauten pflegen, von denen er wusste, dass sie die Tiere gebührend behandelten und schätzten.
Sobald alles geregelt war, brach er auf, in die Welt hinaus zu reiten und die Mondblume für die Prinzessin zu besorgen.
Er ritt weit durch das Land, bis an das äußerste Ende. Es war eine lange und beschwerliche Reise über mehrere Wüsten und geprägt war sie von zahlreichen Entbehrungen. Doch seine treuen Falken sorgten immer für etwas, das sie alle essen konnten, sodass sie wenigstens keinen Hunger leiden mussten.
Er hatte sich auf seiner Karte alle Wasserstellen eingezeichnet, an denen sie vorübergekommen waren, damit er sie finden konnte, wenn sie zurückkehrten.
An einer wunderschönen Oase saß er und labte sich am Wasser, doch als er hineinsteigen wollte, schrien die Falken auf und stießen auf ihn hinab, um ihn davon abzuhalten. Versehentlich berührte eines der Tiere das Wasser weiter im Inneren des Sees, als eine Tentakel hochschoss und das unglückliche Tier unter panischem Geschrei unter Wasser zog und verschlang. Verschreckt zuckte Rotario zurück und dankte seinen Vögeln, bevor er um den armen Falken trauerte, der sein Leben gegeben hatte, um ihn zu beschützen. Er würde sein Andenken in Ehren halten.

Endlich erreichte er einen hohen Berg, an dessen steilstem Hang die legendären Mondblumen wuchsen. Noch niemandem war es gelungen eine dieser Pflanzen zu holen. Doch Rotario besaß einen Plan.
Leise flüsterte er seinen Falken etwas zu und sie erhoben sich in die Lüfte, hinauf zu den Mondblumen. Vorsichtig buddelten sie eine Pflanze etwas aus, bevor sie daran zogen und sie sie mitsamt der Wurzel der Erde entrissen. Danach flogen sie hinab zu Rotario und übergaben ihm die Pflanze. Dafür bekamen die Falken eine ordentliche Belohnung, vor allem Traumtänzer, bevor sie sich auf den Rückweg machten.
Der Rückweg war ebenso beschwerlich und in der ersten Wüste begann die Blume durch die Hitze zu welken. Rasch übergab Rotario sie einem seiner Falken, damit er sie zum Wasserloch brachte. Von da an, betraute er immer wieder einen der Vögel die Blume an eines der Wasserlöcher zu fliegen. Diesmal mied er das verfluchte Wasserloch und die Blume gab ihm während der Reise immer wieder Kraft und Hoffnung, da die Sonne heißer auf sie hinabbrannte, als beim Hinweg. Mehrere Falken konnten bereits nicht mehr fliegen, auch sein Traumtänzer war unter ihnen. Öfter lagen ausgebleichte Skelette am Wegesrand, die Rotario zutiefst erschreckten.
Die Wüsten erschienen ihm länger, so als wollten sie ihn festhalten und nicht mehr loslassen, nun, da er die Blume erlangt hatte. Auch der Blume ging es sehr schlecht, trotz der Behandlung der Falken. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte er endlich wieder die bekannten und milderen Gefilde und die Pflanze erholte sich rasch wieder.

Als er bei der Prinzessin angekommen war, übergab er ihr die Mondblume in voller Blüte und sie war verzaubert von dieser wunderschönen Pflanze, die sanft leuchtete, wie der Mond. Diese war zwar erschrocken, dass dieser die erste Aufgabe gemeistert hatte, doch er würde sicherlich an der zweiten Aufgabe scheitern, die sie ihm stellen würde. Dessen war sie sich sicher.
„Bringe mir einen Krug des Wassers aus dem Brunnen der silbernen Nachtigall!“, verlangte sie herrisch.
Wieder verneigte sich Rotario und er versprach, dass er ihr dieses Wasser besorgen würde. Da ihm seine geliebten Falken bei der ersten Aufgabe einen so großen Dienst erwiesen hatten, vertraute er auch diesmal auf ihre Gesellschaft und er nahm sie mit sich.

Diesmal ging die Reise durch Sumpfgebiet. Es war dort gefährlich und viele, die dort einmal hineingegangen waren, kamen nie wieder heraus, da sie von Sumpflichtern in die Irre geführt worden waren. Auch Rotario hatte mit diesen Illusionen zu kämpfen, doch seine Tiere halfen ihm immer wieder den rechten Pfad zu finden.
Dann endlich hatte er die Sümpfe durchquert und er stand auf einer weiten und wunderschönen Grasebene, die sie an seine Heimat erinnerte.
Der Wind spielte mit den Halmen, die wie ein smaragdgrünes Meer auf und ab wogten im angenehmen Sonnenlicht. Weit oben erblickte er Raubvögel, die in wundervollen Kreisen durch die Luft schwebten und auf Beutesuche gingen. Seufzend betrachtete er sie in ihrer Anmut, als er des Tempels am Hügel hinter der Ebene gewahr wurde. Dort musste die Quelle sein, dessen war er sich nun sicher. Er trieb sein Pferd an schneller zu laufen, doch dieses törichte Tier weigerte sich, es lief auch in die vollkommen falsche Richtung, fort von dem Tempel. Da wurde er wütend, doch bevor er das Pferd schlagen und dazu zwingen konnte zum Tempel zu laufen, hörte er ein Krächzen und spürte scharfe Krallen in seiner Schulter.
Mit einem Keuchen erwachte Rotario aus der Trance in die er versetzt worden war und erblickte das Moor, das dort lag, wo er eben noch die Grasebene gesehen hatte. Wenn er sein Pferd dorthin gelenkt hätte, so wären sie sicherlich dort versunken. Er blickte zu seiner Schulter und sah dort Traumtänzer sitzen. Das überaus treue Tier hatte verhindert, dass sein Herr ins Verderben ritt. Dankbar lobte er ihn und gab ihm ein paar Stückchen von dem Fleisch, das er für seine Falken in der Tasche verstaut hatte. Hungrig schlang Traumtänzer es hinab.
Dann endete der Weg plötzlich an einer Felswand, aus der eine Quelle entsprang, auf der eine silberne Nachtigall saß und ihr trauriges und wehmütiges Lied in die Welt hinausträllerte. Obwohl es Tag war, sang sie. Dies musste die Quelle sein.
Er nahm den Krug und füllte ihn mit Wasser, bevor er ihn versiegelte und in den Satteltaschen so verstaute, dass er nicht umfallen konnte. Mit einer Verbeugung vor der Nachtigall, verließen er, Traumtänzer und seine anderen Falken wieder den Ort und drehten um, um den Weg zurückzugehen, den sie genommen hatten.

Dieses Mal wurde er von keiner Illusion überfallen, doch die Sumpflichter versuchten häufiger ihn vom rechten Weg abzubringen, als wollten sie, dass das Wasser dort blieb, wo es war. Da sah er einen alten Mann vor sich durch die Moore laufen und er bot an, ihn mitzunehmen. Der Mann nahm dankend an und Rotario stieg ab, um ihn reiten zu lassen, als die Falken warnend aufschrien und Rotario sich bei den Rufen umdrehte. Er sah, wie der Mann einen Dolch auf seinen Rücken hin führte, doch nun war er nur noch ein Skelett. Schnell zog der junge Ritter sein Schwert und schlug das Monster entzwei. Eilig sprang er auf den Pferderücken und sie ritten, so schnell es ging von dem unheiligen Ort fort, der sein Leben fordern wollte. Es war noch gefährlicher als bei der geraubten Blume, zumindest erschien es ihm so. Nach weiteren Angriffen des Sumpfes auf sein Leben erreichte er schließlich dessen Ende und sein Vorankommen, war ungleich schneller, als er zu seiner Angebeteten eilte.

Diese war erschrocken, als er ihr die Kanne reichte und als sie trank und spürte, dass dies wirklich das Wasser aus der Quelle der silbernen Nachtigall war. Keinesfalls würde sie ihn heiraten, das hatte sie sich geschworen. Dass sein Herz besonders an dem Falken, der stets auf seiner Schulter saß hing, wusste sie, weshalb sich ein Plan in ihrem Kopf formte.
„Als dritte Aufgabe wirst du deinen Falken töten. Ich möchte meinen Ehemann nicht mit einem Tier teilen müssen.“
Erschrocken blickte Rotario auf, der die Hinterhältigkeit und Bosheit seiner Angebeteten nicht erkennen konnte. Doch dann nahm er schweren Herzens seinen Falken vorsichtig von der Schulter und zog seinen Dolch.

Voller Verzweiflung strich Rotario nochmals über das Gefieder seines geliebten Traumtänzers, bevor er ihm den Dolch in das Herz stieß. Mit einem anklagenden Krächzen starb der Vogel. Erwartungsvoll sah er nun die Prinzessin an. Er hatte die dritte Aufgabe erfüllt, so schwer es ihm auch gefallen war, nun musste sie endlich nachgeben.
„Nein!“, rief diese entsetzt. „Nimmer werde ich Eure Frau werden, Falkenkönig. Nimmer!“
Dann sprang sie auf und verließ den Raum. Rotario, der sich betrogen fühlte, ein Gefühl, dass er vollkommen rechtens verspürte, blickte auf die Überreste Traumtänzers und ihm kamen die Tränen. Was hatte er nur getan? Wie verblendet war er nur gewesen? Sein Traumtänzer hatte dafür nun zahlen müssen. Er hatte den höchsten Preis gezahlt, den es zu zahlen gab.
„Oh ihr Götter! Vergebt mir für diesen Frevel!“, rief er aus und brach auf die Knie, bevor er den Eleonorenfalken, den er von klein auf aufgezogen hatte, auf den kalten Boden legte.
Schwer vielen seine Tränen auf den starren und toten Vogelleib und er weinte bis tief in die Nacht hinein.

Plötzlich regte sich etwas unter ihm. Eine winzige Gestalt kam angetrappelt und blickte Rotario prüfend an.
„Was würdest du geben, damit er wieder leben kann?“, fragte sie und Rotario blickte den Gnom aus verweinten Augen an.
„Mein Leben.“, krächzte er heiser.
„So viel verlange ich gar nicht. Ich verlange nur deine Gabe.“
„Nimm sie! Solange Traumtänzer dadurch wieder lebendig durch die Welt fliegen kann!“
„So sei es!“, flüsterte der Gnom und die Wunde des Vogels schloss sich.
„Er wird sich nicht mehr an das erinnern, was zu seinem Tod geführt hat. Ich hoffe du hast aus deinen Fehlern gelernt.“
„Das habe ich!“, schwor Rotario und er hob Traumtänzer auf, der sich wenig später krächzend in die Lüfte erhob.
Nun mehr einsam, bis auf seine Falken, ritt Rotario zurück auf sein Anwesen und er pflegte, selbst ohne seine Gabe weiter Falken. Durchaus mit Erfolg, denn durch all die Erfahrung war er gar nicht mehr auf sie angewiesen. Doch mit ihm begann auch die Magie aus der Welt zu schwinden und es wurde kein Mensch mehr mit magischen Fähigkeiten in den Windreichen gesehen.
Die Prinzessin indes erfreute sich nicht mehr an ihren Geschenken und wurde bald darauf schwer krank. Kein Heilmittel vermochte ihr zu helfen und sie verschied wenig später qualvoll.
Zuletzt geändert von Death of Fantasy am 11.06.2011 13:05, insgesamt 1-mal geändert.
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Abendlied und Morgenklage

Beitrag von Death of Fantasy » 05.06.2011 22:54

Einst lebte in den Windreichen ein wunderschönes junges Mädchen, Isane geheißen. Ihr Anmut wurde von vielen Barden besungen und auch ihr Herz war so rein wie die Morgenluft an einem Frühlingstag. Isane hatte zarte, helle Haut und einen feingliedrigen Körperbau. Ihr helles Haar schimmerte im Sonnenlicht silbern und ihre Augen strahlten voller Lebenskraft und Lebensfreude. Jeder, der auf sie traf, verfiel ihr mit Haut und Haaren, doch Isane nutzte dies niemals aus, dafür war sie viel zu sanftmütig.

Es warben viele um Isane und dem jungen Kira waren bereits viele Geschichten von ihr zu Ohren gekommen, als er in der Stadt ankam, nachdem er lange in den Grenzkriegen gekämpft hatte. Doch bis auf all die Geschichten hatte er noch nichts gehört oder gesehen und er wollte sich selbst ein Bild von dem Mädchen machen, das alle so hoch lobten.
Zuerst jedoch musste er zu der Heimstatt seiner Familie reisen, die sich sicher bereits unwahrscheinlich um ihn sorgten, denn er hatte sich ein wenig verspätet, weil sein Pferd Nachtschatten ein Hufeisen verloren hatte. Er wurde sehnsüchtig erwartet und man begrüßte ihn glücklich, denn jeder war froh, dass er endlich wieder zuhause war.
Kira war den ganzen restlichen Tag beschäftigt, so entschied er sich leichthin zu warten, bis er nach Isane sah, um zu prüfen, ob all die Gerüchte denn der Wahrheit entsprachen.

Früh am Morgen des nächsten Tages machte er sich dann auf den Weg zum Markt, um noch einige Dinge, für seine Familie zu besorgen, um ihnen auch etwas von Nutzen zu sein. Der Markt selbst war noch sehr leer und kaum jemand befand sich dort, außer den Marktleuten mit ihren Verkaufsständen, die auch noch nicht vollständig aufgebaut waren.
Da plötzlich erblickte er eine wunderschöne und anmutige Gestalt, die langsam über den Markt schwebte und er hielt erstaunt und fasziniert inne. Jede einzelne Bewegung sog er in sich auf und er verlangte danach sie näher betrachten zu dürfen, auch wenn dieses Wesen niemals echt und wahr sein konnte. Ein Stich ging ihm durch das Herz und er glaubte sterben zu müssen, könnte er nicht einmal ihre Stimme vernehmen, selbst wenn sie nur ein Produkt seiner Fantasie war.

Isane hatte sich entschieden sehr früh auf den Markt zu gehen, damit nicht jeder ihr hinterherstarrte und sie von keiner großen Menschenmenge umgeben wäre. Es war eine Last, doch sie ertrug sie. Der Statthalter hatte ihr einen Antrag gemacht, wie so viele andere, doch dieser war sogar eine gute Wahl. Es wäre nicht schlecht ihn anzunehmen. Doch sie zögerte noch, denn irgendwie hatte sie das Gefühl, dass etwas fehlte und dass sie dafür hinausgehen musste, wo sie die weite Welt doch ohnehin so sehr liebte. Das Eingesperrtsein war ihr zuwider, dennoch war es leider unvermeidlich.
Auf dem Markt angekommen fühlte sie wieder all die Blicke auf sich und kurz ließ sie den Blick schweifen, als sie einen ihr unbekannten jungen Mann entdeckte, der sie vollkommen verzaubert ansah. Doch das Gefühl, dass sie bei ihm hatte, war anders, als bei allen anderen. Er war irgendwie besonders.
Wie von unsichtbaren Fäden gezogen kam sie langsam auf ihn zu und musterte ihn dabei. Seine große, sehnige Gestalt, die auf einen Krieger hindeutete und sein helles, langes Haar, das ihm offen in sein Gesicht hing.

Kiras Herz hüpfte, als diese Sagengestalt auf ihn zukam und direkt vor ihm stehen blieb. Er konnte kein Wort in seinem Mund formen, daher hielt er ihn geschlossen, denn er wollte diesen Engel nicht mit seltsamen Gestammel verjagen. Stumm standen sie einander eine ganze Weile gegenüber, bevor Isane leise sprach:
„Seid gegrüßt mein Herr. Ich habe Euch hier noch nie gesehen.“
Ihre Stimme war so wundervoll wie ihre ganze Gestalt und ihre Augen blickten scheu und sanft zu ihm auf. Sein Atem ging unwillkürlich schneller nd er fragte sich später, wie er klare Worte hatte artikulieren können.
„Ich bin Kira. Und ich bin gestern erst wieder aus dem Krieg zurückgekehrt.“
Wenn dies Isane war, dann waren alle Beschreibungen maßlos untertrieben, doch es war unmöglich sie mit Worten zu beschreiben, das hatte er inzwischen erkannt.
„Es ist schön Euch kennen zu lernen, Kira. Ich werde Isane genannt.“
Sie war es. Er konnte sein Glück kaum fassen, dass er mit ihr sprechen durfte. Sein Herz pochte so laut gegen seine Brust, dass es wehtat. Es wunderte ihn, dass sie es nicht hörte, doch vermutlich war sie einfach nur zu höflich, um dies anzusprechen.
„Ich habe bereits viel von Euch gehört, doch all die Gerüchte haben die Wirklichkeit nicht einmal zu Berühren geschafft.“, entgegnete er und er kam sich wie ein Idiot vor. Dies sagte sicher jeder zu ihr und sie war es bestimmt leid so etwas zu hören.
„Entschuldigt, dies hört ihr sicher oft genug. Ich bin ein Narr.“
„Nein, ich danke Euch. Auch wenn ich es oft höre, bei Euch war es etwas Besonderes.“, entgegnete sie mit einem zarten Lächeln.
Dieser junge Mann war wirklich anders. Zwar machte er dieselben Komplimente, aber bei ihm k amen sie ihr echter und aufrichtiger vor, so als würden sie wirklich den Tiefen seines Herzens entspringen. Und er hatte so etwas wie Verständnis für sie.
„Wenn Ihr wünscht könnte ich Euch zum Abendessen einladen. Wir feiern meine Rückkehr.“, lud Kira sie ein und schalt sich in Gedanken. Sie würde bestimmt nicht kommen wollen. Warum hörte er nicht endlich auf solchen Unsinn zu reden und sich lächerlich zu machen.
„Es ist mir eine Ehre, ich würde gerne kommen.“, erwiderte Isane jedoch zu seiner Überraschung und sein Herz setzte einen Schlag vor Freude aus. Sie würde wirklich kommen.
„Dann bis heute Abend, meine Dame.“, verabschiedete er sich mit einer ehrerbietigen Verbeugung, bevor er ging. Es war auch allerhöchste Zeit, denn sonst hätte er sich noch vollkommen zum Narren gemacht.

Zuhause angekommen, erzählte er trunken vor Glück von dem Gast, den sie in ihrem Haus begrüßen durften und seine Eltern blickten sich besorgt an, da sie fürchteten, wohin dies noch führen mochte.
Am Abend dann, wurde Isane freundlich begrüßt und willkommen geheißen. Auch die Eltern waren von der jungen Frau gefangen genommen, jedoch bei Weitem nicht so sehr wie ihr Sohn.
Isane gefiel es bei Kira und es war schön einmal einen anderen Ort zu sehen, da sie zwar auch oft eingeladen wurde, die Räume meist immer nur so voll waren und man sie so einengte, dass sie die Räume gar nicht wirklich betrachten und auf sich wirken lassen konnte. Doch hier war es angenehm. Vor allem, da dies eine Feier in einer äußerst kleinen Runde war.

Kira und Isane warfen sich immer wieder verstohlene Blicke zu, wenn sie glaubten, dass der Andere es nicht merkte. Sollten sie dennoch bemerkt werden, versuchten sie dies irgendwie zu vertuschen und anderweitig zu verkaufen. Liebevoll und freundlich trennten sie sich nach dem Abend wieder und hätte man sie gefragt, so hätte keiner erzählen können, was er überhaupt alles gegessen hatte, da ihre Gedanken immer beim jeweils anderen geweilt hatten.
In den nächsten Wochen trafen sie sich immer wieder heimlich früh vor dem Morgengrauen, um sich gegenseitig besser kennen zu lernen. Jedem fiel auf, dass die Schönheit glücklicher und gelöster wirkte, nicht mehr so traurig und nachdenklich. Doch dachten sie, dass es an dem Antrag lag, den der Stadtherr ihr gemacht hatte, denn er war eine überaus gute Partie. Niemand ahnte den wahren Grund.

Isane wurde wieder einmal von einem Boten des Statthalters besucht, der ihre Antwort erwartete. Inzwischen war sie sich sicher, dass sie mit Kira ein glückliches Leben führen konnte und dass dies auch ihr Wunsch war. Sie hatten oftmals darüber gesprochen und auch Kira wünschte sich eine Zukunft mit ihr an seiner Seite. So stand dem nichts mehr im Wege. Höflich bat sie den Boten seinem Herrn zu übermitteln, dass sie das Angebot wirklich sehr ehre, doch leider müsste sie es abschlagen, da sie bereits jemand anderem versprochen war.
Als der Herr der Stadt diese Nachricht vernahm, sann er auf Rache. Niemand schlug einfach so sein Angebot ab. Er hatte ihr eine großartige Zukunft versprochen und sie verschwendete es wohl an irgendeinen niederen Bauernsohn, der sie gar nicht zu würdigen wusste. Das würden sie und ihr Freier noch bereuen. Vorerst jedoch zog er sich zurück um zu planen und er setzte eine Maske auf und schwor sich gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Sie würden alle noch sehen, was sie davon hatten.

Ein Monat später wurde die Hochzeit der beiden Liebenden gefeiert. In einem prachtvollen und riesigen Zeremoniell vermählten Kira und Isane sich auf ewig. Viele trauerten all der Zeit nach, in der Isane noch frei gewesen war und sie beneideten Kira für sein Glück. Gleichzeitig hofften sie auch, dass Isane sich nicht mit ihm zufrieden geben würde und sich dann auch anderen zuwandte. Dass dies einfach nicht ihre Art war verstand niemand der Anwesenden, außer der Bräutigam selbst. Nach und nach entfernten sich langsam auch die Gäste und legten ihre Geschenke ab, für die sie sich zuvor bedankt hatten, ebenso wie sie ihre Freude über das Kommen jedes Einzelnen zum Ausdruck brachten.

Als letzter kam der Statthalter und er beglückwünschte das Brautpaar. Er wandte sich bereits zum Gehen um, als er innehielt und sie fest und mit einem dunklen Feuer in den Augen anblickte und fixierte.
„Nimmer sollt ihr glücklich werden. Des Tages sollst du, Isane, als Falke durch die Lüfte streifen, während in der Nacht Kira als reißender Wolf die Wälder unsicher macht. Nie wieder werdet ihr euch als Menschen begegnen, vom heutigen Tage an.“
Nach diesen Worten, die nur die zwei Turteltäubchen vernommen hatten, ging er wieder. Der Schreck war in ihre Herzen gefahren und sie sahen sich erschrocken an, da sie nicht glauben wollten, was sie gehört hatten. Wenig später aber ging die Sonne unter und Kira sand voller Schmerzen auf den Boden. Isane wollte ihm zur Hilfe eilen, doch dieser schickte sie fort, während er sich in eine Ecke verzog. Wenig später trat dort ein schwarzer Wolf heraus, der rasch aus der Stadt in die Wälder flüchtete, bevor er den Mond anheulte, um seine Trauer über sein grausames Schicksal in die Welt hinauszuschreien.
Isane hörte den Schrei des Wolfes und panisch suchte sie nach ihrem Geliebten, fand jedoch nur noch seine Kleidung und einige Wolfsspuren im Dreck. Leise weinte sie darum, was ihnen geschehen war. Traurig und allein kehrte sie in ihr Brautgemach ein, um auf den Tag zu warten. Dort nahm sie einen Bogen Pergament zur Hand und schrieb einen Brief an ihren Geliebten, denn sie war sich sicher, dass sie sich nun ebenfalls in einen Falken verwandeln würde, sobald die Sonne am Horizont erschien.

Als Kira am Morgen zurückkehrte, fand er dort Isanes Brief vor. Traurig las er ihn, bevor er all seine Dinge zusammenpackte, um aus dem Ort zu fliehen. Er konnte dies seiner Familie nicht antun und vielleicht verlor der Fluch an Kraft, wenn sie weit genug aus dem Bannkreis des Statthalters geflohen waren.
Bald darauf waren er und Nachtschatten startbereit. Er nahm eine Schreibfeder, Tinte und mehrere Bogen an Pergament mit, damit er sich weiterhin mit Isane unterhalten konnte, auch wenn dies nur ein schwacher Trost gegen die Anwesenheit des Anderen in menschlicher Gestalt war. Dennoch war dies ein geringes Trostpflaster weiterhin mit dem Geliebten in Kontakt zu stehen.
Am Abend hinterlegte er einen Brief, bevor er tief in die Wälder ging, wo er sich verwandelte. Isane war ihm in Falkengestalt gefolgt. Einer der ehemaligen Freier hatte ebenfalls von dem Fluch gehört und zuerst war er glücklich, dass er so vielleicht doch noch Isane für sich gewinnen konnte, bis ihm mit der Zeit die Tragik dieser Geschichte bewusst wurde. Er zog sich zurück, weit außerhalb der Stadt und schwor sich nach einer Lösung zu suchen, um den Liebenden zu helfen.

Die Jahre zogen in das Land und Isane und ihr Geliebter bereisten die Welt, ohne jedoch dem Fluch zu entfliehen. Mit der Zeit war ihnen Tinte und Pergament ausgegangen, sodass sie ihre Briefe und Liebesschwüre eingestellt hatten. Dennoch wussten sie, dass der Andere immer an ihn dachte. Trotzdem war ihr Leid unglaublich, denn sie wussten, dass sich an ihrer Situation niemals würde etwas ändern können, bis es keinen Tag und keine Nacht mehr gäbe oder bi sie tot waren.
Sie alterten nur halb so schnell, wie es eigentlich normal gewesen wäre, da sie auch nur ein halbes Leben führten. So waren sie auch, nachdem alle, die sie gekannt hatten zehn Jahre gealtert waren, selbst nur fünf Jahre älter. Sie würden ein Leben führen, dass doppelt so lange währte, als es ihnen normalerweise beschieden war, um ihnen ihre Qual zu verlängern. Auf ihnen lastete wahrlich ein grauenhafter Fluch.

Es begab sich, dass sie wieder in der Nähe ihrer alten Heimat waren, denn Kira schlug sich mit einigen Gelegenheitsarbeiten durch, damit er für sich und Isane Essen und Kleidung besorgen konnte. Da trafen sie auf einen jungen Dieb, der sich als Tōshirō vorstellte. Er war von dem Mann geschickt worden um Kira und Isane aufzuspüren und zu ihm zu bringen.

Dem Statthalter währenddessen dauerte es zu lange und er hatte Kunde vernommen, dass Isane und Kira wieder in der Gegend waren. Daher befahl er einen Fallensteller zu sich, damit er ihm einen schwarzen Wolf erlegte. Denn wenn Kira tot wäre, wäre der Fluch gebrochen und Isane hätte niemanden mehr, zu dem sie sich wenden könnte, weshalb sie sicher ihn an ihrer Seite akzeptieren würde. Dann wäre sie endlich sein und sein allein.

Der junge Dieb führte sie, unwissend über ihr Schicksal durch den Wald, da er nur gebeten worden war den Mann oder die Frau zu holen, da der jeweils Andere mit der Zeit nachfolgen würde.
Als der Abend hereinbrach, verschwand Kira spurlos im Wald, doch wenig später traf eine junge Frau ein, die wunderschön anzusehen war, sodass auch Tōshirō in ihren Bann geriet. Doch war sie sehr traurig und schweigsam, sodass er versuchte sie ein wenig aufzuheitern. Trotzdem war sie nie ganz bei der Sache, was ich ein wenig verstörte. Vielleicht war es der Wolf, der ganz in der Nähe unheimlich und bedrohlich heulte.
Am Morgen kam Kira zurück, mit seinem Falken auf dem Arm und die junge Frau war wieder verschwunden. Da sie nun so dicht an ihrer Heimat waren, schwor er sich, dass er den Statthalter umbringen würde für das, was er ihnen angetan hatte. Eigentlich hätte er dies schon viel früher tun müssen. Der Junge ritt hinter Kira auf dem Pferd mit.
Als sie an einer kleinen Ansammlung von Häusern ankamen, schickte Kira Tōshirō dorthin, damit er etwas zu Essen holte, doch er kam nicht mehr zurück. Leise fluchend dem Jungen vertraut zu haben, ritt er weiter, unwissend, dass dieser von Soldaten des Statthalters festgehalten worden war.
Etwas weiter entfernt erwarteten die Soldaten ihn und seinen Falken mit gespannten Armbrüsten. Nichts ahnend ritt Kira in die Falle und Tōshirō, der versuchte sich zu befreien schaffte es endlich und konnte somit Kira warnen.

Augenblicklich schossen die Soldaten auf Kira, doch dieser konnte sie nun mit seinem Schwert abwehren und griff seinerseits die Soldaten an. Als einer der Soldaten gerade auf Kira anlegte, griff der junge Dieb ein und lenkte so den Armbrustbolzen ab, der dabei jedoch den Falken traf. Schwer verwundet stürzte das Tier zu Boden.
Sofort ritt Kira zu dem Falken, doch sein Weg wurde von den Soldaten blockiert, durch die er sich erst noch durchkämpfen musste. In der Zwischenzeit war der junge Mann bereits beim Falken angekommen und er sah ihn traurig an.
„Da ist nichts mehr zu machen!“, rief er und wurde sofort von Kira am Kragen gepackt.
„Sag‘ das nie wieder!“, knurrte er und hob den Falken vorsichtig hoch.
„Wo ist hier der nächste Heiler?“, fragte er angespannt den Dieb vor sich.
„N… nicht weit von hier. Ein Einsiedler.“
„Kann man ihm vertrauen?“
„Er wollte, dass ich Euch zu ihm bringe, Herr.“
Kurz überlegte Kira, bevor er Tōshirō befahl aufzusteigen.
„Nimm sie und reite zu ihm hin. Wenn du versagst und sie stirbt, wirst du es bereuen.“, schwor er, was den Angesprochen durchaus beflügelte.
Rasch ritt er mit Nachtschatten davon, hin zu dem Einsiedler, der auch um Isanes wahre Natur wusste.

Es dauerte, bis er dort angekommen war, doch als Tōshirō mit dem Falken ankam, wusste er sofort, was zu tun war. Der Einsiedler übernahm den Falken und legte ihn vorsichtig ab, bevor er die Tür wieder verschloss und dem Boten verbat dort hineinzugehen, während er die nötigen Kräuter sammelte.
Doch natürlich hörte Tōshirō nicht auf das, was ihm gesagt wurde und er schlich sich doch dort hinein. Und da die Sonne inzwischen untergegangen war, sah er dort Isane liegen, den Pfeil in der Schulter. Da verstand er langsam.
„Ihr seid der Falke. Und er ist der Wolf…“, flüsterte er leise und Isane nickte nur als Antwort.
Da kam der Einsiedler wieder zurück und er herrschte den jungen Dieb an, dass er rausgehen sollte und er auch draußen bleiben sollte, denn er konnte ihn gerade gar nicht gebrauchen.

Im Morgengrauen kehrte Kira dort ein und er wurde bereits vom Einsiedler erwartet.
„Seid gegrüßt, Kira.“, rief er ihm zu, doch dieser antwortete nur mit einem eher unfreundlichen und mürrischen Grummeln.
„Was wolltest du von uns?“; fragte er stattdessen.
„Ich denke ich weiß, wie ihr den Fluch brechen könnt. Ihr müsst gemeinsam vor ihn hintreten in menschlicher Gestalt.“
„Und wie soll dies funktionieren? Solange es Tag und Nacht gibt ist es unmöglich.“
„Morgen wird es einen Tag ohne Nacht geben oder eine Nacht ohne Tag. Da solltet ihr euer Glück versuchen.“
„Du bist ein Narr an so etwas zu glauben! Ich werde reiten den Statthalter zu töten!“
„Bin ich das? Was schadet es denn dies zu versuchen?“
Darauf konnte Kira nichts mehr einwenden und er schwieg. Bevor er noch etwas anfügen konnte, erhob sich mit einem Krächzen Isane und landete auf dem Arm, den Kira ihr hinstreckte.
Dann drehte er sich um und holte sein Pferd, mitsamt der Waffen.
„Du kannst mitkommen oder hier bleiben. Es ist mir egal.“, bemerkte Kira abweisend und stieg auf das Pferd.
Tōshirō zögerte kurz, bevor er darum bat mitzukommen. So wurde er auch mit auf das Pferd gehoben und die beiden ritten los, in Richtung des Statthalters.

Der Ritt verlief recht ereignislos und schweigsam. Kira schien über irgendetwas nachzugrübeln, vermutlich über die Worte des Einsiedlers. Als es zu dämmern begann, kehrten sie in ein Gasthaus wenige Meilen vor der Stadt ein, damit alle sich erholen konnten.
Isane wurde bereits von Tōshirō erwartet, der auf Kiras Habseligkeiten aufpassen sollte, solange dieser als Wolf umherstreifte. Da sie beide Hunger hatten und das Proviant recht aufgeraucht war, entschieden sie sich aus dem Stall in das Gasthaus zu gehen, als Isane gegen ein Pferd voller Wolfsfelle prallte und gellend aufschrie, als sie erkannte, was dort lag.
Dort durfte nicht ihr Kira dabei sein, das konnte sie niemals ertragen. Panisch lief sie zurück zur Scheune und holte Nachtschatten. Schnell hatte sie sich auf seinen Rücken geschwungen und bevor der junge Dieb reagieren konnte, war sie bereits schon in die Nacht hinaus geritten, um in den Wäldern nach dem schwarzen Wolf zu suchen, der ihr Gefährte war.
Doch sie fand ihn nicht. Tōshirō folgte ihr, so gut es ging, immer wieder sein Schicksal verfluchend und die Götter anflehend, da er sich sicher war, dass Kira ihn dafür umbringen würde, dass Isane verschwunden wa und er sie nicht hatte aufhalten können.

Als der Morgen langsam anbrach heulte ein Wolf direkt neben Isane und Nachtschatten auf, was das arme Tier unglaublich verschreckte, sodass es durchging. Als der Wolf ihm sogar noch nachhetzte, wurde es noch panischer und kein Versuch Isanes es zu stoppen mochte gelingen. Da stolperte das Tier und stürzte mitsamt seiner Reiterin, die bewegungslos auf dem Boden lag. Langsam kam der Wolf angelaufen und leckte ihr vorsichtig über das Gesicht.
Da wechselten die Tageszeiten und für eine Sekunde begegneten er und Isane sich wieder in menschlicher Gestalt, bevor die junge Frau wieder zum Falken wurde und sich in die Lüfte erhob. Aber diese Begegnung hatte Kira hoffen lassen und zugleich seinen Zorn weiter geschürt.
Tōshirō hatte all dies aus der Ferne mitangesehen und nach Luft geschnappt. Da entdeckte Kira ihn und stellte ihn zur Rede, bevor sie sich auf Nachtschattens Rücken schwangen, der sich inzwischen wieder aufgerappelt hatte, um dem Statthalter einen Besuch abzustatten.

Durch die Nachtjagd waren sie näher an die Stadt herangekommen, sodass sie sehr rasch durch ihre Tore ritten und den Statthalter aufsuchten.
Dieser war gerade in der großen Gemeindehalle, um dort die Steuereinnahmen zu zählen und sich dabei ein wenig Geld auf die Seite zu schaffen, als Kira eintrat, das Schwert blank gezogen.
„Wen haben wir denn da?“, fragte er spöttisch und sah Kira abschätzig an.
„Wenn du mich tötest wird der Fluch nie gebrochen werden.“
„Das ist mir egal, solange du stirbst und in den Höllenschlünden für deine Sünden büßt!“, entgegnete Kira zornig und lief auf ihn zu.
Am Himmel schob sich dabei gerade der Mond langsam vor die Sonne und die Welt begann sich zu verdunkeln.
Der Statthalter zog nun ebenfalls sein Schwert, das jedoch mehr der Zierde diente, und verteidigte sich gegen Kiras Attacken. Sie kämpften einige Minuten, als der Falke plötzlich krächzend angeflogen kam und die Verwandlung begann. Augenblicke später stand in der Mitte des Raumes Isane. Die Kämpfenden hielten in ihrem Gefecht inne, als die junge Frau an Kiras Seite trat und seine Hand nahm.
„Ich habe ihn zu meinem Mann erwählt und so soll es sein. Kein Fluch wird je etwas daran ändern.“
Fest drückte Kira Isanes Hand und lächelte sie an, da er sie nun endlich wieder als Menschen sah, wenn er selbst auch in menschlicher Gestalt verweilte.
Wütend und voller Zorn darüber, was er sah, ebenso wie voller Unglauben, führte der Statthalter einen Streich gegen Kiras Herz, dem dieser jedoch noch ausweichen konnte, sodass die Klinge nur seine Schulter erwischte. Im Gegenzug führte er nun seine Klinge gegen ihren Unglücksbringer und er durchbohrte damit sein schwarzes Herz. Der Fluch war bereits gebrochen, so war der Gerechtigkeit nun Genüge getan.
Kira und Isane wandten sich um und die junge Frau zog sich rasch etwas über. Nun konnten sie endlich in Friede leben als Mann und Frau.
Der Mond gab die Sonne wieder frei, doch Kira und Isane blieben wie sie waren und betrachten glücklich das Taggestirn. Nun konnte alles nur noch besser werden.
Once the land of liberty,
Land of ancient chivalry
Blow some trumpet loud and free,
Leave the hills of Arcady

Arcadia - Faun

Death of Fantasy
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Feuerseele

Beitrag von Death of Fantasy » 12.06.2011 20:13

Als die Elfen noch offen auf den Pfaden der Welt wandelten und sich noch nicht zurückgezogen hatten, lebten zwei von ihnen davon, dass sie als Spielleute die Menschen erheiterten und ihnen große Kunst vermittelten. Auch wollten sie sie von ihrem grauen und oft eintönigen und harten Alltag ablenken. Sie wurden Aldame und Mandalos genannt und sie liebten sich.
Die beiden Elfen zogen viel durch das Land und vor allem ihre Musik wurde weithin gerühmt. Man freute sich sie begrüßen zu dürfen. Ihre Lieder erzählten phantastische Geschichten und Sagen von großem Glück, aber auch von unaussprechlichem Leid. Die Elfen waren äußerst sanftmütig und freundlich und es bereitete ihnen Freude andere glücklich zu machen.
Nur das eigene Glück fehlte ihnen. Denn bereits seit Jahrzehnten versuchten sie schon Nachwuchs zu zeugen, doch es misslang.

So bereisten sie einsam das Land und versuchten dabei andere Menschen glücklich zu machen, während ihnen das größte Glück versagt blieb. Doch eines Tages wendete sich das Blatt und sie wurden von einer alten, blinden Frau angesprochen, die ihnen versprach, dass sie wüsste, wie sie ihr Glück doch noch erreichen könnten.
Natürlich waren die beiden hellauf begeistert, jedoch auch misstrauisch. Die Frau stellte sich als Hexenmeisterin und Seherin vor, die großes Wissen erlangt Aldame war unsicher, ob sie dieser Frau trauen konnte, doch Mandalos freute sich so sehr über die Aussicht endlich Nachwuchs zu bekommen, dass er gar nicht mehr an Argwohn nachte.
„Wie, gute Frau?“, fragte er und sah sie erwartungsvoll an.
„Jedes Wissen hat seinen Preis. Doch dieses werde ich euch umsonst geben. Ihr müsst nach der Feuerblume suchen und sie wird euren Wunsch erfüllen können. Doch seid gewarnt, ihre Preise sind meist gefürchtet!“
Mandalos dankte der Frau und bedrängte Aldame zur Feuerblume aufzubrechen, doch die Elfe zögerte noch etwas. Letztendlich gelang es aber dem Elfen sie zu überzeugen und so machten sie sich auf den Weg in das sagenumwobene Reich der Nebel. Nur wenige Wanderer suchten nach der Feuerblume und es gab grauenhafte Geschichten, die sie von dem Land erzählten. Doch von der Blume wurde nichts vernommen. So als wären sie nie auf diese getroffen. Es war allgemein ein Mysterium.

Somit brachen Aldame und Mandalos mit zwei Pferden auf, um nach der Feuerblume zu suchen, auf dass sie ihren Wunsch gewährte. Dennoch sorgten sie sich, was die Pflanze als Preis für ihre Hilfe verlangen würde, denn davor hatte die alte Frau sie alle schließlich gewarnt.
Sie mussten erst durch eine unglaublich trockene Wüste reisen, die ihnen und ihren Pferden viel abverlangt hatte, bis sie das Land der Nebel erreichten.
Bereits früh kündigte es sich an, da ein sanfter Dunst den Boden bedeckte, der immer dichter und größer wurde, bis er hoch vor ihnen aufragte, sodass sie nicht einmal mehr die Hand vor Augen erblicken konnten, so dicht war der weiße Schleier. Daraufhin hielten sie sich stets an den Händen und überließen ihren Tieren den Weg.
Der stete Nebel durchnässte ihre Kleidung bis auf die Haut, doch es war um sie herum seltsamerweise so warm, dass sie nicht froren. Auch der Nebel selbst war nicht kalt, sondern fast schon kochend heiß zu nennen. Und obwohl der Dunst alle Geräusche schluckte war immer wieder ein sanftes Wispern zu hören, so als wäre der Nebel ein lebendiges Wesen, nein viele lebendige Wesen. Das Wispern war den Liebenden durchaus unheimlich, doch sie ritten weiter, um ihr Glück zu finden.
Mit der Zeit wurde ihnen die nasse Kleidung zu unangenehm und sie entkleideten sich, da ohnehin niemand sie sah. Der Nebel war nun ihre Kleidung. Ihre Haut war ohnehin bereits schon aufgeweicht und aufgeschwemmt und dennoch verspürten sie Durst, denn umso weiter sie ritten, umso heißer wurde es. Ihr Haar klebte ihnen am Körper und auch die Pferde schritten nur noch sehr unwillig voran. Dann brachen sie zusammen und weigerten sich weiterzugehen, sodass Aldame und Mandalos abstiegen, um zu Fuß weiter zu gehen.

Die Stimmen waren inzwischen lauter und häufiger geworden und es schien ihnen, als wären es auch mehr von ihnen, die unverständliche Worte wisperten, wie um sie zu warnen oder von ihrem Vorhaben abzuhalten. Doch ihre Herzen waren stark und rein und gegenseitig gaben sie sich die Kraft weiterzugehen und nicht aufzugeben, egal wie beschwerlich der Weg wurde.
Es fühlte sich für die Elfen so an, als würden sie auf poliertem Stein oder Glas gehen, das jedoch ebenfalls warm war und nicht kalt. Manchmal sank es sogar unter ihren Füßen ein, als eine weiche, zähflüssige Masse. Auch gab es hier offenbar kein Getier. Auch ihre Pferde hatten kein Gras gefunden, als sie noch bei ihnen gewesen waren.
Die Beiden hofften sehr, dass es ihnen besser ging und dass die Tiere sich auf den Rückweg gemacht hatten. Die Tiere waren schließlich schlau und würden sicher auch alleine den Weg in ihren heimatlichen Stall finden.

Auch wenn sie es kaum für möglich hielten, stieg die Temperatur noch weiter an und nun rann auch den Elfen der Schweiß über die schlanken und grazilen Körper. Und es war bisher noch kein Ende der Reise abzusehen. Die Nebel waren fast noch undurchdringlicher als zuvor un die Erschöpfung der Elfen stieg mit jedem Tag. Auch wenn sie hier unten weder das Sonnenlicht, noch der Mond erreichte, so hielten sie dennoch eine Art Tag und Nacht Rhythmus ein, den ihre Körper ihnen vorgaben. In den Nächten spendeten sie sich gegenseitig Trost und malten sich aus, wie sich all dies endlich auszahlen würde, wenn sie endlich Nachkommen hätten. Nachkommen, die sie sich bereits seit langem gewünscht hatten.
Die Verbindung zwischen Aldame und Mandalos verstärkte sich immer weiter, auch wenn sie dies bisher nicht für möglich gehalten hatten, denn anstatt sich mit ihren Kunden zu beschäftigen, beschäftigten sie sich nur miteinander und mit niemand anderem. Vielen wäre dies zu viel gewesen und bereits so manche Verbindung ging dadurch in die Brüche, doch die Elfen wuchsen dadurch noch mehr zusammen. Ihr Leben wurde dadurch fast noch glücklicher und sie trösteten sich öfter gegenseitig auf die ganz spezielle Weise, wie es Paare manchmal zu tun pflegten.

In dieser Nacht träumten sie beide denselben Traum. Sie waren hoch in den Lüften und der Wind zerrte an ihren Kleidern. Sie waren glücklich und etwas hinter ihnen war eine kleine Kinderschar. Ihre Kinderschar. Sie waren frei und ihr Leben war unbeschwert. Die Menschen erfreuten sich an ihren Künsten und sie liebten sie, so wie es schon immer war. Sie lebten meist in den Bergen, stiegen jedoch ach hinab zu den Menschen, um ihnen eine Freude zu machen. Dort halfen sie ihnen, wo sie nur konnten. Ihr Glück war unübertroffen und ihnen hatte sich endlich ein großer Traum erfüllt. Sie hatten Kinder, die sie aufziehen und pflegen konnten. Nach so langen Dekaden war es ihnen endlich geglückt.

Als sie am nächsten Morgen erwachten, erzählten sie sich in Gedanken von ihrem Traum und sie sahen es als Omen an, dass sie beide einen identischen Traum gehabt hatten. Dies konnte einfach nur bedeuten, dass sie noch die Feuerblume finden würden und dass sich ihr eigenes Schicksal bald zum Besseren wenden würde. So beschwingt im Geiste schritten sie weiter voran durch die Nebel, die so dick geworden waren, dass man sie schneiden konnte.
Nun blieben sie wahrlich ratlos stehen, denn es schien, als hätte sich eine Wand vor ihnen aufgebaut, die sie partout nicht hindurchlassen wollte, doch aufgeben wollten sie ebenfalls nicht.
Fest aneinander geklammert taten sie einen beschwerlichen und anstrengenden Schritt vor den anderen und der Boden fühlte sich so an, als wollte er sie nicht mehr loslassen. Es war, als würden sie durch einen Sumpf waten. Dann endlich gab es ein besseres Vorankommen, da der Nebel sich langsam lichtete und der Grund sich nicht mehr an ihre Beine klammerte um sie am weiteren Weg zu hindern.
Nun endlich trafen sie auf einen Fluss, der jedoch ebenfalls warm war und auch sehr milchig und nicht so klar, rein und kühl, wie sie es sich erhofft hatten. Trotzdem labten sie sich an dem lebensspendenden Nass und liefen durch ihn ein Stück, bevor er zu einem kleinen Teich wurde, in dem sie sich angenehm treiben lassen und den Schweiß von ihrem Körper waschen konnten.
Einander massierten sie sich und merkten dabei nicht, wie sie langsam aber stetig durch den kleinen See trieben. Die Strömung war so schwach, dass sie sie nicht bemerkten.
Als sie im Wasser eine erneute Erquickung suchten, waren sie soweit getrieben, dass sie von einer reißenden Strömung erfasst wurden, die sie unaufhörlich dem Rand entgegentrieb. Zwar versuchten sie zu entkommen, doch es war zwecklos.

Sie wurden einen Wasserfall hinabgespült und verloren dabei das Bewusstsein und die beiden leblosen Körper wurden dadurch an ein flaches, sandiges Ufer gespült.
Dort erwachten Aldame und Mandalos langsam und konnten es kaum glauben, was sie sahen. Der Nebel, der über allem lag war hier verschwunden, doch er erhob sich wie eine Glocke über dem gesamten Gebiet. Der Strand war relativ schmal und an der Seite ragen riesige schwarze Felsen auf. Das Bemerkenswerteste war jedoch er Lavasee vor ihnen, in den der kleine Fluss strömte und verdunstete. Dieser nährte die Nebelwolke, die über allem lag. Nun war das Geheimnis gelüftet. Sie waren durch eine Vulkanwüste gelaufen, denn in den See strömten mehrere Bäche des flüssigen Gesteins.
Sie ahnten, dass sie am Herz dieses Landes angekommen waren und dass sie hier irgendwo die Feuerblume antreffen mussten, als sich vor ihnen eine Gestalt aus Nebel materialisierte.
„Was wünscht ihr, Reisende?“, fragte sie in dem tausendfachen Flüstern des Nebels um sie herum.
„Wir suchen nach der Feuerblume.“, entgegnete Mandalos mit kräftiger und fester Stimme.
„So habt ihr sie gefunden.“, wisperten die Stimmen und das Nebelwesen deutete auf den See, der die Form einer Lilie hatte.

Andächtig traten Aldame und Mandalos so weit vor, wie sie es wagten.
„Was ist Euer Begehr?“, erfragten die Stimmen und diesmal antwortete Aldame:
„Und wurde gesagt hier würde uns unser Wunsch nach Kindern gewährt. Denn schon lange verzehren wir uns danach Nachwuchs groß ziehen zu können, doch ich bin unfruchtbar.“
„Ihr beide seid es. Euch kann geholfen werden, doch seid ihr bereit den Preis dafür zu zahlen?“, hinterfragte die Gestalt vorsichtig und lauernd.
„Natürlich! Alles, was nötig ist, werden wir dafür tun!“, entgegnete Aldame.
„Auch wenn ihr eure Gestalt aufgeben müsst?“
„Selbst dann. Selbst wenn wir unser Leben und unsere Körper dafür hergeben müssten!“
„So sei es.“, wisperten die Nebel.
„Dann steigt hinein in die Feuerblume und euer Wunsch wird euch gewährt werden. Ihr müsst euch ihr ganz hingeben, doch seid gewarnt: Habt ihr einen Schritt in sie hinein gesetzt, so gib es kein Zurück mehr!“, fuhren sie fort.
Zögerlich stimmten sie ein. Die Lava würde sicher ihre Körper verbrennen, doch wenn sie dadurch Nachwuchs erhalten konnten, so wollten sie dies tun.
Das glühende Gestein war überraschend kühl und angenehm, als sie in es hineinstiegen. Die Nebelfigur hatte sich bereits wieder aufgelöst und mit den anderen Nebeln vereint. Sie gedachten der Worte, dass sie sich all dem hingeben mussten und gaben sich ganz der Lava hin, die einen eigenen Willen zu besitzen schien, denn die beiden wurden aufeinander zugetrieben. Das Gestein legte sich um ihre Körper und steuerte sie. Hungrig und hemmungslos fielen sie übereinander her, bevor sie sich vereinigten.

Dabei begannen sie sich langsam zu verwandeln. Ein Federkleid wuchs ihnen und sie wurden größer und mächtiger. Am Ende entstiegen sie den Flammen als zwei mächtige Vögel, die dem Phönix in der Gefiederung ähnelten, den Falken jedoch im Aussehen.
Hoch stiegen sie über die Wolken und die Nebel und flogen durch das Land zu m höchsten Gipfel, auf dem der Wind eisig pfiff. Doch ihr inneres Feuer wärmte sie, sodass es sie nicht störte. All ihre Erinnerungen an ihr früheres Leben waren ihnen genommen und sie waren nur von einem Wunsch beseelt. Nachkommen zu zeugen.
Die beiden Vögel waren größer als die Riesenfalken und auch ungleich prächtiger. Doch die Flamen, die auf ihrem Gefieder züngelten verbrannten jeden Menschen in ihrer Nähe. Mit der Zeit kühlte das Feuer zwar etwas ab, doch es loderte weiterhin immer noch brennend heiß.
Da legte das Weibchen ihr erstes, riesiges Gelege ab, dass sie beide mit ihrer Hitze bebrüteten und sehr bald schlüpften daraus die ersten Jungen, die vollkommen verschieden von ihren Eltern waren. Sie waren wie die normalen bekannten Falkenrassen, nur ungleich größer. Die Feuerfalken legten mehrere neue Eier und bebrüteten sie, sodass die Windreiche bald voll der Riesigen Vögel waren und bald darauf entdeckten auch die Menschen den Nutzen dieser Tiere.
Manchmal erzählt man sich, dass man die Feuerfalken mit ihren Jungen über den Horizont fliegen sieht, einer Sternschnuppe gleich. Mit den Jahrhunderten stellten die Feuerfalken es jedoch ein Gelege zu ziehen und diese waren, wenn doch noch, auch ungleich kleiner, umso öfter sie Nachwuchs gezeugt hatten. Seitdem brüten sie einmal alle Äonen ein neues Gelege aus, so erzählt man sich. Und man sagt ebenfalls, dass der, der den höchsten Berg der Windreiche besteht auf den Urvater und die Urmutter der Riesenfalken trifft. Ebenso, dass diese ihren Kindern immer mit Wohlwollen gegenüberstehen und dass jeder ihrer Nachkommen, egal wie viele Generationen er von den Ursprung entfernt ist in die Feuerseelen der Phönixfalken eingeht, die ewig sind.

Doch diese Geschichte der Riesenfalken ist beinahe vergessen, denn die andere Sage zu ihrer Entstehung erfreute sich immer mehr Zuspruch und Freude, sodass sie nur noch sehr wenigen bekannt ist. Heutzutage wissen sogar bereits viele Falkenreiter nicht mehr von dieser zweiten Mythe, die sich um ihre Riesenvögel rankt und in nur noch sehr alten Büchern wurde diese Geschichte überhaupt noch aufgeschrieben.
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Lindalion oder Das Lied von Tag und Nacht

Beitrag von Death of Fantasy » 03.08.2011 13:42

Da es ja ohnehin keine Sau merkt, wenn ich das hier doch schon reinstelle... *fg*

Am Anbeginn aller Zeiten gab es weder Tag noch Nacht. Die Welt war in ein stetes helles Licht getaucht, dessen Ursprung nicht ausgemacht werden konnte und es gab noch keine Jahreszeiten. Dort regierte die Magie noch frei und wild und alle Lebewesen waren von ihr erfüllt.
Es begab sich, dass in dieser Zeit ein weiser Mann und seine Frau drei Töchter gebaren, doch bei der Geburt des dritten Kindes starb die Frau im Kindbett, weshalb der Mann seine Töchter alleine erziehen musste. Mit den Jahren wuchsen sie zu wundervollen jungen Mädchen heran. Der Vater liebte sie so sehr wie sein eigenes Leben und sie hörten auf die Namen Tiria, Arjena und Lanya. Die Erste, Tiria, war so schön wie die Morgendämmerung, die es damals noch nicht gab. Ihre Haut war rein und zart und ihr Haar war so hell wie die ersten Sonnenstrahlen, die am Rande des Horizonts erscheinen. Es schien stets, als würde sie gerade erst aufwachen und würde noch fast schlafen, dennoch umspielte ein geheimnisvolles Lächeln stets ihre Lippen. Die Mittlere, Arjena, glich der Mittagssonne mit glänzendem goldblonden Haar, einer ebenso reinen hellen Haut und blutroten Lippen. Sie war auch die Lebendigste und fröhlichste unter den Kindern. Doch die wohl Schönste war Lanya. Sie glich einem wunderbaren Sonnenuntergang mit der zarten Haut ihrer Schwestern und dem dunkelblondem Haar mit einem leichten Rotschimmer. Ihr Gemüt wirkte oft etwas traurig und selbst wenn sie lachte, so schien es, als würde sie kurz davor sein Tränen zu vergießen.
Die Töchter waren der ganze Stolz und die Freude ihres Vaters und er schwor sich sie nur an den zu verheiraten, der ihnen würdig war. Und auch die Mädchen wollten ihrem Vater stets zu Gefallen sein. Sie waren von sanftem Gemüt und künstlerisch sehr begabt. Stets kümmerten sie sich um das Haushalt und allerlei Arbeiten, die im Haus anfielen. Sie webten, nähten und spannen und es bereitete ihnen Freude.

Täglich strömten Freier zu dem Haus, in dem der Mann mit seinen Töchtern wohnte, doch keiner genügte seinen Ansprüchen und so wies er sie alle ab. Scharen enttäuschter Männer zogen durch das Land und die Nachrichten über die Schönheit und Anmut der drei Mädchen verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch das ganze Land.
Auch eine mächtige Zauberin hörte davon und sie wollte sich von den Gerüchten selbst überzeugen. Als eine alte, gebrechliche Frau getarnt, machte sie sich auf den Weg, um die drei Mädchen zu sehen.
Als sie die Drei erblickte, wurde ihr Herz mit Besitzgier erfüllt und sie wandte sich an den Vater, ob er die jungen Dinger nicht ihr geben wollte, damit sie sie etwas erzog, nun da sie doch die Mutter so früh verloren, doch der Vater schlug das Angebot aus, denn sie könnten bereits alles, was sie können mussten. Da wurde die Zauberin zornig, doch sie zog von dannen, zurück auf ihre Burg, um Pläne zu schmieden, wie sie die Mädchen doch noch erringen und in ihre Gewalt bringen konnte.
Langsam formte sich in ihr auch ein Plan und sie bemühte die höchste Kunst ihrer Zauberei um drei edle Jünglinge zu erschaffen, die den Mädchen ebenbürtig an Gestalt und Wesen sein mussten. Doch wie alle erschaffenen Kreaturen waren sie ihrem Schöpfer untertan.
Die jungen Recken waren das genaue Gegenteil der Mädchen. Sie waren wie die Nacht. Einer glich dem Anbruch der Nacht. Jung, rein und klar mit wallenden schwarzen Locken und dunkelblauen, weichen Augen, die alles langsam und sanft einzuhüllen schienen. Der Zweite glich der Mitternacht. Sein Haar war tiefschwarz und er strahlte eine gewisse Bedrohung und Gefahr aus. Seine Augen wirkten wie Stahl und besaßen auch dessen Farbe. Das Morgengrauen verkörperte der letzte Jüngling. Seine Haare waren ebenfalls schwarz, wie die der anderen, doch er versprach gleichzeitig auch Licht und Hoffnung auf eine bessere Zeit.

So schickte die Zauberin die mutigen und tapferen Recken aus, sich einen Namen zu machen, bevor sie um die Hand der Mädchen werben konnten. Dafür stellte sie jedem ein edles Streitross und eine prächtige Rüstung. Gemeinsam ritten sie aus, um sich in der Welt zu beweisen. Was sie alle nicht wussten war, dass sie von ihrer Schöpferin geschützt worden waren, sodass sie nicht von anderen Mächten vernichtet werden konnten.

Ihnen wurden die Namen Teheron, Margann und Beraon gegeben. Margann war der Schwarzgelockte, Teheron der Finstere und Beraon der Sanfte. Sie gaben sich als Brüder aus, die durch das Land zogen, um sich einen Namen zu machen und um Ehre zu erwerben. Bald hörten sie von einem großen Krieg, der gegen das damalige Übel in der Welt mit aller Macht geführt wurde, und sie entschlossen sich, dass dies die wohl beste Möglichkeit wäre sich einen Namen zu machen und sobald wie möglich einen guten Ruf zu erhalten. An die damit verbundenen Gefahren dachten sie gar nicht, dafür waren sie schließlich noch zu jung und unerfahren.

Das Heer nahm sie gerne auf und so schlugen sie sehr bald schon Schlachten gegen das Übel der Welt, das der Herr der Finsternis den Mächten der Welt entgegenschleuderte. Sie kämpften tapfer und unerschrocken gegen die Dämonen, die ihnen entgegengesandt wurden. Diese Kreaturen sind heute nicht mehr vorstellbar mit einer Haut wie Stahl, spitzen Zähnen, Schwänzen, Flügeln und manchmal auch mehreren Köpfen, die alle behornt waren. Die Augen glühten wie flüssige Lava und es hieß sie könnten dunkles Feuer speien, das alles verzehrte, was es berührte. Es waren grauenhafte Bestien und viele Männer gaben ihr Leben. Doch die drei jungen Recken blieben unverwundet und kamen immer siegreich aus dem Kampf hervor, was viele überraschte, bis irgendwann der Gedanke aufkeimte, dass sie erwählt wären die Welt für immer zu bereinigen.
So wurden Beraon, Margann und Teheron zu den Anführern der Streitmächte auserkoren und die Kunde über die wundervollen Ritter reiste durch alle Lande. Auch der Vater der Mädchen hörte von ihren und ihrer unglaublichen und sagenhaften männlichen Schönheit, die auf ihre Art der seiner Töchter gleich kommen sollte. Da bekam er Angst, ob seines Versprechens sie an Ebenbürtige abzugeben, doch zuerst musste er sich selbst ein Bild von ihnen machen, sollten sie überhaupt um die Hand seiner Töchter anhalten.

Der Krieg dauerte fort, doch unter der Leitung der 3 Recken gewannen die Streitkräfte langsam die Oberherrschaft über die Legionen der Dämonen. Immer weiter wurden diese Bestien zurückgedrängt und die Streitkräfte jubilierten, während die Zauberin immer ungeduldiger wurde, denn sie wollte die Mädchen für sich haben. Dennoch zwang sie sich gewaltsam zur Geduld, denn als Helden hätten ihre Kreationen noch bessere Chancen die Herzen der Mädchen zu erringen als anderweitig. Still und voller Erwartung lächelte sie in ihrem Unterschlupf.

Nach einem weiteren harten Kriegsjahr wurden die Ungeheuer endlich in einer letzten vernichtenden Schlacht geschlagen und für immer vom Angesicht der Welt getilgt, auf das sie nie mehr zurückkehren würden. Für die drei Helden gab es große Ländereien, da sie so tapfer, mutig und erfolgreich gekämpft und die gesegneten Lande verteidigt hatten. Sie wurden mehrere Tage lang gefeiert, bevor die Kreationen schweren Herzens losritten, um die Aufgabe zu erfüllen, für die sie eigentlich geschaffen worden waren. Bereits seit Ende des Krieges vernahmen sie die Stimme ihrer Schöpferin, die sie dazu drängte endlich die Mädchen als Braut zu ihr heimzuholen. Zwar wollten sie sich lieber weiter feiern lassen, doch erschaffene Kreaturen sind schließlich Marionetten in den Händen ihres Erschaffers.
So erreichten sie nach einigen Wochen das Haus des Mannes mit den drei Schönheiten, wo sie um die Hand der Mädchen anhielten. Als der Vater sie sah, erschrak er, denn diese Männer waren seinen Mädchen ebenbürtig, weshalb er dazu verpflichtet war sein Versprechen einzulösen, wollte er nicht als Eidbrecher dastehen. Und so rief er nach seinen Töchtern, die fröhlich herausgesprungen kamen um zu erfahren, was ihr Vater von ihnen wünschte, als sie die Jünglinge erblickten und ihnen sofort mit Leib und Seele verfallen waren. Tiria, die Morgendämmerung, erwählte Margann, den Einbruch der Nacht als ihren Liebling, Arjena, der Mittag, zog Teheron, die Mitternacht vor und Lanya, die Abenddämmerung, entschied sich Beraon, das Morgengrauen. Leise stritten sie untereinander, warum ihr Liebster doch besser wäre als der Andere, als ihr Vater den kleinen Zwist unterbrach, um sie sanft und mit Tränen in den Augen zu verabschieden.
Mit einem Lächeln verabschiedeten die Mädchen sich, bevor sie in die starken Arme ihrer strahlenden Helden fielen, die sie auf ihren edlen Rossen mit zu sich heim auf das Schloss der Zauberin nahmen.

Die Zauberin war äußerst erfreut endlich ihr Ziel erreicht zu haben und sie begrüßte die Mädchen und die Jünglinge sehr fröhlich und zuvorkommend. Wie eine liebevolle Mutter bot sie ihnen ein kleines Festmahl an, das sie dankend annahmen. Es war bereits spät am Abend, als sie sich zurückzogen, doch die Jünglinge behielt sie kurz bei sich, weshalb die Mädchen in einiger Entfernung auch warteten.
„Vielen Dank, meine Kinder!“, lobte sie ihre Kreation und lächelte leicht.
Nun, da die Zauberin ihr Ziel erreicht hatte, benötigte sie ihre Schöpfung nicht mehr. Kurz sah sie zu den Mädchen, die nun ihr gehörten, bevor sie einen Zauber wob, der die Jünglinge vernichten sollte, da sie nun überflüssig waren. Doch die Mädchen, die instinktiv wussten, was ihren Helden drohte, wollten nicht, dass ihre Recken einfach so vernichtet wurden, weshalb sie sich schützend vor sie stellten um an ihrer statt vom Zauber getroffen zu werden.
Diese Opferbereitschaft rührte die Quelle der Magie so sehr, dass sie den Zauber veränderte, sodass die Mädchen und auch die Jünglinge verändert wurden. Die drei Mädchen wurden zu den drei Tageszeiten und die drei Jünglinge zu den Zeiten der Nacht. Nur so war es ihnen allen möglich zu überleben. Seit diesem Tag an gibt es den Tag und Nachtzyklus, so erzählt man sich.
Zuletzt geändert von Death of Fantasy am 04.11.2011 15:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Kältefeuer, Feuersturm und Sturmkälte

Beitrag von Death of Fantasy » 05.08.2011 13:04

Durch das Entstehen von Tag und Nacht bereitete sich langsam ein Rhythmus von Wachen und Schlafen bei den Lebewesen auf der oberen Welt aus und das Land erholte sich in dem ewig milden und angenehmen Klima mit ausreichend Sonnenschein und genug Regenzeiten rasch von den Verheerungen, die die Dämonenhorden ausgelöst hatten. Nun da die Dämonen alle vernichtet waren, lebten die Bewohner in Freude und Frieden, denn es gab nichts mehr, was sie nun zu fürchten hatten.
Doch in Urzeiten waren einige sehr mächtige Dämonen gebannt worden, da sie nicht hatten vernichtet werden können. Unter diesen Mächtigen waren Kältefeuer, der Eis und Schnee beherrschte und die Lebewesen mit seinem Frost beutelte, Feuersturm, dessen sengende Hitze alles Leben verbrannte und Sturmkälte, der Stürme über das Land schickte, sodass kein Lebewesen dort mehr Halt finden konnte. Ein machtvoller Kreis von hohen Zauberkundigen hatte die drei einst in die Enge getrieben und gebannt, sodass sie das Leben auf der oberen Welt nicht mehr würden peinigen können.

Es begab sich, dass ein gütiger Heiler, der alles aufnahm, was bedürftig war und den Weg zu ihm fand, einen jungen Mann aufnahm, der seine überaus zarte und liebenswerte Tochter so verzauberte, dass sie sich augenblicklich in ihn verliebte. Dieser Mann war unachtsam gewesen und gestürzt. Zu seinem Glück hatte man ihn gefunden und sofort zu dem Heiler und seiner Familie gebracht, die ihm natürlich halfen und wieder zusammenflickten. Jedoch aus seiner Bewusstlosigkeit vermochte er nicht zu erwachen.
Was auch immer sie versuchten, er blieb in seinem tiefen Schlummer und magerte immer weiter ab, weshalb man ihm Suppe einschüttete, sodass er am Leben blieb. Der weise Heiler wusste sich keinen Reim auf alles zu machen.

Seine Tochter Thaianna war in großer Sorge um den Fremden, zu dem sie in Liebe entbrannt war und stets schlich sie sich zu ihm an das Krankenbett, wenn ihr Vater oder ihre Mutter fort waren. Dann, nach einigen Tagen, begann sie in ihren Träumen Stimmen zu hören, die ihr eindringlich zuflüsterten. Zuerst sehr unklar und leise, mit der Zeit jedoch klarer und lauter, sodass sie die Worte verstand:
Willst du deinen Liebsten retten, so gehe auf die Reise nach dem Wasser des Lebens, einem Blütenblatt der roten Lilie und nach dem Tau aus der Träne der Jungfrau. Aus diesen Zutaten braue einen Trank, den du ihm gibst, dann wird er erneut erwachen!
Im Traum jubelte Thaianna auf, denn endlich hatte sie eine Möglichkeit gefunden, wie sie ihren Liebsten wieder zu sich zurückholen konnte, was ihr sehnlichster Wunsch war.
Als sie erwachte, waren die Worte wie in ihren Kopf eingebrannt und sie konnte an nichts Anderes mehr denken. Dennoch wusste sie, dass ihr Vater sie niemals würde fortgehen lassen, weshalb sie heimlich all ihre Sachen packte, nur um in der darauf folgenden Nacht heimlich zu verschwinden, um die Dinge zu suchen, die die Stimme in ihren Träumen erwähnt hatte. Wer es war wusste sie nicht, doch dies war eine Frage, die sie sich noch nicht einmal stellte. Sie half ihr das zu heilen, was sie am meisten liebte und dies genügte ihr als Beweis, dass die Stimme es gut mit ihr meinte.

Ohne ihr Ziel zu kennen oder auch nur einen Anhaltspunkt zu haben, lief die junge Frau einfach los, in der Hoffnung, dass die geheimnisvolle Stimme sie leiten würde. Doch sie schwieg. Und so wuchs die Verzweiflung in der Heilertochter, bis ihr die Idee kam, dass sie doch andere Menschen nach diesen Dingen befragen könnte. Sicher traf sie jemanden, der mehr wusste, doch er sollte viel gereist sein, weshalb sie sich an einen Soldaten wandte, der sich gerade um sein Pferd kümmerte. Offenbar hatte er kurz eine Pause eingelegt und wollte nun weiterreiten.
„Entschuldigt, Herr! Könntet ihr mir sagen, wo ich das Wasser des Lebens, die rote Lilie und die Träne der Jungfrau finde?“
Mit einem Lächeln wandte der Soldat sich zu dem Mädchen um und lachte leise.
„Was willst du denn mit solchen Kindergeschichten, Kind?“, fragte er belustigt.
„Aber ihr wisst, wo sie zu finden sind?“
„Geh‘ heim, Kleine! Niemand kennt den Weg dahin, weil sie nicht existieren!“, wies er sie an, stieg auf sein Pferd und ritt fort.
Thaianna blieb allein und weiterhin ratlos zurück, sodass sie beschloss einfach zu laufen und ihrem Gefühl zu vertrauen, das sie sicherlich leiten würde. Denn die Dinge existieren, der Soldat hatte keine Ahnung.

So lief die junge Frau tapfer durch die Lande und ließ sich nur von ihren Gefühlen treiben. Bisher war sie bereits einen vollen Monat gereist, ohne eines der gesuchten Objekte zu finden. Dennoch verzagte sie nicht, denn der Fremde war schließlich auf ihre Hilfe angewiesen. Auf ihre Eltern, die sich Sorgen um sie machten, dachte sie gar nicht. Nur der junge Mann war von Bedeutung.
Dann erreichte sie ein von Nebeln verhangenes Gebiet. Mutig trat sie ein und folgte dem Geräusch eines sanften Plätscherns. Plötzlich lichtete der Nebel sich und ein wundervoller, starker Krieger stand vor ihr und sah sie prüfend an.
„Was ist dein Begehr?“
„Ich wünsche mir Wasser des Lebens.“
„Diesen Wunsch kann ich dir nicht gewähren.“, entgegnete der Krieger ruhig und stellte sich vor Thaianna, die von seiner Gestalt angezogen wurde.
Langsam trat die junge Frau näher und fuhr bewundernd über seine kräftige Muskulatur, bevor sie ihn vorsichtig küsste.
„Wenn dies dein nun Wunsch ist, so kann ich ihn dir gewähren.“
„Ja, dies ist mein Wunsch…“, flüsterte Thaianna leise unter den Berührungen des Kriegers.
Die zwei lagen schließlich beieinander im Gras und vergnügten sich lachend, stöhnend und seufzend, bis sie so erschöpft waren, dass sie beide einschliefen.

Mitten in der Nacht erwachte Thaianna und sah, dass der Krieger tief und fest schlief und dass sein Schwert weit fort von ihm lag. Rasch entwand sie sich aus seinen Armen und er grunzte leise, bevor er aber doch noch weiterschlief. Flink sammelte sie ihre Kleidung zusammen und zog sie sich an, bevor sie zu dem Brunnen in der Nähe schlich und sie sich Wasser daraus nahm. Dies musste sicher das Wasser des Lebens sein, es funkelte schließlich so wunderschön in allen Farben des Himmels.
Dann machte sie sich auf den Rückweg durch den Nebel. Immer wieder vermeinte sie Tritte hinter sich zu hören, was sie zur Eile anspornte, falls der Krieger erwacht war, aber niemand holte sie ein. Im Morgengrauen erreichte sie das Ende des Nebellandes und hinter sich erkannte sie einen Schemen. Ein Windhauch blas einen Nebelstreif davon und das Gesicht des Kriegers wurde enthüllt.
„Du bringst großes Unglück über uns, Närrin!“, rief er ihr entgegen, doch er überschritt die Grenze nicht.
„Nein, ich rette Leben!“, entgegnete Thaianna und lief weiter, sodass sie die Antwort des Mannes nicht mehr hörte. Erst hinterher kam ihr die Idee, dass sie den Krieger nach den anderen beiden Relikten hätte fragen können, doch so verließ sie sich erneut auf ihren Instinkt, schließlich hatte er ihr bereits einmal geholfen und sie zum Ziel geführt.

Sie lief weiter, bis sie zu einem Berg kam, auf den sie langsam hinaufstieg. Es wurde mit der Höhe stets kälter und sie war unzureichend angezogen, dennoch ließ sie sich nicht davon beeinträchtigen. Immer weiter und weiter lief sie, bis sie endlich an einer Hütte ankam, in der ein Priester sie erwartete. Mit einem Lächeln begrüßte er das Mädchen, das in einem kleinen Regenschauer angekommen war.
Ohne sie nach irgendetwas zu fragen, bewirtete er sie höflich und bot ihr das Feuer an, sodass sie sich aufwärmen konnte. Dankend lächelte Thaianna ihm zu, bevor sie sich hinlegte um zu schlafen. So erschöpft wie sie war, wollte sie warten und den Priester am Morgen nach den Blumen fragen.
Aber als sie am Morgen erwache, war der Priester nicht in der Hütte. Verwirrt stand sie auf und trat aus der Hütte, nur um von wunderbarem Sonnenschein begrüßt zu werden. Es war noch früher Morgen und überall auf den Blättern lag der Tau. Der Priester kam gerade von einer Felswand zurück und brachte einige Kräuter. Als er Thaianna sah, lächelte er höflich und begrüßte sie mit einem Handzeichen. Da erst wurde ihr klar, dass ihr Gastgeber stumm sein musste. Sie konnte es sich also sparen ihn nach den Blumen zu fragen, eine Antwort könnte er ihr wohl ohnehin nicht geben. Dennoch entschloss sie sich dazu noch einen Tag hier zu verweilen, denn die Blumenwiese gefiel ihr. Und vielleicht fand sie ja auch hier die gesuchte Blume!

Der Priester servierte ihr ein Frühstück, das ebenso schmackhaft und erfrischend war, wie das Abendessen es am Tag zuvor gewesen war. Leise dankte sie ihrem Gastgeber, bevor sie auf die Wiese ging um all die Blumen zu betrachten, von denen sie noch nicht einmal die Hälfte kannte. Als sie der Felsspalte näher kam, trat der Priester vor sie und schüttelte leicht den Kopf, bevor er mit Gesten versuchte anzuzeigen, dass dort Gefahr lauerte. Doch die junge Frau wollte nun erst recht dorthin und schob sich am Priester vorbei, der sich ihr immer wieder in den Weg stellte, bis sie ihn zur Seite stieß, sodass er fiel und mit dem Kopf auf einen Stein aufschlug. Trotzdem beachtete Thaianna den Mann nicht und sie entdeckte in einer Felsspalte eine wundervolle zartblaue Blume, mit der Blüte in der Form einer Träne. Auf ihren Blättern hatte sich Tau gesammelt und vorsichtig fing sie etwas davon in das Gefäß, in dem auch das Wasser des Lebens war, auf und verschloss es. Rasch kehrte sie zurück und beachtete auch diesmal den Priester nicht mehr, der aber auch nicht mehr dort lag, sondern Thaianna nur traurig hinterherstarrte. Er hatte versagt.

Den Berg hinunter wurde Thaianna von kalten Winden begleitet, die jedoch verstummten, sobald sie den Fuß des Berges erreicht hatte. Erneut stand sie ratlos da, wo sie die Lilie zu suchen hatte, doch auch dieses Mal würde ihr die Intuition sicher den richtigen Weg weisen!
Ohne weiter zu zögern schritt sie voran, denn sie war ihrem Ziel schließlich nun so nah wie noch nie. Es wunderte sie nicht, dass die Orte, an denen sie die Zutaten für den Trank gefunden hatte, verlassen gewesen waren, bis auf einen Hüter. Vermutlich war dies bei solchen magischen Dingen immer so.
Nach einigen Wochen erreichte sie endlich einen dunklen und geheimnisvollen Wald, in den kein Pfad hineinführte. So schlug Thaianna sich durch das dichte Dornengestrüpp, denn sie musste dort durch den Wald um ihren Liebsten zu retten! Nichts konnte sie aufhalten.

Der Wald wurde immer dunkler und dichter und es schien manchmal, als würden die Pflanzen nach ihr greifen und versuchen sie festzuhalten. Trotzdem riss Thaianna sich immer wieder los und die junge Frau setzte ihren Weg durch das Gestrüpp immer weiter fort, manisch von dem Gedanken und den Sorgen um ihren Liebsten getrieben.
Dann lichtete sich alles plötzlich und gab den Blick auf einen kleinen Grashügel frei, auf dessen Spitze eine blutrote Lilie im Sonnenlicht blühte. Leise seufzte Thaianna auf, denn dies war die letzte Zutat! Rasch lief sie auf die Blume zu, doch das lange Gras war so dicht, dass sie immer wieder darin hängen blieb, als ein kleines blaues Vögelchen vor ihr aufgeregt auf und ab flog und zeterte, als wolle es sie davon abhalten zu der Lilie zu gehen. Aber die junge Frau missachtete all dies und kämpfte sich verbissen zu der Lilie vor, von der sie ein Blatt ablöste und es zu den anderen beiden Zutaten warf.
Da brach ein Regenschauer hinab und die junge Frau flüchtete sich in den unwirtlichen Wald, der sie fast noch mehr zurückhalten wollte als zuvor. Dennoch kämpfte sie sich ihren Weg frei, bis sie dem dunklen Wald entkommen war.

Von dort aus, suchte sie sich einen Gasthof und fragte sich zurück zu ihrem Elternhaus durch. Sie war ein halbes Jahr fort gewesen und ihre Kleidung war dreckig und zerrissen. Als sie ankam, wurde sie voller Freude von ihren Eltern empfangen, die glücklich waren, dass ihre Tochter endlich zurück war. Auf die Frage hin, was sie getan hatte, antwortete sie nur, dass sie nach einem Heilmittel gesucht und es gefunden hatte.
Während ihrer Reise hatte sie den Trank gebraut und präsentierte ihn nun stolz ihrem Vater. Dieser bezweifelte zwar, dass diese klare, in allen Farben schillernde Flüssigkeit den jungen Mann heilen würde, doch seiner Tochter zuliebe, die so viele Mühen auf sich genommen hatte, beschloss er es sie versuchen zu lassen.
Thaianna lächelte leicht und hoffnungsvoll, als sie die Phiole an die Lippen des Fremden setzte und ihn trinken ließ.

Da kam ein Sturm im Raum auf, der zugleich eisig kalt, aber auch wie sengende Hitze war. Der Heiler, der ein weiser Mann war, wusste die Zeichen zu deuten und rief entsetzt aus:
„Was hast du nur getan?“
Dann stieß er dem Fremden eine Klinge in die Brust, sodass er den Dämonen nicht weiter als Portal dienen konnte. Doch ein Teil von ihnen war bereits entwichen und so verteilten sie sich und ihr Übel über das gesamte Land.
Thaianna, unfähig vor Schmerz und Begreifen, was sie dort befreit hatte, stand in dem Raum, bevor sie bitterlich weinend zusammenbrach.
Die Leiche des jungen Mannes, der von den Dämonen in den Schlaf gelegt wurde, um jemanden zu verführen sie zu befreien, denn nichts anderes als die Stimmen der gefangenen Dämonen waren Thaiannas ‚Traumhelfer‘ gewesen, verbrannte man rasch und voller Gram sperrte die junge Frau, die großes Unheil befreit hatte, sich in ihr Zimmer ein. Sie war an allem Schuld.

Von da an litten die Menschen wieder unter den drei Dämonenbrüdern Kältefeuer, Feuersturm und Sturmkälte. Zwar war ein Teil ihrer Macht verloren gegangen, dennoch war ihnen genug geblieben um die Menschen schrecklich zu beuteln. Und niemandem gelang es die Dämonen zu besiegen, da sie sich, nun, da es Tag und Nacht gab, meisterlich in der Finsternis versteckten, sodass sie nicht aufzufinden waren.
Angst und Schrecken beherrschte wieder die Herzen der Menschen und Teile der Welt wurden wieder verheert und die großen Wüsten und Leeren entstanden.

Währenddessen verzweifelte Thaianna immer mehr und sie suchte nach einem Weg die Dämonen, die sie befreit hatte, wieder einzusperren. Doch die Magie verschloss sich vor ihr. Als sie von tiefster Verzweiflung beherrscht wurde, lief sie zu den Klüften in der Nähe ihres Hauses und starrte dort hinunter. Verführerisch lockte der Ruf des Abgrunds sie und nach kurzer Zeit gab sie ihm nach.
Tief und lange fiel sie. Der Wind zerrte an ihrer Kleidung und alles krampfte sich in ihr zusammen, wie sie so dem Erdboden entgegenraste. Dann schlug sie auf dem Erdboden auf und ihr Körper wurde zerschmettert. Doch ihre Seele stieg als ein mächtiges, geflügeltes Einhorn auf, um die Dämonen zu bekämpfen, die die Menschen so beutelten. Am Ende hatten die Mächte der Magie doch noch Mitleid mit ihr gehabt.

Die Seele der Frau stellte die Dämonen und kämpfte mit ihnen. Während des Kampfes verschmolzen die drei Seelen langsam und sie veränderten sich. Die fleischliche Gestalt der Dämonen löste sich langsam auf und die Seelen dehnten sich auf die Welt aus. Mit der Hilfe der Magie gelang es Thaianna die Dämonen zu besiegen, doch sie begehrten immer wieder auf, weshalb die Magie ihnen einen Teil ihrer Kräfte absog, sie Thaiannas Seele übertrug und jedem eine gleiche Zeitspanne zuteilte, in der er regierte.
So entstanden die Jahreszeiten. Der Frühling ist die Herrschaftszeit Thaiannas, der Sommer gehört Feuersturm, der Herbst Sturmkälte und der Winter ist die Herrschaft Kältefeuers. Wer weiß, ob wir ohne diesen Verrat noch im ewigen, milden Frühling leben würden…
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Re: Sagen und Mythen der Alten Welt

Beitrag von Lynx » 23.08.2011 18:01

So, dann will ich auch mal. Angelehnt an eine Sage der Zulu.

Himmelskönigin
Vor langer Zeit, als die großen Fürsten noch nicht geboren waren, war das Land noch wild und ungezähmt. Die Windreiche existierten noch nicht und es waren die Familienstämme, die über ihre Ländereien herrschten.
In einem dieser Clans lebte ein Jäger. Er war ein Mann, der sich oft in die Einsamkeit zurück zog. Freunde hatte er nur wenige, dennoch war sein Ansehen hoch. Es herrschten karge Zeiten und die Beute, die er Heim brachte, war ein Segen für seinen Clan.
Eines Tages ging er hinaus in die Wildnis, um seine Fallen zu kontrollieren. Doch anstatt der erhofften Jagdbeute fand er etwas Anderes. Ein Falke hatte sich in einer ledernen Schlinge verfangen. Sein Fuß stand zur Seite hin ab, ganz so als habe er ihn sich bereits ausgerenkt. Als der Jäger sich näherte, bekam das Tier es mit der Angst zu tun. Geradezu panisch hieb es mit dem Schnabel auf des verletzte Bein ein, um sich in der Not vielleicht auf Kosten der Gliedmaße befreien konnte. Der Jäger besah sich das Leiden des Vogels nicht lange, sondern packte beherzt zu. Kreischend und voller Angst versuchte der schöne Vogel sich zu wehren. Er wandt sich und hackte dem Jäger die Hände blutig, doch der Mann ließ ihn nicht los. Geschickt befreite er den Falken aus der Schlinge und band ihm die Flügel zusammen, sodass der Vogel ihm nicht davon fliegen konnte. So gebändigt nahm er ihn mit sich nach Hause. Dort band er das Tier erst einmal an, denn trotz des verletzten Fußes sprang es wild umher und versuchte ihn immer wieder zu attackieren. Er setzte sich vor dem Falken hin und wartete ab, bis dieser sich beruhigen würde.
Es dauerte Tage, bis seine Geduld belohnt wurde. Erschöpft gab der Falke auf und sank ruhig auf dem Boden zusammen. Erst jetzt näherte der Jäger sich wieder dem Tier und begann damit seine Wunden zu versorgen. Zwar war er kein geübter Heiler, gab sich aber dennoch zuversichtlich. Sogar seine kargen Mahlzeiten teilte er trotz der Not mit dem Tier.
Bald darauf war sein schöner Gast genesen. Vorsichtig band der Jäger den Falken los und befreite ihn von seinem Verband. Sogleich erhob sich das Tier kreischend in die Lüfte und verschwand. Lange noch blickte der Jäger ihm nach, bis er sich schließlich wieder seinem Tagwerk zuwandte. Noch immer war die Not der Menschen nicht vorbei und die Nahrung wurde immer knapper. Längst reichte es nicht mehr aus, nur Fallen aufzustellen. Auf der Suche nach Beute für seinen Clan streifte der Jäger Tagelang durch die Wildnis. Doch auch die Tiere litten Hunger und so waren viele von ihnen schon lange fort gezogen. Der Jäger hatte die Hoffnung schon beinahe aufgegeben und wollte den Heimweg antreten, als ein gellender Schrei sein Gehör fand. Er kannte die helle Stimme und ging dem Rufen nach. Bald schon sah er einen Falken, der kreischend über einigen Büschen kreiste. Sofort erkannte er das schöne Tier wieder und als er sich dem Gebüsch näherte, erkannte er auch, was der Vogel so beschrie. Ein junges Hirschkalb lag dort mit gebrochenem Bein. Kurzerhand zog der Mann sein Messer und tötete das Tier.
Als er mit dieser Beute in sein Dorf zurück kehrte, war die Freude der Menschen groß. Sie hatten bereits gefürchtet, ihr Jäger würde nicht mehr wieder kehren, geschweige denn etwas Fleisch mit nach Hause bringen.
Von neuem Antrieb gepackt ging der Jäger am nächsten Tage wieder los. Sein Blick fand beinahe von alleine wieder zum Himmel hinauf, in tiefster Dankbarkeit für die Hilfe des Vogels. Ohne dass er es erwartet hatte, sah er den Falken wieder. Kreischend wünschte dieser ihm einen guten Morgen und flog dann über die Ebenen davon. Jedoch entfernte er sich nur so weit, dass der Mann ihn gerade noch sehen konnte. Voll guter Hoffnungen folgte der Mensch dem Tier und seine Zuversicht wurde belohnt. Nach einem langen Marsch entdeckte er schließlich einen Kaninchenbau, bei dem er sich auf die Lauer legen konnte. Es dauerte nicht lange, da hatte er ein paar schmackhafte Langohren geschossen. Bevor er sie alle an einander band, um sie heim zu tragen, warf er dem Falken eines davon zum Dank hin.
Auch in den folgenden Tagen ging der Jäger gemeinsam mit dem Falken auf die Jagd und schon bald hatte er sich ob des Erfolges auch in anderen Clans einen Namen gemacht. Doch mit dem Ruhm kamen auch schon bald die Neider. Andere Jäger kamen und versuchten dem Mann seinen Falken abstreitig zu machen. Dier erklärte ihnen, dass dein geflügelter Gefährte ihm aus freien Stücken half und er einen solchen Freund niemals verkaufen würde. Hören wollten sie aber nicht auf ihn.

Der Falke ruhte unterdessen in seinem Nest. Dass der Jägersmann seine Beute mit ihm teilte kam dem Vogel gerade recht, denn er hatte zwei Junge groß zu ziehen. Doch selbst ohne diesen Bedarf an frischer Beute wäre der Mensch wohl nicht alleine geblieben. Etwas hatte sich geregt in dem Tier, als man ihm aus der Not geholfen hatte. Es war eine Art Verbundenheit entstanden, die sich im Laufe der Zeit in Zuneigung gewandelt hatte. Unglücklicher Weise hatte der Vogel dadurch auch ein gewisses Vertrauen in die Menschen entwickelt. Und so rührte sich das Tier nicht, als sich einige Männer langsam näherten. Sie redeten mit behutsamen Stimmen und schmeichelten mit ihren sanften Worten. Das gefiel dem hoheitsvollen Vogel und er ließ sie zu sich heran kommen. Da packten die Männer zu und rissen den Falken aus seinem Nest heraus. Sie drückten ihn zu Boden und fesselten ihn. Dann ergriffen sie die beiden Jungen und steckten diese in einen Käfig, um sie mit sich zu nehmen. Den gefesselten Falken ließen sie am Boden zurück, dass die wilden Tiere ihn reißen und er nicht mehr dem Jägersmann helfen konnte.
Alleine zurück gelassen begann die Mutter bitterlich zu weinen. Ihre Klage hallte erfüllte den Wind und hallte so den Berg hinab bis in das Dorf des Jägers. Dieser eilte sogleich los und war nur wenig später bei seinem Gefährten, um diesen zu befreien. Als der Mann das leere Nest sah, wurde ihm sogleich klar, wo das Leid des schönen Vogels her rührte. Traurig sah er in ihre goldenen Augen und gab ihr ein stilles Versprechen. Dann lud er sie auf seine Schulter ein und machte sich auf den Weg.
Ihre Reise währte lange aber nicht ewig. Schließlich erreichten die beiden das Dorf eines benachbarten Clans. Der Staub und das Wetter hatten an ihnen gezehrt, sodass sie kaum noch zu erkennen waren. Dennoch ließ der Stolz in ihren Herzen sie aufrecht gehen. Ohne zu zögern suchten sie die Hütten der Jäger auf. Diese erkannten die beiden zunächst nicht wieder. Doch die gefangenen Jungfalken sahen ihre Mutter und versuchten sich sogleich aus ihren Käfigen zu befreien. Da erst sahen die Jäger wen sie vor sich hatten. Der Gefährte sprach leise aber dennoch mit klagender Stimme. Diese fremden Männer hatten kein Recht gehabt die jungen Tiere aus ihrem Nest zu stehlen. Jedoch weigerten sie sich die beiden Käfige zu öffnen. Zornig auf die törichten Männer ging der Jäger her und zerschlug die Gefängnisse der Falken. Sogleich erhoben sich diese gemeinsam mit ihrer Mutter in die Lüfte. Nun wurden auch die anderen Jäger vom der Wut gepackt und schlugen auf den Jäger ein. Einer von ihnen zog im Streit sein Messer. Die Falkenmutter kreischte auf und stürzte hinab. Doch als sie ihren Gefährten erreichte, war es bereits zu spät. Die hungrige Messerklinge hatte das Herz ihres Jägers durchbohrt. Als die fremden Männer sahen welch furchtbare Tat sie begangen hatten, ergriffen sie die Flucht und waren nie mehr gesehen.
Wehklagend landete der Falke auf der Brust des Jägers und zog das Messer heraus. Ihr Gefährte regte sich nicht mehr. Sie schrie und weinte. Ihre Tränen wurden schwarz vor lauter Schmerz und färbten das Gefieder unter ihren Augen dunkel. Die Trauer des Falkens war so tief, dass sogar der Geist der Winde vom Himmel zu ihr herab stieg.
„Borealys, mein Kind, warum ist dein Herz so schwer, dass du nicht mehr zu fliegen vermagst?“,
fragte der Geist.
„Dieser Mann hat mir und meinen Jungen aus der Not geholfen. Doch ich war nicht dazu in der Lage dies auch für ihn zu tun“,
antwortete der Vogel. Das verwunderte den Geist sehr.
„Du bist ein Falke, eine Königin der Lüfte. Was schert dich denn ein einfacher Mensch?“
„Er ist selbstlos gewesen und gerecht. Nie hat er einen Anspruch erhoben. Stattdessen hat er sein Leben gegeben um königliches Blut zu schützen.“
„Trotzdem ist er nur ein Mensch“,
beharrte der Geist.
„Er ist mein Gefährte“,
protestierte der Falke,
„Und ich konnte ihn in meiner Schwäche nicht beschützen.“
„Doch nun ist er tot“,
allmählich begann der Windgeist den Falken zu verstehen.
„Wenn ich es könnte, so würde ich ihm mein Herz geben“,
klagte der Falke.
„Pass auf, was du dir wünschst“,
gemahnte der Geist sie zur Vorsicht. Ernst und voller Überzeugung sah der Vogel mit den schwarzen Tränenstreifen auf,
„Es ist mein Wunsch, dass er sein Leben in Frieden weiterleben kann. Ohne Nöte und mit jemandem an seiner Seite, der ihn beschützt.“
„Dann sei es so“,
beschloss der Geist der Winde,
„Dein Gefährte wird leben, mit deinem Herzen in seiner Brust und deine Jungen werden über ihn wachen. Und du, Borealys, wirst als Königin auf ewig an meiner Seite herrschen, damit du niemals vergisst, was du gegeben hast.“
Kaum dass diese Worte ausgesprochen waren, sah der Falke, wie die über ihnen kreisenden Jungen sich streckten und immer größer wurden. Sie wuchsen, weit über das normale Maß eines Falkens hinaus, bis sie schließlich so groß waren, dass sie einen Menschen bis auf das Doppelte überragten. Ehrfurcht gebietend ließen sich die beiden Prinzen der Lüfte neben dem Jäger wieder. Der Geist nahm unterdessen seine neue Königin mit sich und trug den Vogel ohne Herz hoch hinauf. In diesem Moment erwachte der Atem des Jägers erneut. Er schlug seine Augen auf und sah seine Gefährtin über sich verschwinden.
Nur der Irrtum ist das Leben.
und das Wissen ist der Tod


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Death of Fantasy
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Aphenias Spiegel

Beitrag von Death of Fantasy » 11.10.2011 09:47

Noch vor der Geburt der Windreiche gab es eine Zeit großer Harmonie. Es herrschte seit langer Zeit Frieden unter den Völkern und die von Magie berührten mischten sich wenig in die Geschicke der Länder ein, sondern lebten unerkannt und zurückgezogen auf ihren eigenen Wohnsitzen. Zu dieser Zeit ward ein Junge geboren, der davon träumte als edler Recke die Welt zu bereisen. Seine Eltern unterstützen ihm in diesem Tun und lehrten ihn alle Werte, die wichtig waren. Er war diszipliniert, tugendhaft und voll edler und erstrebenswerter Gedanken und Ziele.

Bereits in jungen Jahren wurde er von seinen Eltern zu einem Rittersmann geschickt, der ihm das Handwerk seiner Zunft lehrte, sodass er als edler Recke durch die Welt ziehen konnte. Seine Lehrzeit war hart und anstrengend, doch er klagte nicht darüber, sondern arbeitete stets weiter, um seinen großen Traum zu verwirklichen. Vielleicht könnte er ja auch das Herz einer edlen Dame gewinnen. Zumindest hoffte er dies. Zwar hatte er noch niemanden getroffen, der sein Herz erobert hatte, doch diese Frau würde sicherlich noch vor ihm erscheinen.
Er lernte sehr fleißig und der Ritter war sehr zufrieden mit seinem Knappen, sodass er ihn nach Ablauf der Lehrzeit mit einem Pferd und einem Schwert entlohnte, ebenso wie mit einem kleinen Landsitz auf seinem Besitz. Im Gegenzug schwor der junge Recke seinem Meister ewige Treue, bevor er sich um sein Anwesen kümmerte, auf das er auch seine Eltern holte.

Mit der Zeit wurde ihm aber das Landleben zu eintönig, ohnehin hatte er schließlich davon geträumt die Welt zu bereisen, und so begab es sich eines Tages, dass der junge Mann beschloss das Land zu bereisen und seine Geheimnisse zu erkunden. Schließlich konnte er auch nicht die Dame seines Herzens finden, wenn er nur auf seinem Landsitz tatenlos herumsaß. Daraufhin bereitete er alles für seine Abreise vor und übergab seinem Vater die Verantwortung über seinen Landsitz. Wenige Tage später zog er aus um die große Welt und ihre zahlreichen Wunder zu erkunden.

Auf seiner weiten Reise durchquerte er viele Länder und er half vielen Leuten bei ihren Problemen und Arbeiten, denn er war auf die rechte Weise erzogen worden. Es zogen mehrere Jahre in das Land und der edle Recke hatte bis jetzt noch nicht die Frau gefunden, die sein Herz wahrlich berührte. Einladungen und Angebote waren ihm bisher zuhauf zugetragen worden, doch all dies war nicht das, was er sich wünschte. Keine Frau entsprach dem Wesen, das zu ihm passen würde. So zog er weiterhin einsam durch die Gegend, bis er einst das Anwesen einer wundervollen Zauberin erreichte, aber niemand wusste, was sie war, man hielt sie nur für eine zurückgezogene edle Dame.
Als der Reisende um ein Zimmer für die Nacht bat, wurde es ihm gewährt und beim Abendmahl saß er am Tisch mit der verschleierten Zauberin, denn sie schämte sich ihres Aussehens. Zwar war sie eigentlich wundervoll, doch ein unglücklich gelaufener Zauber hatte ihr alle Lebenskraft geraubt, weshalb sie einem Skelett mehr als einem Lebewesen glich.
Beim Gespräch mit der Gastgeberin verliebte der junge Recke sich unsterblich in ihre Stimme und ihr Wesen, sodass er um ihre Hand anhielt. Die Zauberin aber genierte sich ihm ihr Antlitz zu zeigen und zögerte, was den jungen Mann dazu verleitete ihr einen Liebesbeweis bringen zu wollen. Er schwor ihr den Magischen Kristall von Tzalea zu bringen, als Zeichen seiner aufrichtigen und tief empfundenen Liebe. Nun konnte die Zauberin nicht mehr ausweichen und sie willigte ein. Als Dank verriet sie ihrem Freier auch ihren Namen. Aphenia.
So geehrt und angespornt verließ der edle Recke ihr Anwesen am nächsten Tag, um sich auf die Reise zur fernen und geheimnisvollen Nebelinsel Tzalea zu machen. Es gab viele Gerüchte über diesen Ort. Es hieß die Insel wäre ganz aus Nebeln, die über dem Wasser schwebten und stets dringe zauberhafter und betörender Gesang zum Ufer hin. Es hieß, dass bereits viele tapfere Männer dort auf ewig entschwunden und nimmer zurückgekehrt seien. Aber der Verliebte ließ sich davon nicht schrecken. Für ihn galt es einzig seine Angebetete Aphenia für sich zu gewinnen. Aphenia. Bereits ihr Name war eine Symphonie.

Er ritt anfangs noch über fruchtbares und dicht bevölkertes Land und wenn die Menschen dort Hilfe brauchte, so half er ihnen, trotz seines Dranges so rasch wie möglich die geheimnisvolle Insel mit dem Magischen Kristall zu erreichen, denn er war als edler Recke dazu verpflichtet allen Bedürftigen zu helfen. So wurde er weiterhin sehr bekannt und beliebt. Aber mit der Zeit veränderte sich das Land um ihn herum. Es wurde immer karger und unbewohnter. Oft konnte er mehrere Tage reiten, bevor er eine kleine Ansiedlung fand, auf der er um Unterkunft bitten konnte. Nach einiger Zeit begannen Geschichten von einem unglaublichen Grauen, das weiter im Landesinneren hauste, doch der Recke fürchtete das Wesen dort nicht. Aber er schlug auch die Warnungen nicht gänzlich in den Wind und so war er auf der Hut, als er die Einöde erreichte, von der alle mit Grauen und Angst sprachen.

Sie kündigte sich bereits sehr früh an, denn zwei Tagesritte von ihr entfernt lag das letzte Gehöft verlassen da. Sobald sie die Einöde erreicht hatten, war das treue Tier unter ihm plötzlich äußerst unruhig und schreckhaft, so als wittere es eine Gefahr, die der Verliebte noch nicht bemerkt hatte. Beruhigend redete er auf sein Pferd ein und war doppelt so wachsam. Er hoffte, dass er die Einöde bei Einbruch der Nacht durchquert hätte, denn niemand hatte ihm sagen können, wie groß sie war. Zu groß war die Furcht vor diesem Gebiet in den Anwohnern verwurzelt.
Am Abend hatte er das Ende noch nicht erreicht, doch er musste rasten, denn die Nacht war zu dunkel um weiterzureiten. Zu groß war die Gefahr, dass sein Pferd in ein Erdloch trat und sich das Bein brach. Und ohne Pferd wäre seine Reise nur noch länger und beschwerlicher. Außerdem war ihm das Tier ans Herz gewachsen und er wünschte ihm kein Unheil.
Im Morgengrauen wieherte sein Tier plötzlich panisch und der Boden unter ihm begann zu grollen und sich zu bewegen. Rasch nahm er sein Pferd am Zügel und lief mit ihm los, da es zum Reiten noch zu düster war. Wenige Augenblicke später brach etwas an der Stelle, an der sie zuvor noch gewesen waren, hervor und erhob sich meterhoch. Innerlich schlotternd vor Angst, zog der junge Mann seine Klinge blank, um sich dem Untier zu stellen, denn ihm war klar, dass eine Flucht zwecklos war. Lieber stellte er sich hier diesem Ungeheuer, als dass es sie nochmals von unten überraschte.
Ohne Vorwarnung ließ das Ungetüm sich auf den Boden fallen und hätte beinahe den Edlen samt seinem Reittier erwischt. Kurz war es benommen von dem Sturz, mit dem es eigentlich seine Widersacher hatte zerquetschen wollen, was der Recke sofort ausnutzte. Er stieß mit seiner Klinge zu und erwischte den Wyrm. Braunes Blut floss aus der Wunde und das verletzte Untier griff sofort wieder an. Erneut gelang es dem Ritter auszuweichen und dem Erdwyrm, sobald es hell genug war, erkannte er, was ihn hier angriff, eine neuerliche tiefe Schwertwunde zuzufügen. Nun beschloss er das Wesen zu erlegen, um den Menschen in der Umgebung der Einöde wieder Ruhe und Frieden zu bringen, denn der Wyrm würde sicher bald ihre Leben bedrohen. Immer wieder griff das Wesen an und mit der Zeit gelang es ihm auch den erschöpften und müden Kämpfer zu verletzen. Aber dieser gab nicht auf, sondern mobilisierte all seine Kräfte, mit dem er den Erdwyrm schließlich schwer oder sogar tödlich verwundete. So zog sich das Ungeheuer rasch wieder in den Untergrund zurück. Dorthin konnte der edle Recke es nicht verfolgen, somit machte er sich äußerst wachsam wieder auf den Weg, doch nichts deutete mehr auf einen Angriff des Erdwyrms hin. Am Ende des Tages hatte er die Einöde bereits ein Stückchen hinter sich gelassen und er fühlte sich einigermaßen sicher. Hierhin würde ihn das verletzte Tier sicher nicht mehr verfolgen.

Die nächsten Tage pflegte er damit seine Wunden zu versorgen und seine Kräfte wiederzugewinnen. Nach einiger Zeit traf er auch hier wieder auf Gehöfte und das Land wurde immer fruchtbarer. Ein erneuter Angriff des Erdwyrms war ausgeblieben und dieser würde sich sicherlich nicht mehr so bald rühren. So ritt er weiter seinem Ziel entgegen, das ihm das Herz und die Hand seiner Angebeteten einbringen sollte.

Eines Nachmittags, als er ritt, bemerkte er, wie sich in der Ferne ein großes Unwetter zusammenbraute. Rasch suchte er einen Unterschlupf für sich und sein Pferd, das er unter einen Felsvorsprung abstellte und mit einem Halfter festband. Bald darauf hörte er ein dunkles und bedrohliches Grollen und das treue und tapfere Tier wieherte panisch und rollte mit den Augen. Ruhig versuchte der edle Recke seinen Gefährten zu beruhigen, doch es half nichts. Umso näher das Unwetter herankam, umso ängstlicher wurde das Tier. Dann riss es sich plötzlich los und verschwand in der Finsternis, denn der Himmel war so dunkel geworden, dass die Umgebung nur noch schemenhaft zu erkennen war. Überall zuckten Blitze durch den Himmel und erhellten die Szenerie gespenstisch. Der Edle glaubte sogar riesige Gestalten am Horizont zu erkennen, während ein Sturm über die Landschaft peitschte. Das Donnergrollen war ohrenbetäubend und lauter, als er es je vernommen hatte. Die ganze Szenerie bereitete ihm Gänsehaut und er fürchtete sich, ohne zu wissen wovor.
Dann bebte die Erde plötzlich, wie unter den Schritten von Riesen. Wieder erhellten die Blitze alles gespenstisch und die dunklen Schemen erschienen ihm viel näher als zuvor. Was bildete er sich hier ein? Das Gefühl einer tödlichen Bedrohung wuchs stets und auch der Sturm nahm immer weiter zu und blies schließlich das Lagerfeuer des Reisenden aus. Schlagartig fiel die Temperatur um mehrere Grad und er musste sich in seine warmen Decken einhüllen, damit er nicht vor Kälte jämmerlich zitterte. Die Erschütterungen wurden immer lauter und heftiger und er hörte deutlich, wie mehrere Gesteinsbrocken den kleinen Höhenzug hinabrollten. Auch bildeten sich kleine Risse im Gestein, umso näher und lauter die Beben waren.
Wenig später sah er sie: Die Sturmgiganten. Sie waren bereits lange im Reich der Märchen und Geschichten eingegangen, doch hier schritten sie leibhaftig über die Erde. Sie wurden von Stürmen begleitet und jeder ihrer Schritte brachte die Berge an den Rand des Einsturzes. Sie kamen mit dem Gewitter, denn es gewährte ihnen Schutz und wirkte wie ein Mantel der Unsichtbarkeit. Sobald sie weit genug entfernt waren, klarte der Himmel auf und gab einen Blick auf einen klaren und friedlichen Sternenhimmel. Bis auf die Risse im Felsen und im Boden deutete nichts mehr darauf hin, dass hier vor wenigen Stunden noch die mächtigen und furchteinflößenden Sturmgiganten vorübergeschritten waren. Was hatten sie hier gewollt? Doch diese Frage würde unbeantwortet bleiben, schließlich konnte kein Sterblicher je ermessen, was die Unsterblichen bewegte.
Der Abenteurer wartete einen vollen Tag, in der Hoffnung, dass sein Pferd zurückkehren würde, doch es kam nicht wieder. Die Sturmgiganten hatten es so erschreckt, dass es Reißaus genommen hatte und nicht mehr zurückkehren wollte an diesen Ort. So musste der junge Mann sich zu Fuß auf die Reise machen. Den Sattel und das Zaumzeug nahm er mit, da er hoffte in der nächsten Ansiedlung ein neues Pferd erstehen zu können.

Doch er wanderte viele Tage lang, ohne die Spur von menschlichem Leben zu finden. Vielleicht war dies der Grund gewesen, weshalb die Sturmgiganten hier entlanggewandert waren. Es dauerte noch einige weitere Tage, bis er auf die erste Ansiedlung traf, doch dort gab es keine Pferde, die man ihm verkaufen konnte, denn alle wurden zur Feldarbeit benötigt und waren zum Reiten nicht wirklich geeignet.
Nach mehreren Tagen, die alle von Enttäuschung geprägt waren, erreichte er einen reißenden Fluss, an dem eine Herde stolzer weißer Pferde graste, die so aussahen, als entsprangen sie einer guten Zuchtlinie. Dennoch war kein Brand auf ihnen zu entdecken. Trotzdem wirkten sie nicht scheu, als er sich ihnen näherte, sondern eines der Pferde bot sich ihm förmlich an, ihn über den Fluss zu tragen. Der erschöpfte junge Recke war sehr froh darüber, dass das Pferd sich nicht wehrte und so schwang er sich auf dessen Rücken. Da er nicht wusste, ob diese Tiere nicht doch jemandem gehörten und er keinen mächtigen Landesfürsten verärgern wollte, zäumte er das Pferd nicht auf. Das wundervolle Tier trat in die Fluten und es war so wunderbar weich zu sitzen, wie noch kein Reittier zuvor. Diese Zucht musste unglaublich viel wert sein. Wenn er den Besitzer fand, so würde er versuchen ihm eines der Pferde abzukaufen.
Sobald sie die Mitte des Flusses erreicht hatten, veränderte sich das Pferd unter ihm plötzlich und dem edlen jungen Mann wurde heiß und kalt. Er hatte bereits von den Wassergeistern gehört, die arglose Reisende in die Falle lockten, aber nie geglaubt, dass sie wirklich existierten. Nun war er einem solchen Kelpie aufgesessen! Doch die Geschichten wussten auch Rat und zum Glück hatte er Zaumzeug bei sich. In einem mächtigen Kampf gegen den Wassergeist versuchte er ihm das Zaumzeug anzuziehen, während dieser versuchte den Edlen zu verschlingen. Der Kampf währte lange und mehrfach wäre der junge Mann beinahe jämmerlich ertrunken, doch letztendlich gelang es ihm doch noch dem Kelpie das Zaumzeug aufzuziehen und sofort stellte das Tier den Kampf ein.
„Trage mich jetzt auf die andere Seite des Flusses!“
Der Abenteurer hatte fast sein ganzes Proviant während dem Kampf verloren, doch dafür hatte er nun ein gutes Pferd gewonnen, auch wenn es äußerst gefährlich war. Er wusste, dass er als Meister nicht zu viel von dem Wassergeist verlangen sollte, sonst würde dieser sich bitterlich an ihm rächen und ihn verfluchen, sobald sich ihm die Gelegenheit ergab.

Daher sorgte er stets gut für sein Kelpie und er begann auch mit ihm Gespräche zu führen, auf die der Geist nach und nach antwortete. Die Reise verlief von nun an ruhiger und es gab keine größeren Störungen als bedürftige Menschen mehr auf seiner Reise nach Tzalea.
Als er den See endlich erreichte, auf dem die Insel stand, war er verzaubert von dem märchenhaften Anblick, der sich ihm bot. Verzaubert stieg er ab und beobachtete die Insel, als er eine kleine Barke entdeckte, die direkt auf ihn zukam, doch kein Fährmann war dort zu sehen. Erwartungsvoll trat er von einem Fuß auf den Anderen und missachtete das Stupsen seines Kelpies, das ihn offenbar auf irgendetwas aufmerksam machte. Doch bevor der edle Recke sich zu dem Tier noch umwenden konnte, setzte ein zauberhafter Gesang ein, der den Reisenden sofort in seinen Bann schlug und all sein Denken daraufhin ausrichtete, die Sängerinnen zu erblicken. So stieg er, alle Warnungen des Kelpies unbeachtet lassend, in die Barke, die sofort wieder zurück zur Insel fuhr.

Als er auf der Insel ankam, wurde er von wunderschönen, in hauchzarte Gewänder gehüllten, Frauen empfangen, deren Bekleidung mehr entblößte, als sie verbarg. Sie sangen zu seiner Begrüßung das schönste Lied, das er je gehört hatte, und sofort vergaß er alles. Weshalb er hergekommen war, was ihn ausmachte, ja, sogar wer er war. Ihm wurden Speisen und Getränke gereicht, die alle besser als Honig und Ambrosia schmeckten. Die Damen entkleideten und wuschen ihn in einem Badezuber, dessen Wasser einfach nur herrlich war und all seine geschundenen Muskeln und Glieder sogleich kurierte. Auch bot sich ihm die ein oder andere Frau an, doch er hatte nur Augen für eine der Mädchen, das er sogleich umwarb. Bald darauf empfing sie ihn in seinem Schoß und sie liebten und küssten sich heiß und leidenschaftlich. Aphenia hatte er vollkommen vergessen, für ihn existierte nur noch diese wundervolle Sängerin und ihre beiden Körper, wie sie sich vereinigten und gegenseitig neckten.

Aphenia beobachtete ihren Liebsten immer wieder durch ihren Zauberspiegel und bangte um ihn, als er gegen den Erdwyrm kämpfte. Doch es kostete sie viel Kraft durch den Spiegel zu sehen, daher konnte sie dies nur alle paar Tage tun. Sie wusste nichts von seiner Begegnung mit den Sturmgiganten oder dem Kampf mit dem Kelpie. Auch wusste sie noch nicht, dass er Tzalea bereits erreicht hatte und in den Bann der Sirenen gelockt wurde. Daher überkam sie die Eifersucht und unglaublicher Hass, als sie in den Spiegel blickte und den anscheinend edlen Recken in den Armen einer Anderen erblickte. Sie küssten sich heiß, bevor er sie langsam und zärtlich nahm. Dabei stöhnte er immer wieder den Namen der Frau und sie hatte er ganz vergessen!
„Ich verfluche dich, du treuloser Mann!“, fauchte sie wütend und rief ihre Magie an. „Sollst du kein Glück in deinem Leben mehr finden!“
Von da an begann sich langsam die Bitterkeit und der Hass in ihrem Herzen auszubreiten und sie aufzufressen. Sie brütete immer mehr vor sich hin und wurde immer düsterer und finsterer.

Währenddessen erlebte der edle Recke die, wie es ihm vorkam, wundervollste Zeit seines Lebens im Schoße des Mädchens, das er auserwählt hatte. Ihr Zusammenspiel war wundervoll und eine Harmonie, die ihresgleichen suchte. Manchmal erschien es ihm sogar so, als würde er spüren, wie sie in ihn eindrang, ganz als hätten sie ihre Körper getauscht. Er wusste nichts von dem Zauber unter dem er stand und der ihn alles hatte vergessen lassen.
Die Zeit auf der Insel verstrich langsamer als jenseits Tzaleas, daher machte der Kelpie sich bald Sorgen, denn die äußerst freundliche und fast schon freundschaftliche Behandlung hatte den Wassergeist für den Recken eingenommen. Er war zwar nicht darüber erfreut ihm zu Diensten sein zu müssen, doch es gab grauenhaftere Herren als ihn. So schwamm er durch den See und all die Dinge, die die Sirenen ihm entgegenschleuderten, störten ihn als Wassergeist nur äußerst wenig, so erreichte er endlich die Insel Tzalea und suchte dort seinen Herrn. Dieser war ganz unter dem Zauber der Sirene über ihm, so verschlang der Kelpie die Sirene kurzerhand, da er ohnehin schon länger kein richtiges Mahl mehr gehabt hatte.
Dadurch wurde der Zauberbann gebrochen und verwirrt blickte der edle Recke seine Kelpie an. Dieses erklärte ihm kurz, was geschehen war und vollkommen entsetzt machte er sich in Begleitung des Wassergeistes auf den Weg zum Kristall. Der Gesang perlte nun an ihm ab, da er bereits von einer Sirene gefangen genommen und wieder von ihr befreit worden war. In der Mitte der Insel war der Kristall und mehrere Sirenen versuchten ihn aufzuhalten, doch es kümmerte ihn nicht, so nahm er ihn an sich. Kurz darauf zerfiel die Insel aus Nebelschwaden langsam und der junge Mann schwamm auf dem Rücken des Kelpies zurück ans rettende Ufer. Sobald er wieder zurück in der Welt der Lebenden war, überkam ihn ein dumpfes und bedrückendes Gefühl, als wäre etwas vollkommen aus dem Ruder gelaufen.

Rasch machten er und sein Wassergeist sich auf den Rückweg, zurück zu Aphenia, seiner Angebeteten, selbst wenn er nicht wusste, wie sie aussah. Selbst wenn sie hässlich wäre, so war ihr Wesen immer noch bezaubernd und wundervoll.

Die Rückreise war bei Weitem nicht so beschwerlich, wie die Hinreise, was vor allem auch daran lag, dass das Kelpie ihn immer wieder vor Gefahren warnte, die es mit seinen überaus feinen Geistsinnen spürte. Die Sturmgiganten traf er nicht erneut und er war irgendwie auch äußerst froh darum, denn sie hatten ihm durchaus viel Respekt eingeflößt. Als sie endlich die Einöde erreichten, stolperten sie über das Gerippe einer Riesenschlange. So war der Erdwyrm also tödlich verwundet gewesen und mit der Zeit verendet. Man sah, dass das Land dort nun wieder zu blühen und zu sprießen begann, nun da der schädliche Einfluss des Untieres versiegt war. Auch die Angst der Menschen verging langsam, nun da die Bestie vernichtet war. Er hatte der Welt wieder mehr Harmonie gebracht.
Der edle Recke fieberte der Zeit entgegen, wenn er Aphenia wieder nahe sein konnte. Es wäre wahrlich wundervoll sie als seine Braut heimzuführen und dies erzählte er dem Kelpie auch. Er erzählte seinem Weggefährten von seiner Heimat und wie wunderbar sie war.

Als sie endlich das Anwesen der Zauberin erreicht hatten, war alles gespenstisch still und der Recke fürchtete, dass jemand Anderes schneller gewesen war als er. Dennoch verzagte er nicht. Er ritt ein und wurde dort von einem Racheengel begrüßt. Zumindest erschien ihm diese tödlich schöne Frau als solcher.
„Wie kannst du es wagen zurückzukehren?“, donnerte Aphenia verbittert und voller Hass.
Um sie herum sammelte sich die Magie, mit der sie beabsichtigte den Recken, den sie einst ihr Herz geschenkt hatte, zu vernichten. Vollkommen erschrocken sah er Aphenia an und fragte was denn geschehen sei, warum sie so wütend auf ihn wäre. Sie warf ihm die Zeit mit der Sirene vor und er fragte sich, woher sie wissen konnte, was geschehen war, als ihm die Frage beantwortet wurde, denn der Zauberspiegel erschien.
„Nun gib‘ mir meinen Kristall und harre deines Schicksals!“, fauchte sie, doch der Recke weigerte sich, woraufhin Aphenia ihm einen vernichtenden Zauber entgegenschleuderte.
Aber der Kristall nahm den Zauber in sich auf und leuchtete, sodass der Kelpie den Recken anwies den Kristall an sich zu nehmen und die wahnsinnige Aphenia damit zu stoppen, damit sie nicht die gesamten Lande und sie mit ihnen vernichtete. Schweren Herzens nahm der Recke den Kristall in die Hand und Tränen rannen über seine Wangen.
„Ich vergebe dir, Liebste! Mögest auch du mir irgendwann vergeben können!“
Dann hielt er den Kristall vor sich und dieser begann zu leuchten und hüllte damit schließlich die Zauberin ein. Einige Augenblicke später verebbte es und es war ein Schemen im Spiegel zu erkennen.
„Ich verfluche dich!“, wetterte Aphenia aus dem Spiegel, doch sie besaß keine Macht mehr in dieser Welt.
Voller Gram stieg der junge Mann ab und viel vor dem Spiegel auf die Knie.
„Verzeih‘ mir Geliebte, doch ich hatte keine andere Wahl. Ohne dich jedoch will ich nicht mehr leben!“
Daraufhin zog er sein Schwert und stieß es sich mit einer flüssigen Bewegung, ohne zu zögern, in die Brust. Sein letzter Atemhauch schwebte hinüber zu seiner Geliebten und ein Schatten seiner selbst materialisierte sich, denn seine Seele war hinüber zu seiner Liebsten gegangen, um immer bei ihr zu sein.
Das Zaumzeug des Kelpies verschwand und der Wassergeist war wieder frei. Dieser jedoch ging zu dem Recken, betrachtete ihn genau und verbeugte sich dann vor ihm.
„Lebewohl, großer Krieger.“, flüsterte er leise, bevor er sich umwandte und ging.

Seitdem gilt der Ort als verflucht und jeder meidet ihn. Der Spiegel jedoch verschwand eines Tages und wurde seitdem nie wieder gefunden. Nur manchmal hört man noch Geschichten von Menschen, die in einen Spiegel sahen und daraufhin spurlos verschwunden. Es hieß die Spiegelhexe habe sie geholt. Doch auch diese Geschichten wurden mit der Zeit seltener und gerieten bald ins Vergessen. Nur ab und zu erzählen noch manche Großmütter ihren Enkelkindern von der Spiegelhexe, die im Spiegel lauert, wenn man sich dort betrachtet und die falschen Gedanken dabei hegt.

Nach vielen Jahren kehrte der edle Recke endlich wieder heim und seine Eltern waren erleichtert, dass er am Leben war. Doch irgendetwas war geschehen, denn er hat seit seiner Rückkehr kein Wort mehr gesprochen. Einige Zeit später tauchte eine Herde prachtvoller Pferde in den Wäldern seiner Ländereien auf, doch jeder, der sie gesehen hat, kam nie nahe genug an sie heran, um mehr zu erkennen. Ab und an ritt der Edle aus und immer dann hörte man oft Gerüchte von verschwundenen Leuten. So war er ein Schutzpatron, der alles böse abhielt. Noch heute soll man immer wieder in den Wäldern seiner Ländereien die Pferdeherde erblicken können. Geisterrösser aus einer lang vergessenen Zeit.
Once the land of liberty,
Land of ancient chivalry
Blow some trumpet loud and free,
Leave the hills of Arcady

Arcadia - Faun

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Die Glasuhr

Beitrag von Death of Fantasy » 04.11.2011 20:21

Es begab sich vor langer Zeit eine Geschichte, die noch heute mit Angst und Trauer erzählt wird, sodass jeder gewarnt sein, dass ihm dies nicht wiederfährt.
Es war einst ein junges Mädchen, das für ihren armen Vater und ihre arme Mutter arbeitete, denn sie waren so alt und gebrechlich, dass sie ihnen die schwere Arbeit am Hof nicht mehr zumuten wollte. Sie dankten es ihrer Tochter sehr und hofften, dass sie einmal einen guten Mann finden würde. Leider war sie jedoch stets mit der Arbeit beschäftigt und meist schmutzig. Auch ihre Hände waren dick und schwielig, was viele Männer abstieß. Man nannte sie hässlich und mied sie. Dies brach den guten Eltern das Herz, denn sie bemerkten, wie sehr es ihre Tochter schmerzte.
Immer wieder versuchte das Mädchen die Anderen davon zu überzeugen, dass sie doch gar nicht so hässlich war, wie sie behaupteten, jedoch schlug dieser Versuch stets vollkommen fehl. Dann kam ein harter Winter und die Eltern des Mädchens erkrankten schwer an der Schwindsucht. Voller Sorge kämpfte sie um das Leben ihres Vaters und ihrer Mutter, da diese die Einzigen waren, die sie doch noch liebten. Am Ende aber unterlagen sie der Krankheit und voller Gram und Schmerz lief das Mädchen in den Wald. Nun hatte sie niemanden mehr und war ganz allein.

Lange Tage lief sie durch den Wald, bis sie eine Lichtung erreichte, an der ein wunderschöner Jüngling saß. Zaghaft kam sie näher, voller Furcht, dass er sich bei ihrem Anblick angewidert abwenden würde. Doch er lächelte sie an und lud sie stumm ein näher zu kommen.
Ihr Glück kaum fassend, leistete sie der Aufforderung Folge und kam zaghaft näher. Aber ihr Aussehen schreckte ihn nicht und er lächelte weiter. Dann packte er seinen Proviantbeutel aus und teilte ihn mit ihr, nachdem er sie liebevoll in eine warme Decke gewickelt hatte. Das Mädchen glaubte, dass sich ihr Schicksal endlich gewandelt hatte und lehnte sich glücklich an die Schulter des Jünglings. Dieser strich ihr sanft über das Haar und wiegte sie in den Schlaf.

Als sie am nächsten Morgen erwachte, glaubte sie fast geträumt zu haben, als sie in die klaren blauen Augen ihres Jünglings blickte, der sie anlächelte. Er reichte ihr einige weitere Speisen und noch immer sprach er nicht, was sie etwas verwunderte, aber vielleicht war er ja stumm.
Das erste Mal in ihrem Leben gab ihr jemand anderes als ihre Eltern das Gefühl etwas wert zu sein und dieses Gefühl gefiel ihr. Mehrere Tage reisten sie gemeinsam, bis sie zu ihrem Haus zurückgekehrt waren, in das bereits andere Dorfbewohner eingezogen waren. Da wurde das Mädchen von Zorn überwältigt und sie tobte. Wie konnten alle es wagen sie einfach so zu übergehen? Ihre Eltern waren sicher noch nicht sehr lange tot. Alle Ausreden ließ sie nicht gelten und irgendwann ging sie wieder mit ihrem Begleiter fort. Man hatte entschieden, dass sie an einen anderen Ort gehen könnte. Doch noch immer schwelte in ihr die Wut über diese Ungerechtigkeit. Aber die Anwesenheit ihres Begleiters beruhigte sie. Er gab ihr Halt und beruhigte sie ganz ohne Worte, allein durch seine sanfte und liebevolle Art.

Sobald die Tage weiter voranschritten und der Mond immer voller wurde, wurde ihr Begleiter immer unruhiger und er sah öfter gehetzt hinter sich. Doch ihre Fragen ignorierte er. Warum sagte er nichts? Stets versuchte sie ihn etwas zu beruhigen, als Dank dafür, dass er sich so freundlich und rührend um sie, eine vollkommen Fremde gekümmert hatte, aber alle Versuche schlugen fehl. Sie wanderten nun oftmals bis tief in die Nacht hinein und ihr Begleiter fand selbst in der Nacht keine Ruhe, sondern wanderte rastlos umher. Sobald der Mond voll war, wanderten sie Tag und Nacht und erst, als der Mond wieder abnahm, beruhigte er sich erneut. Stumm schüttelte das Mädchen den Kopf und beschloss, dass sie, sollte er noch einmal von dieser Unruhe befallen werden, sie alles dafür tun würde, dass er sie hinter sich lassen konnte.

Es dauerte einige Zeit, bis der Mond wieder zunahm und erneut wurde ihr Begleiter unruhiger und rastloser. Stets versuchte das Mädchen ihn zu beruhigen, doch es half nichts. Als sie über eine im Schnee verborgene Wurzel stolperte und sich den Fuß stark verstauchte, trug ihr Begleiter sie, damit sie weiterhin vorankamen, wenn auch langsamer.
Dann kam die Zeit des Vollmondes und der Jüngling lief, bis er an einen großen Fluss kam, über den keine Brücke führte. Verzweifelt ging er flussabwärts, in der Hoffnung einen Übergang zu finden, als plötzlich eine groß gewachsene, wunderschöne Frau auf dem Weg stand. Das Mädchen erschrak, denn das Gesicht der Frau war voller Hass und Verachtung.
„Sie also hast du erwählt. Hast du Narr wirklich gedacht, dass du mir entkommen kannst?“
Vorsichtig setzte der Jüngling das Mädchen ab.
„Flieh!“, flüsterte er leise und stieß sie an.
Ihr Herz schlug höher. Er hatte das erste Mal zu ihr gesprochen. Aber sie wollte sich nicht von ihm trennen, er war der Einzige, den sie noch hatte! Trotzdem wollte sie ihm gehorchen, denn diese Frau machte ihr unglaubliche Angst.
„Hier geblieben!“, donnerte die Frau und kurz darauf spürte das Mädchen, dass ihre Glieder ihr nicht mehr gehorchten.
„Sie hat nichts damit zu tun!“, flehte der Jüngling für sie, was die Frau erheiterte, denn sie lachte laut und schrill.
„Sie hat in dem Moment etwas damit zu tun bekommen, als du sie zu deiner Gefährtin erwählt hast! Nun sieh, was mit denen passiert, denen du dich zuwendest!“
Erstickt rief der Jüngling und wollte zu ihr laufen, doch das Mädchen sah, wie er im Schritt erstarrte. Dann tauchte eine leere Glasuhr vor der furchtbaren Frau auf und sie fixierte das Mädchen mit einem bösartigen Lächeln.
Plötzlich spürte sie, wie etwas aus ihr herausgerissen wurde, bevor sie in Ohnmacht fiel. Der Jüngling betrachtete mit aufgerissenen Augen die Glasuhr, die nun nicht mehr leer, sondern von einer undefinierbaren Substanz gefüllt war.
„Dies ist die Seele deines Mädchens. Von nun an wird sie ohne sie leben müssen und sie nie mehr berühren können, auch wenn sie nur durch ein Glas von ihr getrennt ist. Dieses Schicksal wird alle ereilen, denen du dich zuwendest, bis jemand anderes als du ihre Seele befreien kann!“, mit diesen Worten, verschwand die Glasuhr in Richtung des Mädchens, bevor sie mit ihr verschmolz.

Als das Mädchen wieder erwachte, war die Frau fort und der Jüngling strich ihr liebevoll über das Haar. Aber sie fühlte sich so seltsam leer und Tränen stiegen ihr ins Gesicht. Ohne zu wissen, weshalb, stand sie auf und lief fort. Seitdem alterte sie keinen einzigen Tag mehr und weinte stets.
So bewandert sie die Welt weinend, ohne zu wissen weshalb, bis jemand sie befreit. Noch immer soll man sie in klaren Nächten weit weinen hören und die, an deren Ohren ihr Weinen klingt, werden von grauenhaften Alpträumen heimgesucht.
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Das versteinerte Herz

Beitrag von Death of Fantasy » 31.12.2011 17:41

Die größte Grausamkeit können die, mit den gütigsten Herzen, entwickeln. Jetzt heißt es sicherlich, dass dies vollkommener Unsinn ist, doch diese Geschichte beweist das Gegenteil. Wer eine Armee von grausamen Kriegern heranziehen möchte, muss sich die freundlichsten und liebevollsten Menschen heraussuchen und sie richtig brechen. Danach hat er, was er sich gewünscht hat. Doch man sollte dabei darauf achten, dass man selbst nicht von seinem Werkzeug getroffen wird. Man muss sich seine Loyalität sichern.
Die Geschichte hat sich noch in jüngster Vorzeit begeben, als die Magie die Lande nach und nach bereits begann zu verlassen und die Welt ärmer wurde. Zu dieser Zeit gab es die heutige Aufteilung der Reiche noch nicht, sondern es waren sieben Großreiche. Nur noch wenige Menschen waren magisch begabt und die, die es waren, wurden oft gemieden und verteufelt. Denn die Magie wurde als ein großer Feind angesehen. Zu viel konnte man mit ihr ohne allzu viel Aufwand zerstören.

Damals begab es sich, dass einem Herrscher der Großreiche ein wundervolles Mädchen geboren wurde. Er hatte bereits viele Nachkommen, daher viel es wenig ins Gewicht, dass das Kind weiblich war, denn die Zukunft des Reiches war durch mehrere männliche Kinder gesichert. Der König kümmerte sich wenig um seine Tochter, da sein Interesse nur seinen Nachfolgern galt. Zwar besuchte er die weiblichen Kinder ab und an, um zu sehen, wie er sie verheiraten konnte, doch mehr konnte er einfach nicht mit ihnen anfangen.
Mit den Jahren wuchs die kleine Prinzessin zu einem wundervollen Wesen heran, das alle einfach nur lieben mussten. Ihre Güte, Zartheit und allumfassende Liebe, ebenso wie ihre unglaubliche Tugendhaftigkeit rührte jedem das Herz. Arglist war ihr vollkommen fremd und sie wuchs behütet vor Intrigen und Argwohn auf.Sie liebte alles um sich herum und jeder, der sie kennen lernte, war von ihrem Wesen eingenommen. Auch als der König erneut zu einem Besuch kam, verzauberte seine Tochter ihn und er schwor sich, sie jemandem zu geben, der ihrer würdig wäre. Er müsste mächtig sein und ihr ein gutes Leben ermöglichen.

Das Mädchen jedoch hatte ganz andere Pläne. Sie wollte stets hier in ihres Vaters Anwesen leben und sich an den Gärten und den Tieren erfreuen. Die Prinzessin hatte Angst vor einem anderen Ort, den sie gar nicht kannte und bei dem ihr alles fremd wäre. Aber meist dachte sie gar nicht an das, was kommen mochte, sondern lebte im Hier und Jetzt.
Als sie eines Tages durch den Garten flanierte, rannte ein edles Pferd, aus den Stallungen ihres Vaters an ihr vorbei, gefolgt von einem Stalljungen und einem äußerst wütenden Stallmeister. Als der Stalljunge das Pferd zu fassen bekam und es beruhigte, stapfte der Stallmeister herbei und schrie den jungen Mann an, bevor er ihn am Kragen packte und ihm einige Ohrfeigen verpasste.
„Was macht Ihr da?“, fragte die junge Prinzessin entsetzt, über diese Grausamkeit, die sie da sah.
Sie selbst konnte keinem Lebewesen etwas zuleide tun. Selbst das Gewürm tat ihr irgendwie etwas Leid.
„Ich bringe diesem Tölpel Manieren bei, meine Dame.“
„Das ist nicht rechtens! So etwas tut man nicht! Lasst Ihn sofort wieder los und wenn ich Euch nochmals dabei erwische, melde ich Euch meinem Vater, damit er Euch von Eurer Stellung enthebt!“
„Aber Herrin, er lernt es sonst nicht!“
„Unsinn! Ihr seid gewarnt!“
Stumm und hastig nickte der Stallmeister, schnappte sich das Pferd und ging fort, jedoch nicht ohne den Stalljungen böse anzublicken.
„Vielen Dank, Prinzessin…“, stammelte der Gerettete mit hochrotem Kopf.
„Das ist doch nur verständlich, solches Verhalten kann ich gar nicht verstehen. Was hast du getan, um so etwas angeblich verdient zu haben?“
„Das Pferd ist mir ausgerissen, Herrin.“
„Hör‘ mit diesen formellen Anreden auf. Aber das ist kein Grund. Wie kann man nur so brutal sein? Das verstehe ich nicht!“
„Manche können es einfach, edle Dame.“
„Ich sagte, dass du damit aufhören sollst!“, sprach die Prinzessin energisch und bestimmend.
Ängstlich zuckte der Junge zusammen, als erwarte er Prügel, doch stattdessen, strich seine Gesprächsparterin ihm beruhigend über den Kopf und begann das Blut von seiner aufgeplatzten Lippe vorsichtig abzutupfen.
„D… das…“
„Ist notwendig. Erzähle mir mehr, wie ist es so, hier zu arbeiten?“
„Es… es tut mir leid, doch ich muss zurück, sonst bekomme ich Ärger!“
„Dann triff‘ mich hier, wenn du fertig bist!“
Leicht verneigte sich der junge Mann und verschwand dann in die Ferne. Nachdem er für den Abend entlassen worden war, kehrte er zurück in den Garten, wo die Prinzessin wirklich noch immer auf ihn wartete.
„Warum hast du so lange gebraucht?“
„Weil ich so lange arbeiten muss.“
„Warum musst du überhaupt arbeiten? Mein Vater hat doch genug Geld…“
„Irgendjemand muss doch die Tiere versorgen und auch Euch, Hoheit. Und es macht mir Spaß.“
„Aber es ist doch auch schön nichts zu tun.“
„Mir wäre dies zu langweilig.“
„Das verstehe ich nicht. Was ist an Nichtstun langweilig?“
„Ich muss mich einfach körperlich anstrengen. Ich brauche Bewegung.“
„Warum?“
„Ich weiß es nicht…“
So zog sich das Gespräch bis tief in die Nacht weiter, während die Prinzessin immer mehr über das Leben der einfachen Leute erfuhr. Dies war das erste Mal, dass sie bemerkte, dass es nicht jedem so gut ging wie ihr und allen anderen, die das Schloss bewohnten. Sie verabredeten sich für den nächsten Tag und die junge Frau brachte reichlich Essen mit, da der Stalljunge ihrer Meinung nach viel zu dünn und unterernährt war.

Mit der Zeit bildete sich eine sehr tiefe und innige Freundschaft zwischen der Prinzessin und dem Jungen von einfacher Herkunft aus. Die Prinzessin wollte die Ungerechtigkeiten zwischen den Ständen ausräumen und der Stalljunge profitierte davon. Sie lehrte ihm äußerst mühsam lesen und schreiben, während der Stalljunge ihr den richtigen Umgang mit Pferden zeigte. Jeder lernte etwas vom Anderen. Doch diese Zeit war dazu verdammt irgendwann zu enden.
Es kam der Augenblick, als der Vater endlich einen passenden Ehemann für seine Tochter gefunden hatte und er ihr dies eröffnete. Vollkommen aufgelöst, traf sie sich mit ihrem besten Freund und erzählte ihm alles, während der junge Mann sie rührend und zutiefst betrübt tröstete.
„Nun werden wir uns nicht mehr sehen. Aber dein Mann wird sicher…“
„Er ist alt! Und hässlich! Ich will nicht von hier fort! Hier habe ich dich!“
„Es wird nicht so schlimm werden… Sicher ist er sehr freundlich zu dir.“, versuchte ihr Freund sie zu trösten, doch die Prinzessin schüttelte nur energisch den Kopf.
„Ich werde dich nicht mehr wiedersehen! Das schmerzt mich am meisten…“
„Du wirst bestimmt ab und zu herkommen können, dann können wir uns ja treffen. Wer wird dein Gemahl?“
„Der Herrscher eines der anderen Großreiche.“
„Sieh! Dann hast du endlich die Macht die Ungerechtigkeiten abzuschaffen! Dann wirst du stärker sein als jetzt und man wird dich eher anhören!“
„Ja. Du hast recht…“
Dankbar lächelte sie ihren Freund an und den Abend verbrachten sie mit belanglosen Plaudereien, um von der baldigen Trennung abzulenken.

Viel zu rasch kam der Tag, an dem die junge Prinzessin in das ferne Großreich verheiratet wurde. Äußerst rührend verabschiedeten sich die zwei Freunde, was von einigen Dienern des Bräutigams nicht unbeachtet blieb. Sobald sie angekommen waren, berichteten sie ihrem Herrn, was sie gesehen hatten und dieser nahm dies nicht sehr gut auf. Einen niederen Mann als Nebenbuhler zu haben! Und auch die Einstellung seiner Braut sagte ihm wenig zu. Sie war zu weich und naiv. Er würde ihr noch zeigen, dass die Welt nicht so schön und harmlos war, wie sie es bis jetzt gesehen hatte. Denn ihre Reformvorschläge die Standesunterschiede abzuschaffen, waren ja unglaublich! Die ganzen Arbeiter mussten mit harter Hand beherrscht werden, sonst würden sie nichts tun. Sie brauchten den Adel und die Herrscher, die ihnen sagten, was sie tun sollten, denn die einfachen Leute konnten nichts ohne Weisungen. Aber er würde sie noch lehren, wie sehr sie sich irrte.
Als sie sich erneut über dieses Thema stritten, wurde es dem Mann zu viel. Er ließ sich doch nichts von einer kleinen Göre befehlen! Daraufhin übergab er sie seinen besten Folterknechten, damit sie ihr den Starrsinn austrieben. Er würde ihr noch zeigen, wie verdorben die Welt war. Dieser Bauernjunge hatte ihr aufrührerisches Gedankengut eingepflanzt!
Höflich bat er darum, den Stalljungen gegen ein kleines Entgelt zu bekommen, da ihm seine Arbeit so gut gefallen hatte.
Der Vater der frisch gebackenen Königin ahnte nichts und stimmte dem Handel zu. Sobald der Stalljunge das Schloss betreten hatte, wurde er in das tiefste Verließ geworfen.
Währenddessen war die junge Frau ihren schlimmsten Alpträumen ausgesetzt. Einsam und verlassen wurde sie mit gefräßigem Getier eingesperrt und jede wache Minute gefoltert, bis ihr Wille einmal gebrochen wurde. Leise winselte sie um Gnade und bettelte, dass man sie wieder freilassen sollte, sie würde auch schweigen und immer das tun, was ihr gesagt wurde, doch ihrem Mann war dies noch nicht genug. Er wollte sie weiterhin leiden lassen. Zu sehr hatte sie ihn beschämt und gedemütigt.
Der Stalljunge wurde vor den Augen seiner Freundin, die bereits einmal gebrochen worden war, gefoltert. Immer wieder bettelte sie um Gnade für ihn, doch sie hörten nicht auf. Was auch immer sie sagte, nichts half. Irgendwann zerbrach ihr Geist nochmals an der Grausamkeit, der sie ausgesetzt wurde. Die junge Frau hoffte, dass nun alles ein Ende hatte, aber eines fehlte noch. Ihr wurde befohlen ihren Freund zu Tode zu foltern.
Gequält schrie sie auf, ergriff jedoch zitternd die glühenden Eisen. Mit Tränen in den Augen trat sie näher und sie, die sie keinem Lebewesen je etwas getan hatte, hielt das Eisen auf den bloßen Leib ihres einstigen Freundes. Mit kalten und ausdruckslosen Augen tat sie, was ihr befohlen worden war.

Damit war die Strafe vollendet und der König hatte eine Königin, wie er sie haben wollte. Sie folgte all seinen Weisungen und widersprach ihm nicht. Mit kalten und leeren Augen blickte sie auf alle Menschen hinab, die unter ihr standen. Wenn er auf Reisen war, konnte er sich sicher sein, dass sein Weib sein Reich so führte, wie er es wünschte. Und der König war bald sehr oft unterwegs, denn sein Reich genügte ihm nicht mehr. Er wollte sich einen unsterblichen Namen machen und die gesamte Welt regieren. Niemals durften die Bauerntölpel irgendwo an Macht gewinnen, denn die Macht gehörte seit jeher den Adeligen. So führte er grausame Kriege und sein Volk litt dadurch Hunger und strengte Aufstände an, die von seiner Königin brutal niedergeschlagen wurden. Sie war unglaublich kreativ und grausam, was Strafen anbelangte und dies gefiel ihm. Sie war eine äußerst gelehrige Schülerin gewesen.

Als der Großkönig das Königreich des Vaters seiner Frau unterworfen hatte, brachte dieser ihren Vater und seine Mutter vor sie, damit sie über sie entschied. Kalt blickte sie auf ihre Eltern hinab.
„Tötet sie. Ich habe ihnen schließlich nie etwas bedeutet.“
„Aber… das stimmt doch nicht, mein Kind!“, flehte ihre Mutter, doch das steinerne Herz der Großkönigin ließ sich nicht erweichen.
So sehr ihre Eltern auch flehten, die junge Frau ließ sich nicht umstimmen. Im Gegenteil, sie entschied sich sogar die Exekution eigenhändig durchzuführen.
Seit diesem Tag wurde sie noch mehr unter dem Volk gefürchtet. Alle zitterten, als der Tag kam, dass der König krank wurde und es absehbar war, dass er bald sterben würde. Denn diese Königin war gnadenlos. Sie war noch schlimmer und grausamer als der alte König selbst. Niemand verstand es, da sie anfangs doch so freundlich, aufgeschlossen und liebenswürdig gewesen war.
Mit ihrem kranken Mann, sah die Frau den Zeitpunkt ihrer Rache gekommen. Emotionslos ermordete sie ihn und nahm die Regierung selbst in die Hand. Es wurde gemunkelt, dass sie das Ableben beschleunigt hätte, doch jede kritische Stimme wurde sofort beseitigt. So schwiegen alle und behielten ihre Gedanken für sich. Auch einer der Prinzen war sich sicher, dass seine Stiefmutter seinen Vater ermordet hatte. Er schwor auch, dass sie es war, die seinen Vater zu diesem Eroberungsfeldzug getrieben hatte, so schmiedete er Pläne um selbst an die Macht zu kommen.

Das Reich erzitterte währenddessen unter der Herrschaft der grausamen Königin. Alle hoffte wider Erwarten, dass auch sie bald das Zeitliche segnen würde, in der Hoffnung, dass es danach einen besseren und gerechteren Herrscher gäbe. Mehrere Adelige verstrickten sich in Verschwörungen um eigenständige Reiche zu gründen oder die Macht über das Großreich zu übernehmen. Mit der Zeit verbanden sie sich und der Halt der Königin bröckelte langsam.
Nach einigen Jahren war der Zeitpunkt gekommen, an dem der Plan zu ihrer Ermordung ausgereift war und der zornige Prinz führte die Tat aus. Er hatte Erfolg, doch die Adeligen wandten sich nun gegen ihn und wollten ihn von dem Thron verdrängen. Dies stürzte das riesige Reich in einen großen Krieg, aus dem viele kleinere Reiche hervorgingen.
Es dauerte lange, bis wieder Frieden in der bekannten Welt einkehrte und später wurde diese Zeit das dunkle Zeitalter genannt. Es ranken sich viele Geschichten um die weiteren Umstände und um den genauen Ausbruch dieses Äons, doch dies ist die älteste und wohl wahrste Geschichte. Zugleich aber auch eine der traurigsten. Sie lehrt uns aber viel. Und ihre Lehre sollten wir nie vergessen, wenn wir so eine Tragödie verhindern wollen.
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Falkenkind

Beitrag von Death of Fantasy » 02.01.2012 18:41

Zu der Zeit, als die Falkenreiter noch sehr jung waren und das Land von vielen Wegelagerern unsicher gemacht wurde, begab es sich, dass eine junge Frau mit ihrem Gemahl und Kind durch das Land zog, um ihr Glück an einem anderen Ort zu suchen. Als sie so schnell es ihnen möglich war, den Wald durchquerten, sprangen plötzlich vermummte Gestalten um sie herum aus dem Wald und bedrohten sie. Ängstlich drückte die junge Mutter ihr kleines Mädchen an die Brust und wich zurück. Sie waren jedoch eingekreist worden und so gab es kein Entkommen. Immer näher kamen die Schurken und rissen ihr das kleine Bündel aus der Hand. Sofort begann das kleine Wesen jämmerlich zu schreien, doch die Männer hatten, was sie wollten und verschwanden im Wald. Der Mann versuchte ihnen zu folgen, aber er kannte sich zu wenig in diesen Dingen aus und gab resigniert nach einigen Minuten auf. Betrübt kehrte er zu seiner Frau zurück, die bitterlich weinte. Nichts vermochte sie zu trösten ob des großen Verlustes, den sie erlitten hatte.

Währenddessen machten sich die Räuber auf zu ihrem Lager, in dem sie mehrere Kinder gefangen hielten, die sie in der nächsten Stadt an Sklavenhändler verkaufen wollten. Als sie das Lager erreichten, zog plötzlich ein dunkler Schatten über die Räuber hinweg und sie sahen sich erschrocken um. Was war das nur gewesen? Waren sie entdeckt worden? Rasch trieben sie alle Kinder zusammen und begannen sie vorwärtszutreiben, als ein Schatten aus dem Himmel auf sie herabstürzte.
Die große Falkendame hatte schon lange beobachtet, was die Menschen dort getan hatten. Nun war die Zeit gekommen, wo sie diese Wesen, die Leid in ihren Wald getragen hatten, richten wollte. Wie eine gefiederte Rachegöttin wütete sie unter den Räubern, bis der letzte von ihnen vernichtet worden war. Die gefangenen Kinder waren bei dem Angriff panisch geflohen und hatten sich in alle Winde zerstreut. Als die Falkendame mit ihrem Werk geendet hatte, gab es außer ihr kein lebendes Wesen mehr.
Zumindest glaubte sie das, bis sie ein leises Wimmern vernahm. Neugierig und auf der Hut näherte sie sich dem Geräusch und erblickte ein kleines Menschenwesen. Als sie auf es hinabblickte, verstummte es und betrachtete sie neugierig. Vorsichtig stupste der Riesenfalke das kleine Mädchen an, worauf es glücklich gluckste und nach dem Schnabel seiner Retterin griff. Verwundert legte die Falkendame ihren Kopf schief und krächzte leise. Das kleine Mädchen versuchte den großen Vogel nachzuahmen und blickte ihn frei von Furcht und Argwohn an. Dies rührte das Herz des stolzen Tieres und nach kurzem Überlegen nahm er das kleine Wesen vorsichtig in seine Krallen und trug es heim in seinen Horst, hoch oben an den Hängen eines gewaltigen Berges, der von dem Wald umschlossen wurde.
Dort wartete bereits ein weiterer Riesenfalke auf die Ankunft des Weibchens. Er krächzte, als er seine Gefährtin erblickte. Verwirrt betrachtete er das Menschenkind, das seine Nistpartnerin mitgebracht hatte, doch schnell merkte er, dass es keine Beute war, sondern wie Nachwuchs behandelt wurde.
Wenig später legte die Falkenmutter dann ihre Eier. Wegen dem Nachwuchs hatte sie ihre Umgebung sicher machen wollen. Dem Menschenmädchen wurde immer wieder Nahrung mitgebracht. Anfangs verschmähte es, das rohe Fleisch, doch irgendwann gewöhnte es sich daran. Das kleine rosige etwas sah neben den Eiern winzig und zerbrechlich aus, aber das schien es nicht zu stören. Freudig gluckste es unter den wärmenden Federn seiner neuen Eltern und schmiegte sich immer wieder an seine Geschwisterchen. Als es endlich an der Zeit war, dass die kleinen Vögelchen schlüpfen, waren die Eltern ganz aufgeregt, aber auch das kleine Würmchen wurde nicht vergessen. Es spürte die Aufregung seiner Eltern und blickte sich neugierig um. Als seine Geschwister endlich schlüpften, krabbelte das Tier zwischen den Jungvögeln umher und begrüßte jeden einzeln. Die frisch geschlüpften Riesenfalken nahmen ihr seltsames Geschwisterchen gut auf und kümmerten sich auch gut um es.
Mit der Zeit wurden die Jungtiere immer größer und größer. Unglaublich schnell versuchten sie das erste Mal zu fliegen und auch das kleine Mädchen wollte es versuchen, wurde aber von seiner Mutter daran gehindert. Unglaublich enttäuscht und betrübt, sah es seinen Geschwistern hinterher. Warum durften sie fliegen und sie selbst musste hier alleine zurückbleiben? Viel zu schnell kam die Zeit, da sie sich von ihren Geschwistern verabschiedete, da diese das Nest verließen. Und erneut musste sie zurückbleiben. Auch begann sie langsam zu erkennen, dass sie anders war. Ihr waren keine Federn gewachsen. Sie hatte keine so schönen Flügel. Betrübt kuschelte sie sich in den Federhaufen, den ihre Mutter in einer Ecke des Nestes für sie angesammelt hatte.

Mit den Jahren betrachtete sie öfter, wie ihre Geschwister älter wurden und fortflogen. Noch immer wuchsen bei ihr keine Federn und langsam sah sie sich als Missgeburt an. Warum mochte ihre Mutter sie denn überhaupt noch, wenn sie doch so eine Enttäuschung war. Nach und nach bastelte sie sich ein Gefieder auf den Federn ihrer Mutter und ihrer Geschwister. Aber die Flügel ersetzte es ihr nicht.
Als es wieder an der Zeit war und ihre neuen Geschwister flügge wurden, rätselte das Mädchen hin und her. Eines Nachts schlich sie sich den Berg hinab, denn mit den Jahren war sie sehr geschickt im Klettern geworden, und suchte nach Holz und langem Gras. Als sie alles hatte, kroch sie zurück und begann damit sich Flügel zu bauen. Sie hatte schließlich bei ihren Geschwistern gespürt, wie sie sein mussten, daher würde sie das auch so bei sich machen. Stunden saß sie an ihrer Arbeit und sie wurde gerade mit dem ersten Flügel fertig, als es dämmerte. Rasch schlüpfte sie ins Nest zurück, denn noch sollte niemand sehen, dass ihr Flügel wuchsen. Während des Tages beschäftigten sich ihre Eltern so sehr mit ihren Geschwistern, dass niemand bemerkte, wie sie an ihrem zweiten Flügel arbeitete. Als alle schlafen gingen, freute sich das Mädchen auf den nächsten Tag, wenn sie allen zeigen würde, dass sie doch nicht so nutzlos war, wie alle dachten.
Sobald alle aufgestanden waren und sich für den großen Flug bereit machten, schnallte auch das Adoptivkind ihre Flügel an und sprang über die Kante. Sofort zerrte der eisige Wind an ihr und ihre Arme schmerzten, doch irgendwie gelang es ihr sich mit den Flügeln in der Luft zu halten. Freudig stieß sie einen Schrei aus, wie sie es von ihrer Mutter und ihren Geschwistern kannte. Die schossen bald an ihre Seite und eskortierten sie.

Anfangs ermüdete sie noch sehr schnell, doch bald hatte sie die nötige Ausdauer und konnte stundenlang mit ihrer Familie durch die Lüfte gleiten. Als sie eines Tages alleine auf die Jagd ging, kam sie an einer Stadt vorbei. Neugierig, was dort war, ging sie etwas hinunter und entdeckte mehrere Wesen, die ähnlich waren wie sie. Vorsichtig ging sie auf einer Wiese zu Boden und schlich durch die Gassen. Alles hier war so laut, dreckig und stank! Wo war sie nur gelandet? Voller Abscheu wich sie zurück auf die Wiese und stolperte dabei einem wundervollen jungen Mann in die Arme, der sie streng ansah.
„Kannst du nicht aufpassen?“, herrschte er sie an, doch sie, die sie keine Worte gelernt hatte, verstand nicht, was er ihr sagen wollte.
„Wo kommst du überhaupt her, du kleine Wilde?“, fragte er nach eingehender Betrachtung der Gestalt vor sich.
Noch immer wusste sie nicht, was er von ihr wollte und erschrocken krächzte sie, bevor sie fort lief. Verwundert sah der junge Mann ihr nach. Gehörte sie etwa zu diesen Falkenreitern? Nein, die waren anders gekleidet, so viel er wusste.
Das Mädchen stoppte erst, als sie weit fort war, doch noch immer hämmerte ihr Herz wild. Was war das nur gewesen? Warum hatte dieses Etwas so komische Laute von sich gegeben?

Immer wieder schlich sie sich in ihrer Freizeit in die Stadt um diesen seltsamen Mann zu beobachten, doch sie fand ihn nicht.
Als sie eines Tages ihr Gefieder in einem kleinen See säuberte, wurde sie plötzlich im Genick gepackt und umgedreht. Da stand vor ihr das seltsame Tier.
„Dich kenne ich doch…“, lächelte er.
Verwirrt sah sie ihn an. Was waren das für Laute? Was wollte er von ihr? Wollte er sie fressen?
„Also, Vogelmädchen. Wo kommst du her?“
Noch immer sah das Falkenmädchen ihn verwirrt und ängstlich an.
„Mein Herr, sie ist wohl irr. Es scheint nicht, als würde sie Euch verstehen.“
Doch der junge Mann gab nicht auf.
„Ich“, dabei zeigte er auf sich.
„Du.“, dann zeigte er auf das Mädchen.
Jetzt verstand sie, was er von ihr wollte. Leicht nickte sie und wartete, was er weiterhin von ihr wollte.
Diesmal tat er so, als würde er schlafen und machte ein witziges Geräusch dazu. Mit einem Lächeln zeigte sie zu dem Berg, auf dem sie mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter lebte. Als der junge Mann dort hinsah, lockerte sich sein Griff und sie konnte entkommen. Noch immer traute sie ihm nicht. Dank ihrem nassen Federkleid konnte sie nicht gut fliegen und es dauerte etwas, bis sie es wagte sich in die Lüfte zu schwingen.

Oft hielt der junge Mann nach dem seltsamen Mädchen Ausschau, das ihn fasziniert hatte. Ab und an traf er auch auf sie, doch sie war immer unglaublich schnell verschwunden, wenn sie ihn erblickte, fast als hätte sie Angst. Somit entschloss er sich, dass es vielleicht besser wäre, wenn er sie näher kommen ließ. Bald ging seine Rechnung auch auf. Zögerlich kam das Mädchen näher, aber sobald er sich regte, lief sie scheu davon. Nach und nach lernte sie, dass er ihr nichts tat. Dies war der Zeitpunkt, an dem er begann sie zu lehren. Das Mädchen war fasziniert von ihm und hing ihm an den Lippen. Rasch verstand sie viel von dem, was er sagte, doch noch immer hatte sie selbst keinen Ton von sich gegeben, außer die Raubvogelschreie. Vielleicht war sie stumm.
Während des Zusammenseins hatte sich ein tiefgehendes und starkes Band zwischen den Beiden gebildet. Das Mädchen war immer anhänglicher geworden und sie kamen sich immer näher. Ohne es zuerst zu bemerken, hatten sie sich ineinander verliebt. Das Falkenkind war glücklich endlich jemanden gefunden zu haben, der wie sie war und dem jungen Mann gefiel die natürliche und unverfälschte Art der jungen Frau. Irgendwann wagte er es, sein kleines Vogelmädchen zu fragen, ob es ihn zur Frau wollte. Als er ihr erklärte, was es bedeute, strahlte sie nur und nickte, bevor sie ihn umarmte.

Von da an lebten sie glücklich zusammen. Zwar fanden viele das Mädchen wegen ihrer Stummheit und ihres manchmal seltsamen Verhaltens komisch, doch ihr Mann beschützte sie vor allem. Alle sahen sie argwöhnisch an, da es für einen Menschen nicht normal war, zu tun als sei man ein Vogel. Die Flügel konnten das Ding doch nie und nimmer tragen!
Doch immer, wenn sie die Sehnsucht ergriff, nahm sie sich ihre Flügel und erhob sich in die Lüfte. Jedoch kehrte sie stets rechtzeitig zurück, dass niemand Verdacht schöpfte. So lebten sie und ihr Gefährte glücklich bis an das Ende ihrer Tage.
Zuletzt geändert von Death of Fantasy am 02.01.2012 19:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Die gläserne Spieluhr

Beitrag von Death of Fantasy » 02.01.2012 18:42

Vor langer Zeit feierte ein sittsames und freundliches Paar Hochzeit. Alle Menschen aus dem Dorf und alle Verwandten waren eingeladen und das Fest blieb lange in der Erinnerung der Menschen. Das junge Glück wurde mit Geschenken überhäuft. Jeder wünschte ihnen alles Gute für die Zukunft und sie glaubten, dass nichts all dies würde zerstören können.
Da kam eine fremde alte Frau zu der Feier. Sie sah arm, müde und sehr bedürftig aus. Die Beiden mussten nicht lange überlegen und boten der Frau ihre Plätze zum Sitzen an und überhäuften sie mit Speisen, denn man hatte sie gelernt, dass man denen helfen soll, die es benötigen. Dankbar lächelte die alte Frau und nahm ein wenig von den Speisen. Einige der Gäste wandten sich angewidert ab, doch das Paar ließ sich nicht davon beirren. Sie wussten was recht war und was nicht. Als die Frau fertig war, lächelte sie alle an, allen voran aber das junge Glück.
„Ich danke euch für die Gastfreundschaft. Dies ist heutzutage selten geworden. Daher möchte ich euch für eure guten Herzen belohnen.“
So sprach sie und holte eine wundervolle funkelnde gläserne Spieluhr aus ihrem Bündel. Die Tänzerin war anmutig, zart und wunderschön, während ihr Begleiter kraftvoll, stark und unerschütterlich wirkte. Beide waren das Ideal des jeweiligen Geschlechts.
„Das können wir doch nicht annehmen!“, hauchte die Frau fassungslos und zu Tränen gerührt.
„Doch. Solltet ihr einmal große Not leiden, lasst die Spieluhr für euch spielen. Bringt ihr sie aber zum Spiel, wenn es keine Zeit der Not ist, so verstummt sie für immer!“, warnte die alte Frau, die eine weise weiße Magierin war.
Bevor die zwei frisch Vermählten etwas sagen konnten, war die Frau bereits verschwunden.
„Wo ist sie hin?“, riefen alle durcheinander, aber nirgends war sie mehr aufzufinden.

Als die Feier geendet hatte, räumte das junge Paar alle Gaben an ihren Platz und die seltsame Spieluhr wurde auf ein kleines Regal in ihrem Schlafzimmer gestellt, sodass sie sie jederzeit betrachten konnte. Immer wieder hallte die Warnung der alten Frau in ihren Köpfen die Spieluhr nur dann aufzuziehen, wenn sie große Not erlitten.
Doch sie lebten in friedlichen Zeiten und so geriet die Spieluhr schnell in Vergessenheit. Bis der junge Mann von der Armee eingezogen wurde, da ein Krieg mit einem Nachbarreich drohte. Der Jammer war groß und sie überlegten die Spieluhr zu befragen, aber sie entschieden, dass dies noch keine Not wäre. Er würde sicher heil wieder zurückkehren! So trennten sie sich schweren Herzens und die junge Ehefrau betete inständig darum, dass die Götter ihren Liebsten wieder heil zu ihr zurückbrachten.

Der Krieg mit dem Nachbarreich war langwierig. Ausgebrochen war er nur über eine Lappalie, aber keiner der Herrscher wollte klein beigeben und sich entschuldigen. Nach einigen Jahren errang der König des Paares den Sieg, doch selbst nach dem Ende zogen noch verstreute feindliche Soldaten mordend und brandschatzend durch die Ländereien.
Sobald es ihm möglich war, machte sich der Mann auf zu seiner Liebsten. Der Krieg hatte sie bereits viel zu lange getrennt und er sehnte sich nach ihr. Mit seinem Sold und einigen weiteren Gaben, die er für seine Dienste erhalten hatte, kehrte er freudig heim, um seine geliebte Frau zu überraschen. Aber er fand nur verkohlte Ruinen vor. Keine Menschenseele war dort und die Feuer waren bereits vor einiger Zeit ausgebrannt. Er schrie sein Leid in den Himmel und weinte bitterlich, als er vor den Ruinen seines Hauses ankam. Die feindlichen Soldaten waren schneller als er gewesen. Sie hatten ihm seines Lebenssinnes beraubt! Vielleicht konnte er wenigstens noch seine Geliebte bergen und ihr ein angemessenes Begräbnis bieten. Vorsichtig begann er die Ruinen zu durchsuchen doch er fand nichts. Bis auf die gläserne Spieluhr, die vollkommen unversehrt unter einigen verkohlten Balken lag.
Sein Leid in die Welt hinaus schreiend drückte er sich das Geschenk an die Brust und zog sie dabei unwillkürlich auf.

Plötzlich ertönte ein leises, wunderschönes und klagendes Lied in einer fremden Sprache, die der Mann nicht verstand. Verwirrt sah er sich um und erblickte die Spieluhr, deren Figuren sich langsam drehten. Dann bekam die Melodie einen Funken der Hoffnung und er traute seinen Augen nicht, als die Figuren langsam größer wurden und von der Spieluhr hinabstiegen.
„Welch‘ Leid ist Euch geschehen, mein edler Herr?“, fragte die Tänzerin, begleitet von dem Lied der Spieluhr
„Meine Liebste ist fort! Ohne sie kann ich nicht weiterleben, denn ohne sie hat mein Sein keinen Sinn!“
„Nichts ist, wie es scheint. Habt Ihr ihre sterblichen Überreste erblickt? Saht Ihr, wie sie starb?“
„Nein…“
„Dann ist die Hoffnung nicht verloren!“, rief nun der Tänzer energisch aus und lächelte seine Dame an.
Diese lächelte sanft zurück und gemeinsam sangen sie ein wundervolles Lied in der fremden Sprache, die der Mann nicht verstand.
„Wir hören ein klagendes Herz in weiter Ferne. Dies muss sie sein!“, flüsterten die Figuren und begannen loszutanzen.
Verwundert blickte der Mann sie an, packte dann aber die Spieluhr ein und stieg auf sein Pferd. Er musste Irr geworden sein ob dem Verlust, den er erlitten hatte. Dennoch folgte er seinen beiden Illusionen, da er sich an jeden Strohhalm klammerte um seine Herzallerliebste wieder in die Arme schließen zu können.

Sie reisten lange durch eine unwirtliche Gegend und immer wieder musste der ehemalige Soldat sich seiner Haut entwehren, wenn Banditen oder ehemalige feindliche Soldaten versuchten ihn seiner Habe zu erleichtern. Sein Verdacht wurde bestätigt, da niemand die seltsamen Tänzer vor ihm sah oder die Musik zu hören schien, die sie umgab. Aber er gab nicht auf. Schließlich sollte ihm die Spieluhr ja in Zeiten großer Not helfen und dies war eine Zeit großer Not.
Irgendwann glaubte der Suchende, dass er sein Ziel nie erreichen würde, doch immer wieder motivierten ihn die zwei Tänzer und sprachen ihm Mut zu. Er würde seine Liebste wiedersehen. Noch nichts war verloren und die Hoffnung, die stirbt nie.
Er ritt durch verschiedene Wüsten und Einöden und es gab Zeiten, in denen er nur selten eine lebendige Seele sah. Manchmal hatte er nur die zwei Glasfiguren als Gesellschaft, doch viel brauchten sie ihm auch nicht. Sie sangen nur, tanzten und sprachen ihm Mut zu. Aber zu einer normalen Konversation waren sie nicht zu gebrauchen. Immer, wenn er sie darauf ansprach, erwiderten sie, dass sie nicht dafür erschaffen wurden. Ihre Bestimmung sei es zu helfen und die Hoffnung im Herzen zu erhalten, nicht ein guter Begleiter zu sein.
Irgendwann gab der junge Mann die Versuche auf und folgte seinen seltsamen Begleitern, bis sie eine fremde Stadt in einem weit entfernten Königreich erreicht hatten. Alles dort wirkte unwirklich und reich. Die Dächer waren mit Gold gedeckt und um die Stadt herum war nichts als Sand, dennoch erblühte sie in vollem Leben. Überall herrschte geschäftiges Treiben, doch der Mann verstand gar nichts davon, was gesagt wurde. Er fühlte sich unwohl, aber man nahm ihn äußerst freundlich auf, obwohl er sehr offensichtlich ein Fremder war. Die Menschen hier waren viel aufgeschlossener und freundlicher, als in seinem Königreich, was ihm sehr gefiel. Aber sein Herz sehnte sich nach seiner Liebsten und die gläsernen Figuren trieben ihn unaufhörlich weiter. So verließ er die Stadt wieder und reiste weiter, nachdem er sich sein Proviant erneuert hatte.

Die Spieluhrfiguren führten ihn weiter durch viele seltsame Länder, die ebenso unwirklich erschienen, wie seine Führer selbst. Womöglich war er selbst bereits gestorben und wandelte nun durch das Jenseits. Zumindest wusste er nicht, wo er sonst gelandet sein könnte, denn diese Orte konnten einfach nicht real sein.
Aber er litt sehr darunter, dass die Reise kein Ende zu nehmen schien. Egal wie lange er reiste und wie oft er auch glaubte nun sein Ziel erreicht zu haben, die gläsernen Tänzer führten ihn immer weiter. Bis er in der Ferne am Meer eine gläserne Stadt glaubte zu entdecken. Nun änderte sich auch das Lied der Spielfiguren und sie beschleunigten ihren Tanz, der sie stetig vorwärts trieb. Das Herz des verzweifelten Mannes hüpfte, da er inständig hoffte nun seine Liebste wiederzusehen.
Als er in die Stadt einritt, wurde er von einer Wand aus Sprachen begrüßt, die ihm alle während seiner Reise begegnet waren. Auch hörte er einige Brocken der Sprache, die ihm selbst bekannt war und er wandte sich ihnen zu. Sie erzählten von einer Welt, die grausam und ungerecht war, weshalb sie sich auf die Reise gemacht hatten, einen Ort zu finden, an dem sie leben konnten. Sie waren lange gereist und beinahe verzweifelt, bis sie diesen Ort gefunden hatten. Und jeder hatte eine gläserne Spieluhr von einer mysteriösen Frau erhalten.

Neugierig schlenderte er durch die Straßen und entdeckte erst jetzt, dass seine Tänzer wieder zu ihrer Spieluhr zurückgekehrt und verstummt waren. Leise fragte er nach seiner Liebsten und beschrieb sie, aber niemand konnte ihm helfen. Leise und bitterlich weinte er, als er in der Ferne eine sanfte Stimme vernahm, die ein trauriges und sehnsüchtiges Lied sang:

Liebster, komm wo bleibst du nur.
Ich sehne mich doch so sehr
Nach deiner Nähe,
Komm zu mir

In die Stadt der Seligkeit
Wo es keinen Schmerz mehr gibt
Und wo alles besser ist
Und ich warte

Komm zu mir, wo bleibst du nur
Ich vermisse dich so sehr
Ah wenn du nur wärst
Bei mir

Er kam immer näher und erblickte eine Frau am Brunnen, die er nur zu gut kannte. Da war sie! Er hatte sie wieder! Freudig rief er ihren Namen und sie sah auf, lächelte und lief ihm in die Arme. Überglücklich hielten sie sich fest und stammelten Liebesbekenntnisse, als eine weiß gekleidete Frau auf sie zukam. Alle anderen wichen vor ihr zurück, beachteten sie aber nicht weiter, als sie das frisch vereinte Paar ansprach: „Ihr habt mich aufgenommen und meine Weisungen befolgt. Ihr habt euch das Recht hier zu bleiben, wenn ihr es wünscht, verdient.“
Da erkannten sie in ihr die alte Frau, die ihnen die Spieluhr geschenkt hatte und unter Tränen dankten sie ihr nochmals und beteuerten, dass dies der Ort wäre, den sie bereits so lange gesucht, jedoch nie gefunden hätten.
Die junge Frau erzählte ihrem Mann, wie sie ein Licht gesehen hatte, das sie fortlockte und hierherbrachte, als Soldaten ihr Dorf überfielen. So war sie gerettet worden.
Immer wieder blickten sie sich verliebt und glücklich an. Sie wussten es zu schätzen für diese Ehre auserwählt zu werden, denn diese Stadt aus Glas war der einzige Ort, der wahrlich gerecht und friedlich war. Und so lebten sie glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage.
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Hephania

Beitrag von Death of Fantasy » 01.02.2012 23:19

Gemeinsam mit der Welt wurden die Phaien erschaffen. Sie wanderten über das Land oder bekamen verschiedene Aufgaben zugeteilt. Der Phaie Enchandron wachte über die Vegetation des Landes, während Thojara über die Tiere wachte. Andere wachten über die Gewässer, den Himmel, die Sonne oder die Menschen. Doch tief im Erdinneren schlief die Phaie Hephania, die in ihren Träumen über die gesamte Welt wachen sollte.
Hephania schlief in einer Kristallhöhle, die ein schmaler Gang mit der oberen Welt verband, sodass die Träume leichter zu ihr fanden. Lange schlief sie und beobachtete das Treiben der Menschen und Tiere. Die Zerstörung und die Kriege ließen sie zurückzucken. Wie konnte man nur so grausam zu seinem eigenen Geschlecht sein? Sie verstand es nicht, denn ihr Herz war voller Liebe zu allem, was erschaffen war. Sie sah, wie Völker entstanden und verschwanden. Und jedes Mal, wenn eine Art zugrunde ging, weinte sie leise Tränen, die zu Kristallperlen wurden, sobald sie den Boden erreichten. Es war Hephania verboten sich in die Belange der Welt einzumischen, sie war nur die Beobachterin, die alles überwachte. Ebenso wie die übrigen Phaien. Sie waren Wächter und es war ihnen nicht gestattet sich gegen die Wesen zu erheben, selbst wenn ihr Handeln sie erzürnte und abstieß.

Aber es begab sich, dass Hephania eine Feier unter vielen beobachtete, doch diese war für sie etwas Besonderes. Weshalb konnte sie nicht sagen, aber dies ließ sie aus ihrem tiefen Schlaf erwachen. Die Phaie spürte großes Verlangen nun auch in die Welt zu gehen und ihre Wunder mit eigenen Augen zu sehen und mit allen Sinnen zu spüren. Es genügte ihr nicht mehr, nur noch eine stumme Beobachterin zu sein, sie wollte am Leben selbst teilhaben. Aber sie wusste, dass es ihr verboten war, daher legte sie sich wieder auf ihr Kristallbett und schlief. Ihre Träume jedoch waren nicht mehr sehr fest und immer wieder erwachte sie mit dem Verlangen die Welt dort oben zu besuchen, bis sie ihren Gelüsten endlich freien Lauf ließ.

Heimlich entfernte sie sich aus der Höhle und verfolgte den einzigen Gang, den es gab, in der Hoffnung so an die Oberfläche zu gelangen. Sobald sie die Höhle verlassen hatte, bildeten sich unter ihren Füßen in der Erde die verschiedensten Kristalle durch ihre Phaienmagie. Diese Magie war jedem Phaien zu Eigen und umgab ihn wie einen schützenden Mantel. So veränderte jeder die Umgebung um sich herum ungewollt, ganz nach seinen Kräften. Der Weg kam Hephania unglaublich lang vor, vor allem, da sie ihre Glieder noch nie wirklich gebraucht hatte, schließlich war ihre einzige Aufgabe auch das Schlafen. Und dafür benötigte sie keine starken und kräftigen Glieder.

Als sie endlich die Oberwelt erreichte, blieb sie in einem faszinierten Staunen am Höhleneingang stehen. Diese Welt war so viel schöner, als sie es in ihren Träumen gesehen hatte. Sie real zu erleben, war für sie etwas ganz Anderes und so viel intensiver als die Träume. Tief atmete sie die duftgeschwängerte Luft um sich herum ein und seufzte leise, als sie Stimmen in der Nähe hörte. Rasch verbarg sie sich wieder in ihrem magisch versteckten Höhleneingang. Wenig später ritten zwei dieser Menschen an ihr vorbei. Neugierig beobachtete sie diese Wesen, die zu so viel Grausamkeit, aber auch zu so viel Liebe und Leidenschaft fähig waren. Am liebsten würde sie sie näher erforschen, aber sie durfte nicht entdeckt werden, denn sie war zu fremd. Und eigentlich durfte sie doch gar nicht hier sein. Die Menschen erzählten etwas von dem großen Herbstfest und Hephania spitzte ihre Ohren. Diese Menschenfeste waren immer wieder wundervoll. Ob sie noch schöner waren, wenn man fast dabei war und sie von Nahem ansah? Zweifel nagten an Hephania, sie hatte schließlich bereits ihre Pflichten vernachlässigt. Und sie durfte nicht hier sein und war doch zu lange schon auf der Oberwelt. Außerdem wollte sie sich nicht ausmalen, was geschah, wenn die anderen Phaien ihre Anwesenheit bemerkten. Sicher wären sie über ihren Ungehorsam nicht sehr erfreut und dies zu Recht. Nach einigem Überlegen, entschied sie sich, wieder zu ihrem Schlafplatz zurückzukehren und ihre Aufgabe so zu erfüllen, wie sie ihr auferlegt worden war.

Doch die Feier ließ ihr keine Ruhe und Hephania erwachte öfter als zuvor. Irgendwann hielt sie diese Spannung auch nicht mehr aus und schlich sich erneut hinauf. Aus ihren Träumen wusste sie, dass dieses Fest heute enden würde. Die Phaie hatte ein unglaublich schlechtes Gewissen, da sie von ihrem Posten verschwunden war und verbotene Dinge tat. Dennoch konnte sie allem einfach nicht widerstehen und folgte ihren Gelüsten.
Bereits eine Meile vor dem Festplatz wurde sie von den Gerüchen überwältigt. Bezaubert blieb sie stehen und atmete alles tief ein. Nun hatte sie den Ort sicher gleich erreicht! Aber es dauerte länger, als sie erwartet hatte, bis sie den Festplatz erreicht hatte.
Dort blieb sie in den Bäumen verborgen und beobachtete das Treiben mit großen Augen. Es wirkte alles so anders, als in ihren Träumen. Es war so viel intensiver! Sehr vorsichtig beobachtete sie alles und achtete penibel darauf unentdeckt zu bleiben. Lange beobachtete sie alles und sie war eine der Letzten, die das Fest verließ, so sehr war sie von all den Empfindungen und Reizen gefangen genommen worden, die ihre Sinne überflutet hatten.

Unentdeckt kehrte sie wieder in ihre Höhle zurück, doch von da an, besuchte Hephania immer wieder dieses wunderbare Fest in ihrer Nähe. Jedes Mal schwor sie sich, dass dies ihr letzter Verstoß gegen die ihr auferlegte Aufgabe war, doch immer wieder konnte sie der Versuchung nicht widerstehen. Das Verlangen dieses Fest zu besuchen war einfach zu groß.
Eines Tages sah einer der jungen Männer in genau dem Moment zu den Bäumen, als Hephania dahinter hervorschielte. Augenblicklich stupste er seine Freunde an, um sie auf das schöne, fremde Mädchen aufmerksam zu machen, aber als diese hinblickten, sahen sie nichts. Enttäuscht ließ er die Scherze seiner Freunde über sich ergehen. Hatte er sie sich wirklich nur eingebildet? Das konnte nicht sein! Er würde später einfach den Ort besuchen, an dem er sie gesehen hatte, vielleicht war sie noch da.

Hephania ahnte davon nichts. Sie glaubte noch rechtzeitig verschwunden zu sein, sodass niemand ihre Anwesenheit bemerkt hatte. Als eine der Letzten verließ sie das Fest und bemerkte dabei den jungen Mann nicht, der auf ihr vorheriges Versteck zuging. Er bemerkte das schöne Wesen, das ihm wie aus einer anderen Welt vorkam, was durchaus auch der Wahrheit entsprach. Er fragte sich, woher sie wohl kam und weshalb er sie zuvor nie zu Gesicht bekommen hatte. Wo lebte sie? Um ebendies herauszufinden, folgte er ihr klammheimlich.
Als sie vor einer kleinen Felsengruppe inne hielt, runzelte er verwirrt die Stirn. Was wollte sie dort? Dann sah er, wie sie in eine kleine Höhle hineinschlüpfte, zumindest sah es von seinem Standpunkt aus so aus, und verschwand. Sofort lief er näher hin, doch er konnte den Eingang nicht mehr entdecken. Für ihn erschien es so, als wäre dort massiver Felsen. Wer war dieses schöne Mädchen nur? Eine Hexe? Nein, das konnte nicht sein.

Immer wieder hielt der junge Mann nach dem seltsamen Mädchen Ausschau, dennoch konnte er sie nicht entdecken, bis die Begegnung sich jährte und das große Fest wieder anstand. Am allerletzten Tag erspähte er sein Zaubermädchen wieder und diesmal beschloss er ihr so dicht zu folgen, dass er genau sah, wo sie hinging. Als das Fest sich dem Ende zuneigte, machte er sich auf den Weg zu den Steinen und brachte sich dort in Position. Er wusste schließlich wo sie hinging. Und seine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.
Nach einiger Zeit näherte Hephania sich und er staunte über ihre zierliche Gestalt. War sie vielleicht eine Adelstochter, die sich von ihrem elterlichen Hof fortschlich um etwas Spaß zu haben? Dies würde zumindest ihr Verhalten erklären. Als Hephania durch den Fels trat, folgte er ihr und diesmal sah er die Höhle, da der Zauber noch von Hephanias Durchschreiten gestört war.
Augenblicklich huschte der junge Mann dem Mädchen hinterher und fand‘ sich in einem Gang aus Kristallen wieder. Verzaubert musterte er alles um sich herum und folgte dem Weg, betend, dass er sich nicht teilte. Er lief einige Zeit und war sehr bald außer Atem, da die Menschen nicht so widerstandsfähig wie die Phaien sind, trotzdem lief er weiter. Als er die Kristallhöhle erreichte, sah er sofort die Schlafende. War sie etwa eine verwunschene Maid, die seine Hilfe benötigte? Zögerlich kam er näher und betrachtete Hephania nun zum allerersten Mal genau. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Sie war so wunderschön und anders. Von einem inneren Impuls getrieben, legte er seine Lippen auf die Ihrigen, um sie wach zu küssen. Sicher wäre sie dankbar endlich von ihm erlöst zu werden.
Sobald ihre Lippen, aufeinandertrafen, spürte der junge Mann einen Schlag, der ihm durch Mark und Bein ging.

Von dem Kuss geweckt erwachte Hephania wieder und entdeckte den jungen Mann, der vor ihr kauerte.
„Verzeiht mir, Herrin! Ich wollte Euch nicht erzürnen! Ich glaubte Ihr wärt eine verwunschene Maid und so wollte ich Euch erlösen!“
Die Phaie stoppte seinen Redefluss, indem sie ihre Finger sanft auf seinen Mund legte.
„Es ist alles gut. Ich bin dir nicht böse. Aber nun solltest du von hier verschwinden, dies ist kein Ort für dich!“
„Wenn Ihr es befehlt, so werde ich dies gerne tun!“
„Nein, nein! Es bleibt dir überlassen. Es ist schön Gesellschaft zu haben und reden zu können, doch ich sorge mich um Euer Wohl!“, entgegnete die Schläferin sanft.
„Was soll ich nun tun? Befehlt mir! Ich lebe nur, um Eure Befehle…“
Noch bevor er den Satz vollendet hatte, brach Hephania in Tränen aus, da sie begriff, dass der junge Menschenmann es wirklich so meinte, wie er es sagte.
„Es tut mir Leid, dass ich Euch betrübt habe!“, rief der junge Mann besorgt aus, während Hephania weiter bitterlich weinte.
„Dies ist alles meine Schuld! Hätte ich meine Pflicht erfüllt, wäre es nie geschehen und nun habe ich Euch zerstört. Nein, mir tut es Leid!“
„Das habt Ihr doch nicht!“
„Oh doch, das habe ich!“
Unter Tränen sammelte sie sich. Wofür hatte sie denn all ihre Magie, damit musste sie ihn irgendwie retten oder wiederherstellen können. Aber egal, was sie versuchte, es schlug fehl. Nur der Körper und Geist ihres Menschen wurde so verändert, dass er nicht mehr alterte.

Sobald sie bemerkte, dass all ihre Versuche die Situation eher verschlimmerten, als verbesserten, weinte sie nur noch. Sie mochte ihren Menschen und er war ungerecht für ihre Verfehlungen bestraft worden! Innerlich schwor sie sich ein Heilmittel für ihn zu finden. Da sie ihn bereits ins Verderben gestürzt hatte, war dies nur angemessen. Aber es gab eine Aufgabe zu erfüllen. Hephania befahl dem Menschen zu tun, nach was es ihm gelüstete, dann ging sie ihrer Pflicht nach.
Aber immer wieder erwacht die Phaie und wandert über die obere Welt, begleitet von dem Menschenmann, dem sie ungewollt das Verderben brachte. Dort sucht sie nach einem Heilmittel für den Zauber, der dem Menschen seinen freien Willen raubte und ihn zu einer Marionette degradierte, die alles tat, was man ihr befahl. Daher bedachte Hephania stets, was sie zu ihm sagte, da sie ihm nicht noch mehr Schaden zufügen wollte.
Stets versucht sie unentdeckt zu bleiben, damit nicht nochmal jemand unter ihren Bann fällt und somit ins Verderben gerissen würde. Das, so wusste sie einfach, würde sie nicht ertragen können.
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Die Sturmgiganten

Beitrag von Death of Fantasy » 12.02.2012 13:36

Es heißt, dass die Sturmgiganten alle einhundert Jahre aus ihrem langen Schlaf erwachen. Für einen vollen Jahreszyklus toben dann die Stürme und Unwetter besonders stark über das Land, denn sie sind es, mit denen die Giganten reisen, um möglichst unbemerkt zu bleiben. Sie wachen über das Land und kontrollieren bei ihren Reisen, dass es ihm auch gut geht. Alle, die dem Land großen Schaden zufügen, werden von ihnen in irgendeiner Form bestraft.

Als die Welt gerade erst erschaffen worden war, traf der Wind das erste Mal auf die Erde und eine große Anziehungskraft entstand zwischen ihnen. Der Wind hörte gar nicht mehr auf die Erde, seine Geliebte, zu umspielen und zu necken und große Stürme entstanden. Doch so war kein Leben auf dem Land möglich und alles war wüst und leer. Aber dies war nicht der Plan der Welt gewesen, die vor Leben nur so blühen und sprühen sollte. Jedoch wie sollte man die beiden tollen Elemente zur Räson bringen? Darüber berieten sich die Mächte des Schicksals lange und es dauerte, bis sie eine Lösung gefunden hatte. Am Ende entschieden sie eine Einheit von Erde und Wind zu erschaffen, sodass die Elemente sich vielleicht ihrer Kinder willen beruhigen und zur Vernunft kommen würden. Schließlich war es eine Ehre für die Elemente Kinder empfangen zu dürfen.
Einige Zeit währten die Verhandlungen mit den Elementen, doch letztendlich gaben Erde und Wind dem Drängen aller anderen nach. In ihren Kindern konnten sie schließlich stets zusammen sein und so wären sie niemals wirklich voneinander getrennt. So wurden ihre Kinder geboren, die Sturmgiganten.

Ihre Kinder wuchsen auf einer offenen Ebene auf, den der Wind oft besuchte. So mussten sie nicht auf ein Elternteil lange verzichten, denn die Erde war stets bei ihnen. Und sie waren weit fort von Feuer und Wasser, die die Elementkinder mit Neid betrachteten, da auch sie sich Kinder wünschten, es zwischen ihnen aber unmöglich wäre. Denn Feuer und Wasser vertrugen sich nur äußerst schlecht.
Die Ebene, auf der die Sturmgiganten behütet aufwuchsen, veränderte sich durch ihre Anwesenheit langsam und unbemerkt. Kein Leben entstand in der Nähe, denn die ungezügelte Kraft der Elemente umgab die Kinder und machte jegliches sterbliches Leben unmöglich. Sie waren von ungezügelten Stürmen umgeben und jeder Schritt der Riesen brachte die Erde in einigem Umkreis zum Erbeben. Unter den Menschen in der Nähe hieß es, dass dort gefährliche Ungeheuer hausten und kaum jemand verirrte sich in dieses Gebiet. Es galt als von bösen Mächten heimgesucht und verflucht.

Die Sturmgiganten selbst waren äußerst sanfte und freundliche Wesen, auch wenn sie aufbrausend sein konnten, sollte etwas ihren Zorn erwecken. All ihre Liebe galt ihren ungezähmten Eltern.
Sie wuchsen lange Zeit auf ohne die anderen Elemente kennen zu lernen, als einst plötzlich ein Regenschauer auf ihr Land hernieder ging und die Kinder, die die Sprache der Elemente verstanden, hörten, was das Wasser ihnen erzählte:
Liebste Elementenkinder, was sitzt ihr hier untätig herum, während eure liebste Mutter von den sterblichen Menschenwesen gepeinigt und zerstört wird. Wisst ihr denn nicht, wie sie sie ausbeuten und verletzen? All ihre Schätze rauben sie ihr ohne ihr etwas zurückzugeben. Hört ihr denn nicht ihre Schmerzensschreie? Ihr Keuchen? Und hört ihr nicht das Entsetzen eures Vaters, wenn er sich in Gebilden der Menschen verfängt, die ihn für sich arbeiten lassen? Ist es denn gerecht, dass eure Eltern so ungestraft versklavt werden, wo sie doch ungezähmt und frei sein sollten? Wollt ihr wirklich weiterhin untätig zusehen, wie sie eure Eltern langsam töten und nichts unternehmen? Liebt ihr sie so wenig?
Erschrocken horchten die Sturmgiganten auf. Immer wieder wiederholte der Regen diese Litanei. Sie hatten doch gar nicht gewusst, was alles vor sich ging! Warum hatten sie nichts gesagt, sie könnten doch helfen!
Besorgt lauschten sie auf die Stimmen des Windes und der Erde und sie hörten dabei wirklich angestrengtes und schmerzerfülltes Ächzen. Was tat man ihren stolzen Eltern nur an? Sie wollten mit eigenen Augen wissen, was die Menschen taten und folgten den Geräuschen, begleitet von den Stürmen und Beben, die sie umgaben wie eine zweite Haut.

Nach einiger Zeit trafen sie auf die erste menschliche Siedlung und erblickten wie die Haut ihrer Mutter aufgerissen wurde. Voller Zorn heulten sie auf und die Menschen wurden ihrer riesenhaften Gestalt in der Ferne gewahr. Ängstlich schrien sie in einer seltsamen Sprache, die die Giganten nicht verstanden. Bestimmt wollten diese Ungeheuer auch sie selbst versklaven, doch das wüssten sie zu verhindern! Wütend brüllten die Sturmgiganten und rasten auf die Peiniger ihrer Mutter zu. Diese hatten keine Chance gegen die geballte Kraft zweier Elemente und innerhalb kürzester Zeit waren sie alle vernichtet. Als ihre Mutter dies bemerkte, versuchte sie ihre Kinder zu erreichen und ihnen alles zu erklären, aber sie hörten nicht auf ihre Stimme, zu groß war ihr glühender Zorn und er ließ sie taub werden gegen die Beschwörungen ihrer Eltern. Denn auch ihr Vater versuchte, sobald er bemerkte, was geschehen war, sie zu beruhigen.
Die Elemente fürchteten die Konsequenzen, wenn ihre Kinder so schrecklich und grausam wüteten. Wind und Erde erkannten ihren Fehler ihre Kinder stets über die Welt unwissend gelassen zu haben. Sie hatten nie gedacht, dass diese so außer Kontrolle geraten würden oder dass sie je erfahren würden, wie sie den Menschen dienten.

Entschlossen zogen sie weiter vor und verbreiteten Angst und Schrecken unter den Menschen. Rasch verbreiteten sich die Gerüchte über die tobenden Riesen, die von den Mächten des Bösen ausgesandt worden waren, um sie alle zu vernichten. Die Menschen flohen vor ihnen und bald trafen die Sturmgiganten nur noch auf leere Siedlungen, die sie dennoch restlos zerstörten.
Immer wieder versuchten ihre Eltern sie zur Räson zu bringen, aber stets blieben die Kinder taub. Die Sturmgiganten hinterließen eine Spur der Zerstörung, wo immer sie gingen. Alles Leben wurde dort, wo sie ihre Füße hinsetzen restlos ausgelöscht und sie hinterließen nichts als bloße, nackte Erde.
Die tapfersten der Menschen versammelten sich an einem Ort, um die Welt von dieser Gefahr zu befreien, die die Welt so grausam und erbarmungslos geißelte, wie die Naturgewalten es manchmal taten. Auch sie hatten Angst, denn es gab Geschichten von Menschen, die geradeso fliehen konnten. Diese erzählten von riesenhaften Kreaturen, die von ungeheuren Stürmen umgeben waren. Ihre Züge wirkten wie grob aus Erde geformt.
Besorgt berieten sie, was zu tun sei, um die Menschen vor diesen Unwesen zu retten. Ihnen allen war klar, dass sie kaum lebend aus dieser Schlacht hervorkommen würden. Aber sie würden sich opfern und als Helden in die Geschichte eingehen. Es hieß diese Bestien besäßen keine Schwachstelle, aber jedes lebende Wesen war schließlich sterblich. Irgendeine Schwachstelle mussten sie haben.

Sobald die Zeit gekommen war, dass sie den Mut gefasst hatten die Riesen zu bekämpfen, wählten sie einen geeigneten Ort zum Kampf aus. Eine große Hochebene erschien ihnen am geeignetsten und so schlugen sie dort ihr Lager auf. Sie wussten, dass es einige Zeit dauern würde, bis ihr Feind diesen Ort erreicht hatte. Aber so gut es ihnen gelang, hatten sie die Reiseroute der Sturmgiganten berechnet. Diese sollten sehr bald an diesem Ort vorüberziehen und dann wäre ihre Stunde gekommen und sie würden zuschlagen und das Übel auf ewig vom Angesicht der Welt tilgen.
Die Armee der tapfersten der Menschen wartete lange und zweifelte daran, dass die Giganten sich irgendwann hierher verirren würden. Sie hatten sich geirrt und währenddessen wüteten diese Unwesen weiter in ihren schönen Ländern und mordeten weiterhin ungestraft unschuldige Menschen dahin, die einfach nur ihrem Lebensunterhalt nachgingen. Sie waren kurz davor sich aufzulösen und in ihre Länder zurückzukehren, damit sie die Menschen dort beschützen könnten, als ein dumpfes Grollen in der Ferne ertönte.
Ängstlich blickten die edlen Krieger sich an, aber sie blieben standhaft. Was auch immer dort erscheinen würde, sie würden sich alldem stellen. Die Pferde wurden unruhig und tänzelten hin und her, je näher das Geräusch kam. Nach einiger Zeit spürten sie auch, wie die Erde unter ihnen erzitterte. Diese Ungeheuer mussten wahrhaft riesig sein! Dann endlich erschienen die Sturmgiganten am Horizont und die Stürme peitschten ihnen voraus. Mehr als ein Pferd ging durch und verschwand mitsamt seinem Reiter. Die Tiere waren nicht zu beruhigen und so ließen die Ritter sie frei. Es hatte keinen Sinn mit solchen Tieren zu kämpfen, die eher Hindernis als Hilfe waren. Viele unter ihnen zauderten beim Anblick der riesenhaften Gestalten, dennoch blieben sie standhaft. Sie hatten eine Verpflichtung für ihr Land, ihre Untertanen und ihre Ehre. Um jeden Preis mussten sie die Menschheit vor den Übergriffen des Bösen beschützen, dafür waren sie schließlich Krieger.

Als die Sturmgiganten den riesigen Haufen kleiner Menschengestalten sahen, stürmten sie vorwärts. Endlich konnten sie ihren Zorn wieder an diesen feigen Frevlern auslassen, die vor ihrem Zorn geflüchtet waren. Wütend heulten sie auf und schrien den Schmerz, den ihre Eltern durch ihre Versklavung empfinden mussten laut heraus. Aber diese Menschenwesen ließen sich davon nicht beeindrucken. Ja, sie zitterten und hatten Angst, doch sie flohen nicht, ganz im Gegenteil. Diese Wesen stürmten auf sie zu.
Dies war eine vollkommen neue Empfindung für die Elementenkinder. Verwirrt hielten sie inne. Was bedeutete das? Sie hatten noch nie Menschen gesehen, die auf sie zugingen, anstatt vor ihnen zu fliehen. Und was hatten sie da für komische Dinge in ihren Händen? Aber nichtsdestotrotz versklavten und beuteten sie ihre Eltern aus. Nach einigen Momenten besannen sie sich und stürmten wieder vorwärts, auf den Menschenhaufen zu.
Jedoch knapp bevor sie sie erreichten, stießen sie auf eine undurchdringliche Mauer aus Luft und in dem Moment hielt auch die Zeit inne. Leuchtende Gestalten aus Licht, die vom Himmel, bis zur Erde reichten, erschienen und sprachen mit einer Stimme:
„Haltet ein mit eurem Wahnsinn, Sturmgiganten! Eure Eltern dienen den Menschen, ebenso wie sie sie auch peinigen und beuteln. So wurden sie erschaffen. Ihr habt nicht das Recht eure Hände an sie zu legen, wofür sie sind! Wir sollten euch dafür vernichten! Doch eure Eltern flehten uns um Gnade an! So hört nun unser Urteil:
Es ist euch verboten eine Hand an die Menschheit anzulegen. Für eure Taten müsst ihr ihnen helfen alles, was ihr zerstört habt wieder zu errichten, denn das Menschenleben ist hart und kurz. Sobald dies getan ist, werdet ihr euch in den Bauch eurer Mutter zurückziehen und dort einhundert Jahre ruhen! Nach den einhundert Jahren dürft ihr für einen vollen Jahreskreis erwachen und über die Erde ziehen. Dort ist es euch erlaubt die Menschen zu bestrafen, die zu große Frevel begehen. Doch ihr dürft nur diese töten, die euch aufgetragen wurde zu vernichten. Legt ihr eine Hand an Unschuldige an, so ist euer Leben auf ewig verwirkt. Ihr werdet die Hand und Geißel der Elemente sein. Man wird euch fürchten und ängstlich Geschichten über euch erzählen, bis ihr in das Reich der Legenden verschwindet und man euch fast vergessen hat. Alle Äonen kehrt ihr für einen Jahreskreis zurück und führt den Willen des Schicksals und der Elemente aus. Nehmt ihr euer Urteil an?“

Von ihrem Irrsinn geheilt, nickten die Elementenkinder und schworen dem Schicksal die Regeln zu befolgen, die ihnen auferlegt worden waren. Die Schicksalsmächte befahlen nun den Menschen die Riesen nicht anzugreifen und erzählten ihnen, dass diese ihr Arm des Rechts wäre. Nach einigem Zögern stimmten dem Menschen dem Handel zu und die Zeit floss wieder fort und die Windwand fiel in sich zusammen. Vorsichtig näherten sich die ehemaligen Feine und standen so dicht zusammen, wie es ihnen möglich war. Denn die Stürme der Giganten waren noch immer gefährlich. So kehrten die Krieger mit den Giganten zurück und erklärten den Menschen, was die Aufgabe dieser Riesen war und warnten sie vor Freveltaten.
So halfen die Giganten den Menschen alles wieder aufzubauen und kehrten dann in den Schoß ihrer Mutter zurück, wo sie augenblicklich in einen tiefen Schlaf fielen. Nach einer hundertjährigen Zeitspanne erwachten sie und erfüllten, von einem Gewitter begleitet, ihre Aufgabe. Seit dieser Zeit an sind die Sturmgiganten die Hand des Schicksals und der Elemente. Und jeder, der gegen sie frevelt muss fürchten von den Naturgewalten zermalmt zu werden. Doch mit der Zeit verschwand die Erinnerung, wie prophezeit, an die Elementenkinder und nur noch Mythen erzählen von ihrer Existenz.
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