Minecraft: The blog

Selbstgetextetes und Selbstgemaltes...

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Minecraft: The blog

Beitrag von Lynx » 15.04.2016 11:00

Kurz vorab. Im Bezug auf die Challenge kam ja zwischendurch mal die Frage auf, weshalb ich nicht Minecraft in selbiger verwurste, wo es mich doch so vom Schreiben abhält. Irgendwie ist der Gedanke ja nach wie vor spannend und ich lasse mich jetzt einfach mal auf das schreiberische Experiment ein. Ob es was wird und wie weit es geht, weiß ich selber noch nicht. Lassen wir uns also alle überraschen.

Ich schlüpfe also mal so richtig in die Rolle meiner Figur. Pro Tag im Spiel versuche ich einen Eintrag zu schreiben, auch wenn das bei Höhlentouren sicherlich schwer werden wird. Und ich hoffe, dass es ganz unterhaltsam für euch ausfallen wird, trotz dass manche Tage vermutlich nicht ganz so viel hergeben werden. Natürlich versuche ich so spielnah wie möglich zu bleiben aber ein paar Kleinigkeiten werden geneigte Minecraft-Nerds mir nachsehen müssen.

Hier übrigens mein Skin für den Blog:
Bild
Falls jemand diverse Spielelemente vermisst: Ich spiele den Blog auf der PS Vita, also in der leicht kastrierten Minecraft-Version.

Ihr dürft auch ruhig kommentieren, ich werde die einzelnen Tagebucheinträge alle hier linken, dann ist ein mögliches Durcheinander wieder geordnet. So, und jetzt hoffentlich viel Spaß!

Kapitelübersicht:
Tag 1: Lasst die Kämpfe beginnen!
Tag 2: Jagdsaison
Tag 3: Eisen, Baby!
Tag 4: Holz vor der Hütte
Tag 5: Ducken
Tag 6: Farben!
Tag 7: Creepy

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Tag 1: Lasst die Kämpfe beginnen!

Beitrag von Lynx » 15.04.2016 11:01

Tag 1: Lasst die Kämpfe beginnen!
Ich weiß nicht wo ich hier gelandet bin. Was aber noch viel schlimmer ist, ich weiß nicht einmal wie ich hier gelandet bin.

Geweckt wurde ich von einem fernen Bellen und Sonnenstrahlen, die durch ein lichtes Blätterdach fielen. Neben mir lag dieses leere Buch, ein Stift und eine Karte, die aber nichts zeigte außer Wald und Wasser. Alle drei Dinge habe ich vorerst als unbrauchbar abgestempelt. Selbst die Karte brachte mir in diesem Moment rein gar nichts. Eine Weile habe ich mich einfach nur umgesehen. Wäre meine Verwirrung nicht so groß gewesen, hätte ich den Wald um mich herum wohl als schön befunden. Recht schnell drängte sich mir aber ein Gedanke auf: Ganz gleich wie ich her gekommen war, ich konnte wohl kaum hier ausharren und auf besser Wetter hoffen - nicht dass etwas den strahlenden Sonnenschein getrübt hätte. Wenn ich hier nicht verrotten wollte, musste ich tätig werden. Ich musste überleben!
Mitten im Wald schätzte ich meine Chancen eher gering ein. Doch welche Richtung sollte ich einschlagen? Da ich mich nicht entscheiden konnte, bin ich ein wenig im Kreis gegangen, um vielleicht eine vielversprechende Richtung ausmachen zu können. Ein Fehler, wie sich später herausstellte, denn diese Aktion hatte mich lediglich Zeit gekostet. Zeit, die mir später vielleicht fehlen sollte. Schließlich habe ich mich blindlinks für eine Richtung entschieden. Belohnt wurde ich alsbald mit dem Glitzern von Wasser zwischen einigen Bäumen. Ich ging darauf zu und fand einen kleinen Teich. Dahinter wurde der Wald noch etwas lichter und ich konnte Sand und noch mehr Wasser erkennen. Fast schon eilig verließ ich den Wald und fand mich schon nach wenigen Metern an einem malerischen Ufer wieder. Ein paar Bäume warfen ihre Schatten auf einen weiteren Teich. In der Nähe schien eine Höhle zu sein. Drei Falben grasten zu meiner Rechten. Ich wünschte mir, einen von ihnen zähmen zu können. Doch das war nur eine kurze Träumerei. Was sollte ich mit einem Pferd ohne Sattel, ohne Stall und vor allem ohne ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben? Ich verwarf diesen Gedanken also wieder ebenso schnell, wie ich ihn gefasst hatte.
Statt dessen glitt mein Blick zum Himmel hinauf. Es war bereits Mittag. Wollte ich nicht unter freiem Himmel nächtigen, sollte ich mich beeilen, einen Unterschlupf zu finden. An die Höhle verschwendete ich keinen Gedanken. Sie erschien mir viel zu tief und zu dunkel, um sich sorglos dort hinein waren zu können. Ein Erdloch zu graben war auch wenig verlockend. Doch es gab ja ausreichend Bäume um mich herum. Die Arbeit würde zwar mühsam werden, jedoch war ich entschlossen ein wenig Holz zu schlagen. Eine gefühlte Ewigkeit verbrachte ich also damit, Holz zu sammeln. Der Gedanke an einen halbwegs sicheren Unterstand wuchs dabei stetig an. Ich sammelte so viel Holz, wie ich tragen konnte und trug es in Richtung des Stands. Dort wo Sand und Erdreich auf einander trafen, begann ich damit, eine kleine Hütte zu errichten. Tatsächlich gelang es mir sogar recht gut. Aus einem großen Rindenstück improvisierte ich sogar eine Art Tür.
Gerade als ich mein Werk voller Stolz betrachtete, hörte ich wieder das Bellen vom Morgen. Ein grauer Schatten huschte zwischen den Bäumen umher. Dann erfüllte ängstliches Blöken den Waldrand. Neugierig aber auch vorsichtig näherte ich mich. Zunächst sah ich nichts, doch dann sprang vor mir ein einsamer Wolf aus den Büschen hervor. Das Tier starrte mich an. Sein Maul war blutverschmiert. Ich war unfähig mich zu regen. Angespannt wartete ich ab, was nun passieren würde. Ich überlegte schon, ob ich mich wohl mit einem Stock zur Wehr setzen könnte, als der Wolf unvermittelt den Kopf wieder senkte und seines Weges ging. Offensichtlich sah er in mir keine Bedrohung. Oder aber er wusste, dass ich nicht besonders gut schmecken würde.
Ich ging noch etwas weiter in den Wald hinein, um zu sehen, was der Wolf gerissen hatte. Nach einigem Suchen fand ich die Überreste eines Schafs. Normalerweise würde ich mich nicht an Aas wagen, doch sowohl das Fell, als auch der Rest Fleisch könnten noch wichtig für mich werden. Also nahm ich mir, was mein grauer Freund mir übrig gelassen hatte und trat den Rückweg zu meiner Hütte an. Unterwegs schlug ich noch etwas mehr Holz aus den Bäumen. Das Glück war mir wirklich hold, denn ich fand sogar zwei Äpfel dabei. Wenn mich jetzt kein Unglück heim suchte, würde ich die Nacht wohl überleben.
Die Sonne neigte sich bereits dem Horizont entgegen, als ich meine Hütte erreichte. An Schlafen war aber noch nicht zu denken. Solange noch etwas Tageslicht vorhanden war, wollte ich dieses auch nutzen. Außerdem würde das rohe Fleisch wohl bald verderben, wenn ich es nun einfach irgendwo ablegte.
Genug Holz für ein Feuer hätte ich ja gehabt, doch konnte ich unmöglich einfach so eines in meiner kleinen Hütte entzünden. Ich brauchte etwas, um die Flammen einzudämmen und ich hatte auch schon eine Idee, wie ich das bewerkstelligen wollte. Aus einem Rest Holz zimmerte ich mir etwas zusammen, was entfernt an eine Spitzhacke erinnerte. Damit bewaffnet steuerte ich die Höhle an.
Mir war nicht wohl, als ich mich in das dunkle Gewölbe hinein wagte. Seltsame Geräusche erklangen aus der Tiefe. Eilig brach ich einige Steine aus den Wänden. Vielleicht bildete ich es mir nur ein, doch ich fühlte mich beobachtet. Etwas lauerte in der undurchdringlichen Dunkelheit, dessen war ich mir sicher. Mit meinen Steinen im Gepäck flüchtete ich regelrecht in meine Hütte. Die Sonne ging bereits unter.
Ich war unendlich froh, als ich es schaffte ein Feuer zu entzünden. Das warme Licht flackerte eine Weile durch meine provisorische Unterkunft. Kurz bevor es verlosch, entzündete ich eine Fackel. Hoffentlich würde sie eine Weile brennen. Ein wenig Holz aus meinem Vorrat legte ich nach, um das Schafsfleisch zu garen. Schon bald durchströmte ein verlockender Duft meine Unterkunft. Hunger und Erschöpfung meldeten sich in mir. Trotzdem beschloss ich beidem noch eine Weile zu widerstehen. Statt dessen errichtete ich mir eine Schlafstätte aus dem Schafsfell und sortierte anschließend meine übrigen Steine. Ein paar von ihnen taugten vielleicht für den Werkzeugbau. Den langen, flachen Stein, legte ich mir für eine Art Axt bereit und die etwas spitzeren Steine würde bald schon meine hölzerne Spitzhacke ersetzen.
Die Nacht schritt voran und letztlich beschloss ich doch, mich zur Ruhe zu legen. Der morgige Tag würde gewiss kräftezehrend werden. Also kuschelte ich mich in meine stinkenden Felle und schloss die Augen.
Es dauerte nicht lange, bis ich sie wieder öffnete. Mir war, als hätte ich draußen etwas gehört. Mucksmäuschenstill verharrte ich an Ort und Stelle und hoffte, dass ich mich nur geirrt hatte. Doch die Nacht war dunkel und im schummrigen Licht der Fackel drängte sich mir der Gedanke auf, dass wirklich etwas aus der Höhle hervor gekrochen sein konnte. An Schlaf war schon längst nicht mehr zu denken. Stille kehrte ein. Immer wieder sagte ich mir, dass ich mich geirrt hatte. Doch dann vernahm ich Schritte hinter meiner Hütte. Dicht gefolgt von einem langgezogenen Stöhnen. Mir gefror das Blut in den Adern. Was sollte ich tun? Hier ausharren und auf mein Ableben warten? Ganz sicher nicht! Den ganzen Tag lang hatte ich daran gearbeitet zumindest diese Nacht zu überstehen. Jetzt würde ich mir dieses Ziel nicht von einem nächtlichen Schrecken nehmen lassen. Entschlossen griff ich zu meiner Fackel. Niemand schlurfte ungestraft hinter meiner Bleibe umher. Entschlossen und jegliche Vorsicht ignorierend trat ich ins Freie. Fast schon im Laufschritt umrundete ich meine Hütte und fand das, was mich aus dem Schlaf gerissen hatte. Ein unflätiger Laut entfuhr mir, kaum dass ich die Gestalt erblickte. Ich hatte zwar noch nie einen Zombie zu Gesicht bekommen, doch eine treffendere Bezeichnung fiel mir für diese Kreatur nicht ein. Die Haut war von einem ungesunden Grün und fleckig. Zerrissene Kleidung bedeckte den geschundenen Leib. Der Zombie stöhnte erneut auf und schlug dann nach mir. Erschrocken machte ich einen Satz zurück, konnte aber nicht verhindern, dass seine unerwartet scharfen Fingernägel meinen linken Ärmel zerrissen und blutige Striemen auf meiner Haut hinterließen. Nun packte mich der Überlebenswille erst recht. Panisch schlug ich mit meiner Fackel auf das Monster ein. Es erwies sich als überaus zäh, doch schließlich ging es zu Boden. Argwöhnisch untersuchte ich die Überreste. Da war nichts zu holen. Das modrige Fleisch würde ich nicht einmal anrühren, wenn ich am Verhungern wäre. Ich zerrte den Leichnam ein wenig von meiner Bleibe fort. Vielleicht mochte sich ja ein anderer Schatten daran vergnügen. Um eine Stück Haut beraubt aber um etwas Erfahrung reicher, kehrte ich in meine schützende Hütte zurück. An Schlaf war jedoch erst einmal nicht zu denken. Also nahm ich mir mein Buch und begann zu schreiben.

Ob diese arme Kreatur wohl mein Vorgänger hier war? Skurriler Weise amüsiert mich diese Vorstellung. Ich hoffe, dieser ungebetene Gast bleibt der einzige für diese Nacht. Ich harre mit meiner Fackel in der Dunkelheit aus und lausche der Dinge, die vielleicht noch kommen mögen.
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Re: Minecraft: The blog

Beitrag von Karne » 17.04.2016 10:13

Ganz verpennt, nach dem Lesen auch hier zu schreiben.
Gefällt mir in schriftlicher Form besser, als ein Let's Play : ) Wobei ich mich manche Dinge echt noch nie gefragt hab, also wer man ist und wie man in die Welt kommt... Oder ob Zombies die Vorgänger sind xD
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Re: Minecraft: The blog

Beitrag von Lynx » 17.04.2016 13:24

Dankeschön.
Das sind halt so die kleinen wirren Gedanken die mich so nebenher manchmal heimsuchen können. ^^'
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Tag 2: Jagdsaison

Beitrag von Lynx » 19.04.2016 09:13

Tag 2: Jagdsaison

Der Schlaf war zum Glück das Einzige, was mich in der Nacht heimgesucht hat. Am frühen Morgen erwachte ich, fast genauso verwirrt, wie am Tag zuvor. Ich brauchte ein wenig, um mich zu orientieren. Doch schließlich wagte ich mich vorsichtig ins Freie. Die Begegnung der vergangenen Nacht war noch nicht vergessen, dementsprechend wachsam war ich, als ich mich zum nahen Teich begab. Die Wunde an meinem Arm brannte und beschwor ungute Gedanken an Infektionen hinauf. Würde ich am Ende wohl auch ein Zombie werden? Während ich die tiefen Kratzer auswusch, ließ ich meinen Blick immer wieder über das Wasser schweifen. Ob ich wohl ein Bad riskieren konnte? Nicht, dass unter der friedlichen Oberfläche noch Piranhas lauerten. Oder Schlimmeres. Tatsächlich sprang mich aber nichts dergleichen aus meinem kleinen Teich heraus an. Und das Wasser schien auch nicht vergiftet zu sein. Das einzig monströse hier war wohl meine eigene Paranoia.
Während ich über das Wasser hinweg blickte, sah ich eine Bewegung am Waldrand. Braun geschecktes Fell verschwand gerade zwischen den Büschen, begleitet von einem verheißungsvollen Muhen. Mein Jagdinstinkt war geweckt. Meinen vermeintlichen Teichpiranhas zum Trotz durchquerte ich das Wasser und folgte der Kuh. Mein Weg führte mich nur ein Stück weit in den Wald hinein und bald schon blieb das Tier stehen, bei einer kleinen Herde seiner Artgenossen. Gestern noch hatte ich den Gedanken gefasst und heute früh bereute ich es bereits, mir noch keine Waffe zugelegt zu haben. Ich hatte also nur meine improvisierten Werkzeuge. Doch ich fühlte mich stark, schließlich hatte ich in meiner ersten Nacht schon einen Zombie erledigt. Da sollte es eine Kuh erst einmal wagen, sich ihrem Schicksal als Abendessen zu widersetzen. Außerdem würde bei einer erfolgreichen Jagd vielleicht sogar eine brauchbare Haut für mich abspringen. Also nahm ich meine Spitzhacke zur Hand und sprang wie eine Wahnsinnige auf die Kuh zu. Erschrocken suchte das Tier sein Heil in der Flucht, doch ich ließ mich nicht abschütteln. Schließlich brachte ich meine Beute zu Fall und wie auch bei dem Zombie erschlug ich es ohne jegliche Raffinesse. Mächtig stolz auf mich, nahm ich es mit meinen wenigen Hilfsmitteln aus. Auf dem Rückweg zu meinem Unterschlupf nahm ich noch ein paar Zweige mit, um das Fell aufzuspannen und das Fleisch zu rösten. Ich fühlte mich großartig!
Meine Beute war schnell verstaut und im Adrenalinrausch fasste ich einen Entschluss. Ich legte mir einige Fackeln zurecht. Aus den spitzen Steinen improvisierte ich eine Spitzhacke, die ihren ramponierten Vorgänger aus Holz in den Schatten stellte. Frischen Mutes oder wohl eher Übermutes machte ich mich auf und betrat erneut die Höhle. Dieses Mal begrüßten mich keine unheimlichen Geräusche und so wagte ich mich mit gezogener Fackel vor. Nun bin ich kein passionierter Höhlenforscher und die Befürchtung sich zu verlaufen übertünchte sogar meinen Wagemut. Also beschloss ich zu meiner Linken Markierungen am Fels anzubringen, um auch auf dem Rückweg die Orientierung behalten zu können.
Nach einer Weile kam ich an eine Biegung. Rechts führte der Weg weiter in die Tiefe, während ich auf der linken Seite Tageslicht ausmachen konnte. Meine Höhle war also eher ein Tunnel. Das könnte sich irgendwann vielleicht noch als nützlich erweisen. Ich hielt einen Augenblick lang inne und betrachtete den linken Weg. Er schien in einer kleinen Schlucht zu münden, zumindest hatte es von hier unten den Anschein.
Plötzlich erfüllte ein Sirren die Luft gefolgt von einem dumpfen Aufschlag. Ich fuhr herum und stand im ersten Moment völlig erstarrt da. Nur wenige Zentimeter neben meinem Kopf war ein Pfeil in die Wand eingeschlagen! Wie ein Reh vor seinem Jäger blickte ich mit angehaltenem Atem in die Dunkelheit. Ein unheilvolles Klackern klang an mein Ohr. Erst im nächsten Moment fasste ich mich und hechtete in Deckung. Was auch immer in dem rechten Gang lauerte, es war mir nicht wohl gesonnen und hatte auch ganz sicher mehr als nur einen Pfeil bei sich. Ich rannte los. Daran erst einmal in meiner Deckung auszuharren und meinen Gegner in Augenschein zu nehmen, verschwendete ich nicht einen Gedanken. Aus der großen Jägerin war plötzlich die Gejagte geworden. Hinter mir schlugen noch einige weitere Pfeile ein, doch es gelang mir, das Zwielicht des Tunnels zu verlassen. Ich rannte bis zu meiner kleinen Hütte und ging hinter ihr in Deckung. Dann spähte ich vorsichtig zurück. Da ich nichts Besseres zur Hand hatte, griff ich nach meiner Spitzhacke. Meine Finger schlossen sich so fest um den Stiel, dass die Knöchel weißlich hervortraten. Angespannt verharrte ich an Ort und Stelle und starrte auf den Eingang zum Tunnel. Es dauerte ewig, bis mein Gegner sich blicken ließ. Doch schließlich vernahm ich ein Klackern und nur Sekunden später trat etwas aus dem Tunnel, dass mir erneut das Blut in den Adern gefrieren ließ. Auch wenn der Zombie der vergangenen Nacht mich im Grunde schon vorgewarnt hatte, erfüllte mich der Anblick des Skeletts mit Unglauben. In was für einer Zombie-Apokalypse war ich hier bloß gelandet? Als sei mein Schock nicht schon schwerwiegend genug, beschloss diese Welt noch einen drauf zu setzen. Denn als das Skelett ins Sonnenlicht trat, fing es augenblicklich Feuer. Um ein Haar hätte ich aufgeschrien. Meine Instinkte befahlen mir jedoch Gegenteiliges. Während das nunmehr lichterloh brennende Skelett nach mir suchte, presste ich mich an die Wand meiner Behausung. Ungeduldig wartete ich ab, bis es außer Sichtweite war, um mich dann vorsichtig heran zu pirschen. Noch hatte es meine Spur nicht wieder aufgenommen. Dennoch war es bedrohlich nahe. Zu nahe für meinen Geschmack, insbesondere da nicht nur ich brennbar war, sondern meine Hütte ebenfalls. Noch einmal presste ich mich an die schützende Wand und atmete tief ein. Dann spurtete ich los. Die letzten Meter überwand ich schreiend. Es benötigte nicht mehr als zwei Hiebe mit meiner Spitzhacke, dann war der Spuk auch schon vorbei. Zugegeben, die ersten Sekunden nach diesem ungleichen Kampf stand ich verdattert da und starrte einfach nur auf die Flammen, die langsam verloschen. Das war ja überraschend einfach gewesen!
Nachdem das Feuer endgültig verloschen war, schob ich mit der Stiefelspitze die knöchernen Überreste aus einander. Viel war nicht von meinem Jäger übrig geblieben, geschweige denn, dass mir etwas davon brauchbar erschien. Um eine Trophäe kam ich aber nicht umhin. Also nahm ich einen weniger stark verbrannten Knochen an mich. Einer der Pfeile hatte das Feuer ebenfalls überstanden. Ach er wanderte in meine Tasche. Den Rest des Skeletts ließ ich für die Tiere liegen. Vielleicht hatte ja irgend ein anderes Monster dort draußen Interesse daran, sich die verkohlten Knochen zu holen.
Erschöpft zog ich mich in meine Hütte zurück. Und ich war froh, dass mich dort bereits Äpfel und Fleisch erwarteten.
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Tag 3: Eisen, Baby!

Beitrag von Lynx » 21.04.2016 14:10

Tag 3: Eisen, Baby!
Der Schlaf hatte mich in meiner zweiten Nacht erstaunlich schnell übermannt. Und auch meine Träume waren gnädig, ungeachtet der Ereignisse des Tages. Als ich am Morgen erwachte, fühlte ich mich beinahe ausgeruht. Ein wenig verspannt, dank meiner Schlafstätte, und hungrig obendrein aber nichtsdestotrotz auf eine seltsame Weise erholt. Auch wenn ich noch Fleisch übrig hatte, wartete ich mit meinem Frühstück. Vielleicht mochte es ein Fehler sein und jeder Survival-Experte würde mich dafür lynchen, geschwächt meinen Unterschlupf zu verlassen. Doch zu allererst wollte ich sehen, was mich heute für eine unangenehme Überraschung erwarten würde. Ich trat also ins Freie und wurde sogleich mit strahlendem Sonnenschein und einem hübschen Blick aufs Meer konfrontiert. Nach Zombies und Skeletten verlangte nun auch schon der Ort selbst nach meinem Herzen.

Nein, im Ernst, es hätte mich sicherlich auch schlechter treffen können. Auch wenn die Gegend hier kein idyllisches Paradies ist, kann ich ihr doch einiges abgewinnen. Um es auf den Punkt zu bringen, mein momentanes Zuhause hat kann auch wirklich schön sein. Besonders mein privater, kleiner Teich rechts vom Haus gefällt mir.

Und genau dort zog es mich auch hin. Von dem im Wasser plantschenden Vogel schien keine Gefahr auszugehen. Ich trank einige Schlucke und ließ meinen Blick schweifen. Genau am anderen Ende des Teichs erblickte ich einen alten Bekannten. Mein grau bepelzter Freund hatte sich wohl auch einen Schluck genehmigt. Kurz warf er mir einen Blick zu, dann verschwand er in den Wald.
Aus einem inneren Impuls heraus beschloss ich, dem Wolf zu folgen. Anfangs streiften wir noch in lockerem Tempo durch den Wald. Doch dann erregte etwas seine Aufmerksamkeit und er rannte los. Die ersten Meter kam ich noch mit, dann verlor ich ihn aber aus den Augen. In Gedanken beglückwünschte ich mich zu meiner Leichtfertigkeit, denn ich war in einem Teil des Waldes gelandet, der mir völlig unbekannt war. Grob versuchte ich die Richtung auszumachen, in der meine Behausung lag. Die Wahrscheinlichkeit am richtigen Küstenabschnitt den Wald wieder zu verlassen erschien mir sehr gering. Ich hatte jetzt schon keine Orientierung mehr und wenn ich nicht in der Nähe meiner Hütte wieder aus dem Wald heraus fand, hätte ich sicherlich ein echtes Problem. Vielleicht wäre es klüger, den Rand des Waldes zu suchen und dann am Waldrand entlang den Heimweg anzutreten. Von meiner Idee überzeugt wandte ich mich nach links und hielt auf einen Abschnitt des Waldes zu, der mir etwas lichter erschien. Zu meinem Glück dauerte es nicht zu lange, bis ich in der Richtung tatsächlich den Waldrand fand. Dort traf ich auch meinen graupelzigen Freund wieder, der offenbar ein weiteres Schaf gerissen hatte. Ich wartete ab, bis er mit seiner Beute fertig war, dann näherte ich mich vorsichtig dem Kadaver, um zu sehen, ob ich in den Überresten noch etwas fand, dass sich verwerten ließ. Wie auch beim ersten Mal, sprangen etwas Wolle und ein Stück Fleisch für mich ab. Wenn ich jetzt wieder zu meiner Hütte zurück fand, wäre mein Überleben noch ein wenig länger gesichert. Glücklich nickte ich dem Wolf zu, doch dieser zog bereits wieder seines Weges.
Ich wollte mich schon auf den Heimweg machen, als ein Loch im Boden meine Aufmerksamkeit erregte. Neugierig näherte ich mich und wagte einen Blick hinein. Dort ging es einige Meter nach unten. Danach mündete das Loch in einem Tunnel. Sogleich stellte sich mir die Frage, ob dies wohl das Ende des Tunnels war, der in der Nähe meiner Hütte begann. Zunächst zögerte ich noch hinab zu steigen. Als mein Blick dann aber auf einen leichten Schimmer fiel, setzte sich meine Neugierde endgültig durch. Nicht ohne Vorsicht sprang ich in die Tiefe. Glücklicherweise gab es einen kleinen Vorsprung, der die Distanz zum Boden halbierte, sodass ich unbeschadet unten ankam. Im Eingang des Tunnels war es deutlich kühler als an der Oberfläche. Ein Schauer jagte mir über den Rücken. Doch das hielt mich nicht davon ab, das Gestein zu untersuchen. Meine Vermutung bestätigte sich, dass es sich bei dem verräterischen Schimmer um metallische Einschlüsse handelte- so wie es aussah um Eisen.
Eisen, Baby! - Mein Herz machte einen Sprung. Sollte ich hier länger fernab jeglicher Zivilisation gefangen sein, wäre formbares Metall ein kleiner Jackpot. Sogleich überschlugen sich die Ideen in meinem Kopf, was ich alles damit anstellen könnte. Werkzeuge, Rüstungen, eine vernünftige Waffe... allesamt Dinge, die mir einen deutlichen Vorteil meiner Umgebung gegenüber verschaffen könnten. Hastig griff ich nach meiner Spitzhacke und schlug auf das Gestein ein. Leider kam die ernüchternde Erkenntnis recht schnell. Allzu viel Eisen gab das Fleckchen an der Tunnelwand nicht preis, von einer erhofften Ader einmal ganz zu schweigen. Doch selbst diese kleine Menge, könnte ja vielleicht ausreichen, um zumindest eine Sache umzusetzen. Ich beschloss, meine Stimmung nicht trüben zu lassen. Statt dessen schnappte ich mir eine Fackel und wagte mich tiefer in den Tunnel hinein.
Das Glück ist ja bekanntlich mit den Dummen. Dieses Mal hatte es wohl auch beschlossen die Wagemutigen zu unterstützen. Denn nach einigen Metern in der Dunkelheit entdeckte ich erneut den metallischen Glanz, der mir meine Glücksgefühle beschert hatte. Dieses Mal war die Menge an Eisen, die der Tunnel frei gab zumindest ein wenig größer. So rasch es mein steinernes Werkzeug zuließ, baute ich auch diesen Bestand ab. Mit schwerem Gepäck zog ich schließlich weiter.
Ab und an gab es lichte Stellen in der Tunneldecke, durch die ein wenig Sonnenlicht herein fiel. Als ich schließlich auf ein größeres Loch stieß, kletterte ich hinauf, um zu sehen, wie weit ich gekommen war. Die Gegend erschien mir völlig unbekannt. Also stieg ich wieder hinab und folgte dem unterirdischen Pfad, bis dieser schließlich sein Ende fand. Erneut hatte ich Glück und es gab auch dort einen Weg nach oben. Wieder befand ich mich an einem Ort, den ich nicht kannte. Den ganzen Weg zurück gehen mochte ich jedoch auch nicht. Ärgerlich über meine eigene Naivität ließ ich den Tunnel hinter mir. Nachdem ich einige Meter zurück gelegt hatte, konnte ich das Meer zwischen den Bäumen erkennen. Die Wellen glitzerten in der Abendsonne und beflügelten meine Schritte. Zügig verließ ich den Wald und bemerkte, dass ich nicht allzu weit von meiner Unterkunft entfernt war. Hatte ich mich so verschätzt? Oder war die Gegend einfach nur zu gleichmäßig und ich hatte deshalb nicht erkannt, dass ich schon wieder beinahe zu Hause war.

Zu Hause, das klingt so, als würde ich hier wirklich dauerhaft bleiben. Alleine an meinem tödlichen, kleinen Traumstrand.

Ich konnte es kaum erwarten, meine Schätze heim zu bringen, machte aber noch einen kleinen Umweg, um eine seltsam anmutende Staude zu begutachten, die sich als Zuckerrohr heraus stellte. Nun war mein Glück schon beinahe überstrapaziert. Um es nicht auf die Spitze zu treiben, zog ich mich in meine Hütte zurück. Kaum dass ich die Türe hinter mir geschlossen hatte, knurrte mein Magen mich grimmig an. Er klang beinahe hungriger als der Zombie von vorletzter Nacht. Verständlich, denn schließlich hatte ich den Tag damit verbracht durch die Gegend zu streifen, anstatt etwas zu essen. Das holte ich nun nach und schob mir das Fleisch vom Vortag zwischen die Zähne. Gleichzeitig legte ich das Schafsfleisch von heute ans Feuer, um es durchzugaren. So haltbar gemacht, würde ich sicherlich noch ein bis zwei Tage davon essen können. Nachdem ich ein wenig zur Ruhe gekommen war und meinen Magen besänftigt hatte, nahm ich mich des Eisens an. Mein kleines Feuer reichte zwar nicht aus, um gleich alles Erz einzuschmelzen, doch schon kurze Zeit nachdem ich es dem Feuer überantwortet hatte, erfüllte der Schein flüssigen Metalls meine Behausung. Erschöpft aber irgendwie auch ein wenig zufrieden machte ich es mir auf dem Boden bequem und ließ mich vom Feuer und meinem kleinen Erfolg wärmen.
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Tag 4: Holz vor der Hütte

Beitrag von Lynx » 27.04.2016 14:57

Tag 4: Holz vor der Hütte
Die letzten drei Tagen waren ebenso turbulent wie kräftezehrend gewesen. Um mich nicht wieder an gefährliche Grenzen heran zu wagen, beschloss ich den Tag etwas ruhiger anzugehen. Ich würde noch früh genug dem Tod in den Schlund springen. Also kuschelte ich noch einen Augenblick mit meiner Decke aus Schafsfell und genoss den kurzzeitigen Frieden. Leider riss mich ein schon bekanntes Klappern aus meiner kleinen Auszeit. Ärgerlich stand ich auf. Da schlich doch schon wieder so ein untoter Bastard um meine Hütte herum. Gab es denn keine anderen Opfer in der Umgebung? Grummelnd ergriff ich meine Spitzhacke. Vielleicht sollte ich das Projekt Waffe nicht mehr zu lange vor mir her schieben. Oder zumindest schauen, dass ich neben meiner Monster-Zerhack-Hacke auch Werkzeuge zum bearbeiten von Stein hatte. Trotz meines Ärgers spähte ich erst einmal durch die Türe nach draußen. Noch hatte mich das Skelett nicht bemerkt. Lichterloh brannten die Knochen in der Sonne. Etwas ungeduldig wartete ich ab, bis es sich von meiner Hütte abwandte und in Richtung des Meers lief. Erst als es einige Meter entfernt war, stieß ich die Türe auf und stürzte mich mit einem unflätigen Laut und hoch erhobener Monster-Zerhack-Hacke auf den Störenfried. Das Skelett drehte sich herum. Doch ich holte bereits zum Schlag aus und... ließ die Hacke wieder sinken. Kurz bevor ich den Bastard hätte treffen können, fielen die brennenden Knochen klappernd zu Boden.
"Glück gehabt, mein Freund", knurrte ich und trat ein paar kleine Flämmchen auf dem Boden aus. Wie schon zwei Tage zuvor, sprang wieder keiner große Beute für mich ab. Neben einem Knochen schien aber zumindest ein Pfeil noch ganz brauchbar zu sein. Beides sammelte ich ein. Als ich den Knochen in meine Hütte trug, folgte mir ein neugieriges Augenpaar. Mein graupelziger Freund streunte wieder einmal durch die Gegend. Den erbeuteten Knochen schien er recht interessant zu finden. Vielleicht sollte ich in naher Zukunft noch weitere davon sammeln. Denn wie sagt man so schön, kleine Geschenke erhalten die Freundschaft? Vorerst behielt ich den Knochen aber für mich.
Bei der Rückkehr in meine Hütte schlug mir ein verführerisches Aroma entgegen. Eau de Mief wäre wohl eine untertriebene Beschreibung gewesen. Die Düfte von Feuer, Schweiß, Fellen und Speisen empfingen mich mit der Sanftheit einer Planierraupe. Auch auf die Gefahr hin, dass man mir nun einen weiblichen Nestbautrieb andichtet, ich musste dringend etwas an meiner Bleibe ändern! Dem voran stand aber die Frage, ob ich hier bleiben wollte. Viel hatte ich ja nicht zu verlieren und mein Traumstrand war unverändert tödlich. Andererseits mochte ich genau diesen Flecken Erde irgendwie. Ich beschloss, meine Entscheidung bei einem Bad in meinem Teich zu fällen.
Das kühle Teichwasser war eine Wohltat. Es half mir, mich weniger wie eine Wilde zu fühlen. Übrigens verheilten die Kratzer auf meinem Arm recht gut. Anscheinend war ich nicht zombifiziert worden. Noch ein Grund mehr, eine zivilisiertere Bleibe anzustreben. Ja, doch, ich wollte wirklich vorerst hier bleiben und mir ein vernünftiges, kleines Häuschen errichten. Der frisch gefasste Entschluss und vielleicht auch die frisch gewaschene Kleidung beflügelten mich ein wenig. Wenn ich hier bleiben und mir etwas aufbauen wollte, benötigte ich Ressourcen. Einige Ressourcen, um genau zu sein. Den Grundstein hierfür legte ich mit ein paar Grassamen, die ich am Ufer meines Teichs einpflanzte. Vielleicht würde ja etwas daraus wachsen. Dann machte ich mich an die wirkliche Arbeit. Holz war in meinen Augen eine gute Basis, auch wenn ich mir für mein Haus etwas Robusteres vorstellte. Doch ich würde viele Werkzeuge und Brennstoff benötigen. Also knöpfte ich mir die Bäume vor meiner Hütte vor. Sie rahmten die Aussicht auf das Meer ohnehin viel zu sehr ein. Stunde um Stune beackerte ich also meinen Wald, erst vor meinem Unterschlupf, dann daneben und dahinter. Was zu hübsch wirkte, um es umzuhauen ließ ich vorerst stehen. Nebenher schlug ich noch ein paar Äpfel aus den Kronen. Einen davon steckte ich mir gleich zwischen die Zähne.
Die Sonne neigte sich schon wieder über das Meer, als meine steinerne Axt den Geist aufgab und mir das Blatt mit lautem Protest um die Ohren flog. Aber ich hatte schon einiges an Holz gesammelt und beschloss zu guten Gewissens den Tag ausklingen zu lassen.
Bevor ich mir aber noch einen zweiten Apfel genehmigte und in mein müffelndes Bett kuschelte, schusterte ich mir noch eine neue Axt zusammen. Und endlich, endlich, endlich, dachte ich auch an eine Waffe. Vorerst wurde es aber nur ein behelfsmäßiges Schwert aus Holz, Steine waren einfach noch Mangelware. Meine Monster-Zerhack-Hacke bekam also ihren Ruhestand als Werkzeug und wich einem krüppeligen Schwert-Knüppel. Das hatte es jetzt wirklich gebracht, oder? Viel sicherer fühlte ich mich jedenfalls nicht und plötzlich war ich auch gar nicht mehr so erpicht darauf, Knüppel, das Krüppelschwert am nächsten Morgen zu testen.
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Tag 5: Ducken

Beitrag von Lynx » 03.05.2016 12:16

Tag 5: Ducken
Ich erwachte. Ich war am Leben. Und auch wenn ich erst kurze Zeit hier war, stellte ich fest, dass es für mich so langsam nebensächlich wurde, wie ich eigentlich hergekommen und ob ich wirklich alleine hier war. Sollte mich das jetzt erschrecken? Ich beschloss diese Frage auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Jetzt waren erst einmal wieder existenziellere Dinge angesagt. Allen voran der Ausbau meiner schäbigen Hütte zu einer echten Bleibe mit Fenstern zum Lüften. Hatte ich schon erwähnt, wie es bei mir roch?
Meinen Holzvorrat wollte ich hierfür noch ein wenig aufstocken. Also ging ich mit geschulterter Axt nach draußen. Der Tag begrüßte mich wieder einmal mit schönem Wetter und strahlendem Sonnenschein. Mein kleines Paradies wollte mir wohl suggerieren, dass heute alles ganz blumig und friedlich bleiben würde. Da heute aber wirklich keine brennenden Untoten meine Hütte belagerten, beschloss ich dem trügerischen Frieden zu vertrauen.
Die drei Falben waren ein Stück weiter gezogen. Mir blutete ein wenig das Herz. Ich würde wirklich gerne einen von ihnen mein Eigen nennen. Dafür plantschte nun ein weißer Wasservogel in meinem Teich. Das Tier registrierte mich recht schnell und entgegen jeglicher Erwartungen kam es sogar näher. Etwas perplex blieb ich stehen und wartete ab. Für einen Sekundenbruchteil erinnerte sich mein Unterbewusstsein an die Skelette und riet mir misstrauisch zu sein. Doch da der Vogel keine Reißzähne hatte, ich aber eine Axt, bewertete ich das Risiko eher gering. Unheimlich war es dennoch, als das Tier genau vor mir stehen blieb und mich anstarrte. Ich weiß nicht wie lange wir uns gegenüber standen. Minuten vielleicht? Jedenfalls fiel mir irgendwann ein, dass ich noch einen Rest der Grassamen in der Hosentasche hatte. Vielleicht war der kleine Kerl ja einfach nur auf Nahrungssuche. Da mir im Moment jedoch nicht der Sinn nach Teilen stand, wandte ich mich schließlich ab und schlug mich in den Wald. Ein Blick über die Schulter verriet mir, dass der Vogel mir zunächst folge, dann aber aufgab und wieder zum Teich zurück lief.
Bis zum späten Nachmittag schlug ich Holz. Eine monotone Arbeit aber meine Vorräte verlangten danach. Als ich schließlich zu meiner Hütte zurück kehrte, plantschte der Vogel immer noch vergnügt in meinem Teich umher. Nun wollte ich es aber etwas genauer wissen. Ich fischte die letzten Grassamen aus meiner Tasche und stellte mich ans Ufer. Kaum dass der Vogel mich bemerkt hatte, paddelte er auch schon zu mir. Es mussten wirklich die paar Körner sein, mit denen ich mir seine Gesellschaft erkaufte. Vorsichtig lockte ich ihn vom Wasser weg. Er folgte mir brav, sogar bis in meine Hütte hinein. Spontan war ein Entschluss gefasst. Ich schloss die Türe und während das Tier noch meine Behausung inspizierte und auf mein Bett hüpfte, bastelte ich aus ein paar Stöcken und Rindenstücken einen Zaun. Der Vogel war immer noch mit meinem Bett beschäftigt und so stahl ich mich nach draußen, um den Zaun an meiner Hauswand zu befestigen. In der Hütte konnte er ja kaum bleiben. Das Gebilde sah nicht übermäßig stabil aus, doch vielleicht hatte ich ja Glück und das Tierchen hatte einen großen Magen und war obendrein noch notorisch faul. Mit den Körnern bewaffnet kehrte ich zu ihm zurück und lockte ihn von meinem Bett herunter. Wieder folgt er mir brav und watschelte in sein neues Zuhause. Als ich das Gehege verschloss, gönnte ich ihm die Körner und mir einen rührseligen Moment. Jetzt hatte ich ein Haustier. Ein Huhn... oder eine Ente... So genau war das leider gar nicht festzustellen. Daher beschloss ich mich nicht auf eine Art festzulegen und taufte meinen kleinen Freund kurzerhand Ducken. Am liebsten wäre ich noch eine Weile bei ihm geblieben, doch die Dämmerung trennte uns. Also spendierte ich ihm noch eine Fackel für die Nacht, wohlgemerkt am Zaun angebracht, nicht an Ducken, und zog mich dann in meine Hütte zurück.
Bevor ich schlafen ging fragte ich mich, ob er da draußen nicht ein gefundenes Fressen für Zombies oder Raubtiere wäre. Doch Zombies fraßen wohl eher menschliche Gehirne und bislang hatte der kleine Kerl auch ohne meine Gegenwart überlebt. Trotzdem würde ich morgen Früh gleich nach ihm sehen.
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Tag 6: Farben!

Beitrag von Lynx » 09.06.2016 12:35

Tag 6: Farben!
Gleich mal vorweg, Ducken geht es gut! Denn schon am Morgen wurde ich von fröhlichem Gackern geweckt. Mein kleiner Freund hatte die Nacht gut überstanden und begrüßte mich fröhlich. Eine kleine Überraschung hatte er auch für mich parat: Ducken ist gar kein Kerl. SIE hat mir heute Morgen gleich ein Ei gelegt. So kann man sich irren.

Mein Frühstücksei lagerte ich erst einmal ein. Dann schlug ich mich in den Wald, denn es stand ja nach wie vor das Holzsammeln auf dem Plan. Kaum hatte ich mir einen brauchbaren Stamm ausgesucht, hörte ich ein vertrautes, panisches Blöken. Mein anderer Freund, der Wolf, schien wieder auf Schafsjagd zu sein.
Also, vorausgesetzt, dass es ein Wolf ist und keine Wölfin. So genau weiß ich das ja eigentlich nicht. Ich kann es aber auch schlecht prüfen, Wölfe legen keine Eier und ... Bevor ich mich jetzt verrenne, beschließen wir einfach, dass mein Wolf ein Männchen ist.
Jedenfalls war der Wolf wieder einmal mit einem Jagderfolg gesegnet und neugierig wie ich war, musste ich auch gleich einmal nachschauen. Dieses Mal hatte er offenbar ein schwarzes Schaf erwischt.

Aha! Es gibt also nicht nur weiße Schafe.

Ich wartete, bis der Wolf bedient war und machte mich dann über die Überreste des Schafes her. Ein schwarzes Fell, das machte schon etwas her. Vielleicht konnte ich daraus etwas Schönes zaubern.
Nachdem ich wie ein Geier die Überreste eingesammelt hatte, widmete ich mich wieder den Bäumen um mich herum. Eine hübsche, weiße Birke sollte heute ihr Ende finden. Während ich dem Holz zusetzte, kam mir eine Idee. Das Helle Birkenholz war ja eigentlich viel schöner, als die rustikale Eiche. Wenn ich daraus die Pfeiler meines Hauses bauen könnte, würde das bestimmt toll aussehen. Grauer Stein, weiß-schwarz gemusterte Pfeiler, vielleicht noch eine kleine Treppe am Eingang. Mein Kopfkino legte los.

Als ich gegen Abend heimkehrte, hatte ich einen Haufen Holz gesammelt und genug Villen und Luftschlösser gebaut, um damit eine ganze Stadt zu füllen. Der Anblick meiner tristen, kleinen Eichenholzhütte holte mich dann aber doch wieder ein wenig in die Realität zurück. Das war ja nun sehr ergiebig geworden, jetzt sollte mein neues Heim nicht nur sicher sein, sondern auch noch hübsch werden, mit passenden Farben und solchem Chichi. Super, vielen Dank ihr blöden, bunten Schafe und Bäume!
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Tag 7: Creepy

Beitrag von Lynx » 17.06.2016 11:40

Tag 7: Creepy

Der Tag kam schneller, als ich es erwartet hatte. Ich schätze mal, das liegt daran, dass ich so akribisch daran arbeite, mir meinen Strandhaus-Wohnpalazzo hochzuziehen. Also falls die ersten Einträge verloren gegangen sein sollten: Meine bessere Hütte. Mein Plan war im Grunde der gleiche wie der vom Vortag: Birkenholz sammeln bis zum Umfallen.
Nach einem kurzen Frühstück - es gab totgebratenes Schaf - trat ich vor die Tür und begrüßte mein friedliches, kleines Paradies. Die Sonne schien, als wollte sie mich in Sicherheit wiegen und Ducken schnatterte fröhlich vor sich hin. Alles schrie nach einem netten, wenn auch arbeitsreichen Tag. Schön, so höflich von seiner Umgebung verarscht zu werden. Entspannt streckte ich mich und ließ meinen Blick schweifen.

Auch wenn ich es sicherlich schon einmal habe verlauten lassen, dieser Ort hier ist wirklich nett. Das blaue Wasser, der Strand, die grünen Wiesen zu meiner Rechten...

Ich hielt inne. War da nicht eine Bewegung im hohen Gras gewesen? Neugierig näherte ich mich.
Kinder, wenn ihr eines im Kino hättet lernen können dann, dass man nicht einfach so ins hohe Gras geht. Hört darauf, was die schreienden Menschen versucht haben, euch mitzuteilen. Sonst fressen euch die Dinosaurier... oder Schlimmeres.
Wie schon gesagt, ich begab mich neugierig ins hohe Gras. Nichts war zu sehen. Ich hatte scheinbar aus den Augen verloren, was meine Neugierde so beflügelt hatte. Kopfschüttelnd wollte ich mich schon abwenden, als ich links von mir eine Bewegung wahr nahm. Eine seltsame Gestalt kam auf mich zu. Das Ding war grün, wie das Gras mit Augen, tiefschwarz wie die Nacht. Etwas zögerlich nahm ich mein Krüppelschwert zur Hand. Was auch immer das war, es bewegte sich völlig lautlos. Erst als es nur noch wenige Meter von mir entfernt war, begann es unheilvoll zu zischen.
Ich schlug zu. Das Ding konnte mir unmöglich wohl gesonnen sein. Da es nicht gleich umfiel oder zumindest zurück wich, bediente ich mich der Taktik, mit der ich schon dem Zombie Herr geworden war: Hit and Run!
Ein paar Male hieb ich mit meinem Schwertknüppel nach dem Ding. Beeindrucken ließ es sich nicht sonderlich.
"Verdammt, jetzt fall schon tot um!", brüllte ich es an. Es blitzte unheilvoll auf. Nur einen Sekundenbruchteil später hörte ich einen lauten Knall. Mühsam hielt ich mich auf den Beinen. In meinen Ohren fiepte es. Das Ding war verschwunden, explodiert. Vor mir prangte ein kleiner Krater im Boden. Zitternd starrte ich in die Grube, unfähig mich zu regen. Minutenlang verbrachte ich in dieser Haltung, mein Schwert fest umklammert.

Das-war-unheimlich!

Nur langsam löste ich mich aus meiner Schreckstarre. Aus irgend einem Grund, nennen wir ihn mal Verwirrung, fragte ich mich, was ich nun mit meinem neu gewonnenen Krater tun sollte. Der lag nämlich genau zwischen Strand und Wiese und irgendwie störte er mich. Ich nehme mal an es war der Schock, der mich dazu brachte, mir meinen Eimer zu holen und aus dem Loch im Boden einen Teich zu machen. Übrigens, falls ich es noch nicht erwähnt hatte, ich habe mittlerweile einen Eimer.
Erst am späten Nachmittag hatte ich mein Werk vollendet. Holz hatte ich keines gesammelt, dafür jetzt einen dekorativen Teich.

Erschöpft zog ich mich in meine Hütte zurück. Für heute war ich bedient. Nur das Einschlafen fiel mir trotz aller Erschöpfung schwer. Sprengsicher war mein Holzverschlag ganz bestimmt nicht.
Nur der Irrtum ist das Leben.
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