Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Selbstgetextetes und Selbstgemaltes...

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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Schneemaehne » 02.05.2017 23:46

Hui, da warst du mal wieder der einzige Schreiberling, der es rechtzeitig geschafft hat *schäm* Deswegen doppelt so viel Dank, gerade die geschickte Verbindung vom Stichwort, dem Wappentier und dem Vogel hat mir super gefallen. Wünschen wir der lieben Mariella mal alles Gute in ihrem neuen Job!
(Hilf mir auf die Sprünge - waren Nachnamen wie Sand, Schnee etc nicht Zeichen für uneheliche Kinder im GoT-Universum?)

So, ich läute dann mal die nächste Runde ein...

Das vierundzwanzigste Stichwort lautet:

"Stolz"

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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Lynx » 03.05.2017 11:44

Dankeschön!
Jupp, das sind die Nachnamen der Bastarde. Im Fall Sand dann die in Dorne. Aber gerade dort werden sie nicht so missachtet wie anderswo.
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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Schneemaehne » 03.05.2017 20:28

Ah, danke schön fürs Aufklären!
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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Lynx » 16.05.2017 15:54

Fall-Beispiel

"Doktor, sagen Sie, was sollen wir beide eigentlich hier?"
Ihre Stimme klang weich und sanft, doch er wusste um den Widerwillen, der hinter ihrer Frage steckte. Und auch wenn er es nicht mochte, wenn sie gegen ihren Arbeitgeber wetterte, so konnte er seine Begleiterin ausnahmsweise einmal gut verstehen.
"Er hat viele Personen eingeladen, mit denen er zusammen arbeitet. Vorwiegend Geschäftspartner, ja, aber vielleicht sollten wir ihm den Gefallen tun und uns unter die Leute mischen."
Nova schürzte die Lippen. Es war nur eine kleine Geste, die er aber zu deuten wusste. Sie konnte sich für Beckers Geburtstagsempfang einfach nicht begeistern. Dennoch fügte sie sich und machte eine gute Miene zum bösen Spiel.
"Sehen Sie es positiv, immerhin haben wir uns", sagte er gerade heraus und stockte sogleich. Diese Worte waren wohl deutlich zu forsch gewählt gewesen.
"Verzeihen Sie", fügte er hastig hinzu. Bevor die Situation unangenehm werden konnte, trat ihr Gastgeber glücklicherweise auf den Plan. Heinrich Becker hatte sie auch gleich erspäht und empfing sie freudig.
"Herr Doktor von Braun, wie schön, dass Sie es einrichten konnten. Nova, meine Liebe, darf ich Ihnen sagen, dass Sie heute Abend zauberhaft aussehen?"
Das Geburtstagskind strahlte. Es war ein breites, warmes Lächeln, das einen mitreißen konnte. Er ergriff Novas Hand und deutete einen Handkuss an.
"Vielen Dank", antwortete die Dame in der Runde etwas knapp, "Und unsere besten Wünsche zu Ihrem Ehrentag."
Beckers Wärme konnte sie nicht mit sich reißen. Ein höfliches Lächeln brachte sie dennoch zustande.
"Ich hoffe Sie und Doktor von Braun werden sich hier heute gut amüsieren. Ich glaube Sie waren beide schon länger nicht mehr unter Leuten", es war nur ein Spaß seitens Beckers, der zugleich aber auch eine erschreckende Wahrheit beherbergte. Schließlich stimmte was er sagte, sie beide mischten sich tatsächlich nicht zu oft unters Volk. Die Arbeit im Verborgenen und auch die Tatsache, dass Nova eigentlich schon einmal gestorben war, machten es ihnen schwer am Stadtleben teilzunehmen. Ihr Dasein glitt immer mehr in eine Parallelwelt ab. Kurz warf Thomas einen Blick auf seine Abendbegleitung. Ob Nova wohl auch so dachte? Für sie musste es ja noch ungleich beengender sein, ein Leben in den Schatten zu führen. Wenn dem aber so war, dann ließ sie sich jetzt grade nichts dergleichen anmerken. Ein wenig reserviert mochte sie zwar sein, allerdings schien sie keine Scheu vor den anderen Gästen zu haben.
"Darf ich mir die Frage erlauben, ob Sie beide schon Fortschritte gemacht haben? Sehen Sie es mir nach, dass ich die Arbeit nicht aus meinen Gedanken verbannen kann, selbst heute nicht."
Thomas schmunzelte ob dieser Frage. Becker war durch und durch ein Geschäftsmann. Er konnte seine Projekte einfach nicht ruhen lassen, ganz besonders nicht dieses. Nova hingegen wirkte nicht ganz so begeistert angesichts der Frage. Ein kurzer Schatten huschte über ihr Gesicht.
"Es bedarf nach wie vor einiger Arbeit. Doch ich denke, wir können schon von Fortschritten sprechen", antwortete Thomas auf die Frage, "Unser grundlegendes Problem war es ja am Anfang, dass das künstliche Herz zwar ein Überleben ermöglichte, jedoch keine allzu große Effizienz bot. Es traten gleich zwei Probleme gleicher Gewichtung auf. Zum einen fehlte dem Künstlichen Herz die Möglichkeit auf Belastungen zu reagieren, was bei längeren Anstrengungen oder raschen Tempowechseln alsbald zum Kollaps führte. Muskeln übersäuerten und es war ein wenig, ja, wie Apnoetauchen. Das zweite Problem war die Unzulänglichkeit der galvanischen Zelle. Der Energiebedarf des Herzens ist groß und es bedarf einer regelmäßigen Zufuhr. Allerdings haben wir hierbei schon einige Fortschritte verzeichnen können. Anstatt eines täglichen Ladens, kann Nova mittlerweile bis zu vier Tage ohne eine Neuladung auskommen. Ich möchte mich nicht zu weit vorwagen aber eine Steigerung von vierhundert Prozent ermöglichet nun deutlich mehr Lebenskomfort", Thomas Schmunzeln wandelte sich zu einem euphorischen Lächeln, während er sprach. Er warf einen kurzen Seitenblick auf Nova, doch die hüllte sich nach wie vor in eine Aura der höflichen Distanziertheit. Ihre schlanken Finger tippten leicht gegen das Champagnerglas in ihren Händen. Jedoch schien es keine Ungeduld zu sein, die diese weitere, kleine Geste hervor rief.
"Also haben Sie die Kapazität der Zelle erhöhen können", warf Becker ein.
"Ganz richtig. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass wir dies auch noch weiterführen könne. Wir müssen nur die richtigen Substanzen dafür finden. Wissen Sie, es reicht nicht sich lediglich mit der Galvanik zu befassen. Wir müssen zugleich darauf Acht geben, dass wir ihren Körper nicht vergiften. Was mich im Grunde dann schon auf das erste Problem zu sprechen bringt, die wechselseitigen Reaktionen zwischen Körper und Herz. Einerseits mögen diese ja wünschenswert sein, wenn wir weiterhin das Ziel verfolgen, das mechanische Implantat auf verschiedene Arten der Belastung reagieren zu lassen. Andererseits könnten es aber auch eben jede Wechselwirkungen sein, die Nova ein zweites Mal töten könnten."
"Sie bringen sie doch nicht in Gefahr, Herr Doktor?"
"Nichts läge mir ferner. Doch Sie wissen ja, wie das ist. Die Wissenschaft beinhaltet immer ein gewisses Wagnis. Und besonders in Novas Fall..."
Er wurde von einem leisen Räuspern unterbrochen.
"Bitte entschuldigen Sie. Da Sie schon über mich sprechen, als sei ich abwesend, werde ich so frei sein und mich zu den anderen Gästen begeben", die Schärfe in Novas Worten war unverkennbar. Thomas erstarrte auf diese Worte hin und sah zu, wie Nova sich von ihnen abwandte und davon schritt. Ein Kloß breitete sich in seinem Hals aus. Plötzlich fühlte er sich fast ein wenig schwindelig und flau. Seine Euphorie über seine Arbeit war völlig verschwunden. Es war ihm, als drücke das Elend selbst von innen gegen seinen Brustkorb.
Becker riss ihn mit einem festen Schulterklopfen aus seiner Starre heraus.
"Keine Sorge, sie wird sich schon wieder fangen", lachte er. Angesichts dieser Worte nickte Thomas zwar, dachte aber im Stillen, dass es das aber nicht wieder gut machen würde.
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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Schneemaehne » 19.05.2017 16:23

Autsch... da hat die Freude an der eigenen Forschung aber jemanden in das ganz große Fettnäpfchen springen lassen! Weiterhin bleiben bei mir sehr viele Fragen zum Drumherum deiner beiden Figuren offen, aber besonder schön fand ich es, wie du das Thema "Stolz" eingebaut hast. Muss ehrlich zugeben ich hatte bisher immer mehr an den persönlichen Stolz (Ehre) gedacht, sehr viel weniger an den Forscherstolz. Sehr cool umgesetzt, vielen Dank fürs Posten!
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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Lynx » 22.05.2017 08:59

Dankesehr. Die anderen Arten des Stolzes waren auch mein erster Gedanken. Schließlich habe ich da so einige Charaktere, die es diesbezüglich treffen könnte. Nur war mir das dann irgendwie zu direkt. Genauso wie ich wieder mal versucht habe, das Schlagwort selbst nicht zu nennen.
Bei den Figuren habe ich mich tatsächlich etwas schwer getan, zu denen weitere Infos fallen zu lassen. Das wollte einfach nicht so. Ich gelobe Besserung. :write:
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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Schneemaehne » 01.06.2017 17:08

Hmm, obwohl du es mit einer wunderbaren Alternative vor gemacht hast, ist es bei mir nun bei einem ganz einfachen "zu stolz sein" geblieben. Und ein wenig zu spät bin ich auch noch, hoppla... ich schummele es jetzt trotzdem mal rein und nehme als Ausrede, dass ich gestern ganz spontan Taxi spielen musste für einige Stunden.

Magusehre

„Keiner bewegt sich.“
Z’reszaras Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, aber sofort verstummte das Rascheln von Kleidung und das gleichmäßige Schaben von Metall um sie herum. In dem Tunnel kehrte vollkommene Stille ein, nicht einmal der Lärm der Stadt über ihnen drang bis hierhin hinunter.
Klong, klong, klong.
Schwere metallische Schritte hallten im Gängegewirr vor ihnen wider und drangen bis an ihre feinen Ohren. Der furchtsame Gesichtsausdruck ihrer halbelfischen Begleitung verriet ihr, daß sie sich nicht getäuscht hatte.
Klong, klong, klong.
Nun hob auch die Halborkin den Kopf, wandte sich lautlos von links nach rechts als wollte sie Witterung aufnehmen. Nein, korrigierte Zara ihren Gedankengang. Die hünenhafte Alchemistin hatte ihre Augen fest geschlossen, ein Ausdruck vollkommener Konzentration auf ihrem Gesicht. Dann bewegte sie langsam einen ausgestreckten Finger gen Nordosten. Sie lauschte.
Der Gang dort?, fragte Z’reszara tonlos sobald die Halborkin die Augen wieder geöffnet hatte. Das knappe Nicken reichte ihr zur Antwort.
Sehr gut. Ein schiefes Grinsen erschien auf dem Gesicht der Maga. Zara war von Haus aus keine Schönheit, ein Umstand der sich durch die Narben in ihrem Gesicht und die mehrfach gebrochene Nase nur verschlimmerte und der auch durch ihre Vorliebe für Goldschmuck nicht ausgeglichen werden konnte. Und mehr als einmal hatte man ihr versichert, daß ihr Lächeln kurz vor Kampfbeginn ausreichen würde um selbst gestandene Krieger zu beunruhigen.
Klong, klong, klong.
Zu den Schritten gesellte sich ein tiefes, zorniges Schnauben. So leise sie konnten zogen sich die vier zur letzten Kreuzung zurück und bezogen Stellung. Das Ungeheuer würde stürmen, sobald es sie fand, der enge niedrige Katakombengang würde ihm kein schnelles Wenden oder Ausweichen erlauben. Sie warf einen prüfenden Blick zu dem Mann in seiner schweren Plattenrüstung, das Visier heruntergeklappt, das Schwert sicher verstaut und dafür das schwere Metallschild mit beiden Händen vor sich haltend. Im Eingang zur nächsten Grabnische versteckte sich die Alchemistin, in ihren Pranken glitzerte ein geradezu lächerlich kleines Glasgefäß. Sie kannte die Großnichte ihrer ehemaligen Reisegefährtin noch nicht lange, aber lange genug um zu wissen, dass diese kleinen Fläschchen um einiges mehr bewirken konnten als wonach sie aussahen.
Und die Elfenbardin… nun, die war nutzlos wie immer. Zara versuchte zu ignorieren, wie die junge Frau sich in dem engen Nebengang mit ihrem Langbogen abmühte. Hoffentlich war sie wenigstens klug genug dort zu bleiben.
Sie selbst bezog ebenfalls im Türrahmen zu einer Grabkammer Stellung und holte vorsichtig ihr geliebtes Scimitar aus seiner Scheide. Behutsam, um die Magie darin nicht zu wecken und ihre Position zu verraten, begann sie ihren ersten Zauber vorzubereiten.

Ihr Gegner ließ nicht lange auf sich warten. In den engen Gängen hallte der Hufschlag wie Donner wider, wenig später schob sich die massige Gestalt des Gorgonen in ihr Sichtfeld. Das magische Biest sah aus wie ein gigantischer Stier, völlig eingekleidet in metallene Schuppen. Gorgonen waren aggressiv, bösartig und allein ihr Gewicht und ihre Kraft machte sie zu schrecklichen Gegnern. Es war ihr Vorteil, dass seine Bewegungen eingeschränkt waren durch die Wände, ansonsten wären die weit ausladenden Hörner wohl ihr größtes Problem geworden. Gut, sie hatten im Südteil schon gesehen, wie dieses Wesen ganze Wände in seinem Toben eingerissen hatte, aber wenn alles nach Plan verlief würde es dazu nicht kommen. Genau so wenig wie der Gorgone Zeit haben sollte wild um sich zu stoßen und zu trampeln: er musste schnell genug getötet werden, bevor er sein giftiges Gas ausspeien, sie alle versteinern und dann in Schotter verwandeln konnte. So der Plan.

Zara blieb keine Zeit mehr eventuelle Fehler in ihrem Plan zu finden. Das Biest erblickte den Kämpfer in seiner Rüstung, senkte den Kopf und stieß ein wütendes Brüllen aus. Und dann setzte es sich in Bewegung. Der Anblick der stählernen Muskeln, dieser reinen Kraft und Zerstörungswut zogen sie für einen Moment in den Bann. Dann aber begann der Boden unter ihren guten Lederstiefeln durch die Hufe des Monsters zu beben und sie riss sich selbst aus der Trance.
In dem Moment wo das Biest ihre Position erreichte, immer noch einige Meter von dem leicht erkennbaren Ziel in Form eines Plattenträgers entfernt, konnte sie einen lauten Freudenschrei nicht unterdrücken. Jeder Magiewirker, egal ob Magier, Hexe oder Druide, entwickelte früher oder später eine Vorliebe für besondere Arten der Magie, genau wie jeder Kämpfer seine Lieblingswaffe hatte. Z’reszara hatte das aus ihrer Sicht bewundernswerte Glück, an beidem Anteil zu haben. Mit geübter Bewegung hob sie das Scimitar hoch über den Kopf, griff es mit beiden Händen und ließ es mit aller Kraft auf den Nacken des Stieres herab sausen, direkt hinter den Hörnern. Kaum hatte ihre Linke den Griff berührt, löste der vorbereitete Zauber aus, jagte durch das geschwungene Metall hindurch und fand gleichzeitig mit der messerscharfen Klinge sein Ziel.
In einer Explosion von Licht und Energie, die jedes einzelne Haar an ihrem Körper sich sträuben ließ, entlud sich der Blitzzauber, verstärkt und fokussiert durch die ebenfalls mit Schockzaubern belegte Klinge. Der verzauberte Stahl durchschlug die metallenen Schuppen des Monsters, das Material leitete die Energie eifrig durch den gesamten Körper des Wesens. Jede Faser in ihrem Körper pulsierte mit ungebändigter Magie, bereit sofort wieder zuzuschlagen und dem Ungeheuer endgültig den Gar aus zu machen.
Aber dazu kam es nicht, denn die ganze Szene hatte kaum einen Wimpernschlag gedauert. Auch wenn der Gorgone nun schwer verwundet war, der Schwung und seine Masse trugen ihn weiter. Mit einem ohrenbetäubenden Krachen rammte das Monster in den tapfer standhaltenden Krieger und riss ihn zu Boden. Zara, durch ihre Klinge ebenfalls gebunden, wurde nach vorne und gegen den massigen Körper des Tieres geschleudert. In einem Moment hatte sie noch zugeschlagen, im nächsten fand sie sich zwischen stampfenden Hufen und dem hilflos auf dem Rücken liegenden Krieger wieder. Ihre Hörner fingen einen Teil des Aufpralls ab, auch wenn es keineswegs angenehm war, blieb es ihr erspart mit dem Hinterkopf hart auf den Steinboden aufzuschlagen. Hektisch rollte sie sich zur Seite und auf die Beine, ihr Scimitar noch immer im Nacken des Gorgonen steckend.
Ebenjene Bestie, die sich gerade in einigen dutzend Metern Entfernung schwankend und behäbig umdrehte, die kleinen Äuglein fest auf die Tieflingdame gerichtet. Für einen Moment starrten sich die beiden Gegner an, dann nahm das Tier abermals Anlauf, während die Maga die nun leeren Hände erhob und sie dem Ungeheuer entgegenstreckte. Im Gegensatz zu ihrem Krieger trug sie nichts außer einer dünnen Lederrüstung, die sich mehr durch ihre Verzierung denn durch ihren Schutz hervortat. Ihr Schweif hatte gerade Zeit ein-, zweimal nervös über den Boden zu zucken, dann war das magische Biest bis auf wenige Meter heran.
Wortlos griff die Tieflingmaga auf ihre angeborenen Fähigkeiten zurück und ließ eine Kuppel undurchdringlicher Dunkelheit zwischen sich und dem Wesen erscheinen. Das fehlende Licht hielt den Gorgonen wie erwartet nicht auf, allerdings hatte das behäbige Tier die Geschwindigkeit seines Gegners unterschätzt – als es die Globule durchquert hatte und aus der anderen Seite wieder heraus stürmte, hatte Zara ihrerseits Anlauf genommen.
Das Manöver war gewagt, aber sie hatte fest vor diesen Kampf im Alleingang zu gewinnen. Zwei Schritte brachten sie bis zur linken seitlichen Wand, ihre leichte Rüstung wurde nun zum Vorteil als sie einen Fuß gegen die Steinmauer setzte und sich abstieß. Um Haaresbreite entging sie den Hörnern, prallte mit dem Oberkörper gegen die massige Schulter des Stieres – und schaffte es mit der rechten Hand ihr Scimitar zu greifen.
Ein zweites Mal zuckten Blitze durch den engen Gang, diesmal gemischt mit dem Todesschrei der magischen Bestie. Der Stier stolperte, verlor das Gleichgewicht und wurde durch den Schwung noch einige Meter weitergetragen bevor Magus und Gorgone in einem Haufen von Hufen, Hörnern, peitschenden Schweifen, Blut und verbranntem Fleisch zu Boden gingen.

Halb unter einem gefühlt tonnenschweren Stier begraben, blieb Zara nichts übrig als darauf zu warten, dass ihre Gefährten den nun zum zweiten Mal niedergetrampelten Krieger vom Boden auflasen und ihr zur Hilfe kamen. Das Blut des Gorgonen lief in dunklen Streifen aus der tiefen Wunde im Nacken und durchtränkte ihre Rüstung und Kleidung gleichermaßen. Ihre Hüfte und das begrabene Bein schmerzten bereits jetzt fürchterlich, ein Horn hatte sie gestreift und offenbar ihren Unterarm aufgerissen oder zumindest übel erwischt. Und nach der unsanften Landung war sie sich sicher, dass Gesicht und Hände mit blutigen Kratzern übersät waren.
Mit einem zufriedenen Lächeln ließ sie den gehörnten Kopf auf den Steinboden sinken, die Hand fest am Heft ihres Scimitars. Die Magie rann noch immer wild durch ihre Adern, wollte zerstören, wollte besiegen. Genießerisch leckte sie einige Tropfen Blut von ihren Lippen. Als Tiefling war sie nicht das direkte Kind eines Teufels, aber in Momenten wie diesem brannte das unheilige Blut besonders stark in ihren Adern. Sie seufzte. Mit genug Mühe würde sie sich auch selber befreien können, aber ihr Bein schmerzte genug um selbst ihr klar zu machen, daß es gesünder wäre, wenn sie jetzt nicht anfangen würde sich großartig zu bewegen.

Die Minuten vergingen schleichend, sie hörte Bewegung und die heilenden Zaubersprüche der Bardin hinter sich. Den Krieger mußte es wohl übel erwischt haben. Dann endlich Schritte.
„Was bei allen neun Höllen hast du dir dabei gedacht?!“, hörte sie die Stimme der Halborkin wie aus weiter Ferne.
Zaras bellendes Lachen hallte durch die halben Katakomben.






So, damit läute ich dann auch gleich mal die nächste Runde ein...

Das fünfundzwanzigste Stichwort lautet:

"Unentschieden"

Der Durchgang der Challenge endet am 01.07.17.
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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Lynx » 02.06.2017 16:39

Sehr schön. Ich empfinde es immer als schwierig, Kampfszenen gut umzusetzen und das ist dir 1a gelungen! Und dass es jetzt die "direkteste" Interpretation von Stolz ist, sagt doch gar nichts aus. ;)
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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Schneemaehne » 05.06.2017 01:51

Vielen Dank! Wollte Zara noch mal in ihrem für sie so typischen Blutrausch darstellen. Dass sie alles, was einmal als Gegner erklärt wurde bis zum Ende jagt und das am liebsten im Alleingang, hat ihr jetzt schon Alignment Shifts eingebracht *lach* Dann muss man das wenigstens feiern!

Dann bin ich mal gespannt, was das nächste Stichwort bringt.
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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Lynx » 22.06.2017 16:05

Kurz, knackig, jetzt ohne große Höhen und Tiefen aber halt ein wichtiger Abschnitt...

Unentschieden

Etwas benommen döste Natascha vor sich hin. Ihre kleine Reise, oder was auch immer es gewesen war, hatte ihr zu denken gegeben. Aber im Moment war sie noch viel zu müde, um das Gesehene wirklich verarbeiten zu können. So bemerkte sie Meis Rückkehr auch erst, als Yamato zu sprechen begann.
"Genug Männern den Kopf verdreht?"
"Nein, eigentlich nicht. Schläft sie immer noch?"
"Halb. Du hast ihr eine ganz schöne Dosis verpasst."
"Keine Sorge meine Liebe, das überstehst du schon. Wir verarbeiten solche Substanzen besser, als die Menschen", sagte Mai amüsiert und tätschelte Nataschas Kopf. Müde blinzelte diese.
"Habt ihr mir Drogen gegeben?", fragte die junge Füchsin dünn.
"Na was denkst du denn?", Mei kicherte, "Ein wenig Handgewedel und Hokuspokus und du begibst dich auf eine Reise in dein Unterbewusstsein? Willkommen im einundzwanzigsten Jahrhundert."
Ein wenig vorwurfsvoll schaute Natascha zu Yamato. Doch dieser war nur distanziert und wortkarg, wie immer.
"Schlaf erst einmal deinen Rausch aus, dann reden wir", trällerte Mei und auch wenn ihre Worte Natascha nicht gefielen, so war ihr Körper doch willens, dieser Aufforderung folge zu leisten.

Als Natascha erneut erwachte, war es bereits dunkel geworden. Sie war weder draußen am Berg, noch in der Transportbox. Stattdessen spürte sie Tatami-Matten unter ihren Pfoten. Von irgendwo her drang leise Musik an ihre Ohren. Stimmen waberten weit entfernt vor sich hin. Der Geruch von gegrilltem Fisch kroch durch die Ritzen der Zimmertür und stieg ihr in die Nase. Sogleich antwortete ihr Magen mit einem innigen Knurren darauf.
Natascha hob den Kopf und sah sich um. Sie befand sich in einem kleinen Zimmer, das zwar nicht mit viel Mobiliar aber dafür mit gepflegtem Minimalismus aufwartete. Es war für sie nicht zu erkennen, ob der Raum einen Hauch des so oft zelebrierten, japanischen Mittelalters vermitteln wollte oder einfach nur in die Jahre gekommen war. In jedem Fall gab es nicht viel Technik, die ihr verriet dass sie sich in der Gegenwart befand. Neben ihr, auf der Kante eines Futons, lag Kleidung, fein säuberlich zusammen gefaltet. Das musste wohl für sie gedacht sein.
Natascha wandelte sich und öffnete prüfend das Kleiderbündel. Instinktiv hatte sie wohl schon erwartet, dass man ihr traditionelle Kleidung bereit gelegt hatte und so war sie wenig verwundert, einen schlichten Kimono zu entfalten. Rasch schlüpfte sie hinein und versuchte ihn mit dem breiten Gürtel, dem Obi, so gut es ging zu verschließen. Es wollte ihr nicht so recht gelingen und mehr als ein unschöner, knubbeliger Knoten kam nicht dabei heraus. Das Band, mit dem der Kimono zusammen gebunden worden war, nahm sie für ihre Haare. Dann schob sie die Schiebetür auf und spähte vorsichtig hinaus. Im Flur war nichts zu sehen, außer einer ganzen Reihe weiterer Schiebetüren. Nichts was auf den Verbleib der anderen beiden Füchse hindeutete.
"Mei?", fragte sie zaghaft. Nur Sekunden später waren Schritte zu hören und eine der Türen wurde geöffnet. Mei, nun in den gleichen, karierten Kimono gehüllt wie Natascha, winkte sie eilig heran.
"Beeil dich", flüsterte sie dabei. Natascha verstand nicht ganz weshalb, huschte aber dennoch zügig in Meis Zimmer. Yamato war auch dort zugegen. Er saß an einem niedrigen Tisch, auf dem eine Kanne Tee, drei Schalen mit Reis und eine Platte mit Fisch standen.
"Es ist besser, wenn dich niemand so sieht", erklärte Mei, "Das wirft sonst nur unangenehme Fragen auf. Setz dich, du hast sicher Hunger."
Den hatte Natascha tatsächlich. Trotzdem riss sie sich zusammen und stürzte sich nicht gleich auf das Essen. Der Fisch war eine mehr als willkommene Abwechslung zu Yamatos Instant-Ernährung und nach ihrem Rausch fühlte sie sich besonders ausgelaugt.
Mit einer Anmut, die den simplen Baumwollstoff des Kimonos Lügen strafte, begann Mei den Fisch zu zerteilen und zu servieren.
"Das ist Taimeshi*", kommentierte sie ihr Tun kurz. Natascha wusste nicht, worauf genau sie sich bezog aber das war ihr für den Augenblick auch egal. Mei wechselte ohnehin sofort wieder das Thema. In beiläufigem Ton sagte sie,
"Yato hat mir erzählt, dass du nichts gesehen hast."
"Ja. Da war einfach nur Dunkelheit", log Natascha. Weshalb sie nicht von ihrem Erlebnis erzählte, wusste sie selbst nicht. Aber ihre Instinkte rieten ihr, das Gesehene vorerst für sich zu behalten. Es musste schließlich auch einen Grund geben, warum sie zwar einem mutmaßlichen Ahnen begegnet war, man aber in der Datenbank keine genetischen Verwandtschaften hatte entdecken können. Zudem regte sich ihr Misstrauen bei der Geheimniskrämerei der beiden.
"Dann bist du wohl wirklich ein Wunderkind", Mei lachte leise, jedoch schien sie nicht wirklich amüsiert zu sein, "Und die Kinder vom Hof der Sonne hatten mit ihrem Namen für dich Recht. Du bist aus dem Nichts bei uns aufgetaucht und scheinst völlig undefiniert zu sein. Ganz so als habe deine Seele noch keinen Weg gewählt, den sie gehen wird."
"Ja. Und einen Rang habe ich auch nicht", Natascha verbarg ihren genervten Unterton nicht.
"Darf ich ehrlich sein? Was kümmert dich das? Angenommen du hättest einen, das würde dir als fremden Exoten auch nicht entgegen kommen. Es gibt nicht wenige Wandler, denen es von Grund auf widerstrebt einen Fuchs zu akzeptieren. Um einen Rang würde ich mir also am wenigsten Sorgen machen, Liebes."
Sofort musste Natascha an Keikos Vater denken. Seine Ablehnung ihr gegenüber war spürbarer gewesen als ein realer Faustschlag. Bei der Erinnerung an seine Reaktion auf sie, fuhr ihr ein Stich ins Herz. Wie konnte er jemanden nur aufgrund dessen hassen, was er war? Ihre Gedanken glitten weiter, zu Yamato. Er war stets bemüht den ehrvollen und für den Hof auch wertvollen Krieger zu repräsentieren. Mehr als nur bemüht...
"Ok, können wir die Nullnummer-Geschichte zumindest für einen Augenblick ausblenden? Wie genau meinst du das, dass meine Seele ihren weg noch nicht gewählt hat. Ich meine, du hast mir von den vier Pfaden und den Elementen erzählt aber ich denke nicht, dass ich da schon wirklich drüber Bescheid weiß. Wie wähle ich denn einen Weg?"
"Dass du scheinbar keine Tendenz zu irgend einem Element hast, hat man ja mittlerweile hinlänglich herausgefunden. Du selbst entscheidest das aber auch nicht so, wie du jetzt vielleicht denkst. Es ist dein Geist, der sich zu einem der Pfade hingezogen fühlt und die Entscheidung trifft. Wenn du mit dir völlig in Einklang bist, dann wirst du bei der Entscheidung vielleicht denken, dass du es so wolltest. In Wahrheit liegt es aber ganz tief in dir. Bei manchen ist diese Tendenz so stark, dass es sich schon in frühester Kindheit äußert." Mei kicherte, dieses Mal aufrichtig amüsiert, "Es ist ein Wunder, dass bei Yatos Geburt nicht gleich der Fuji ausgebrochen ist, so viel Lava wie er in sich trägt."
Der Blick des Kriegers verfinsterte sich ob der neckenden Bemerkung.
"Andere Seelen sind etwas zaghafter und brauchen länger um sich zu entfalten. Aber so lange wie du... davon habe ich jedenfalls noch nie gehört."
"Was bist du eigentlich?", unterbrach Natascha die Andere kurz. Mei legte den Kopf schief und lächelte breit,
"Ich würde dir eine Lektion vorweg nehmen, wenn ich es dir verrate."
Sie nahm ein wenig Fisch mit den Hashi auf und aß ihn genüsslich. Verdammt!, furch es Natascha durch den Kopf, selbst beim Essen musste diese Frau aussehen wie eine Prinzessin oder so etwas.
"Ich muss also nur das finden, zu dem sich der Fuchs hingezogen fühlt."
"Ja, das ist die Esssenz der alles zugrunde liegt. Nur so wie es scheint bist du nicht dazu bereit, es zu zeigen. Was eigentlich schade ist."
"Warum?", fragt Natascha argwöhnisch.
"So wie es scheint bist du bislang nur ein Fuchs. Oder eben ein Mensch, ganz so wie du es willst. Aber ich mutmaße einmal, dass du bislang noch nicht wirklich ein Kitsune warst, oder? Yato hätte es sicher erwähnt, wenn du auf irgendwelche Gaben zugreifen könntest. Einen großen Teil des Spaßes hast du also noch gar nicht erlebt."
"Gaben", Natascha zog die Nase kraus, "Was sollen das für welche sein?"
"Siehst du, genau das meine ich. Wenn du wenigstens schon einen Pfad beschreiten würdest, dann könnten wir dir vielleicht sogar den ein oder anderen Trick beibringen."
Yamato fuhr ihr ins Wort und richtete ein paar ruppig klingende Worte auf Japanisch an Mei.
"Ey, ich bin anwesend!", knurrte Natascha ihn an. Wenn er etwas zu sagen hatte, dann wollte sie auch wissen was. Mei ließ sich davon nicht beeindrucken und antwortete ihm, ebenfalls auf Japanisch. Bevor Natascha jedoch das Gesicht weiter verziehen konnte, wechselte sie wieder ins Englische.
"Es gibt Dinge... Fähigkeiten, die wir beherrschen. Und damit lassen sich eine Menge lustiger Sachen anstellen. Eine ganze Menge." Man konnte spüren wie sich Mei in dem Gedanken an ihre Fähigkeiten aalte. "Yato und ich, wir sind beide nicht besonders gut in Ju-Fus aber ..."
"Ju-Fus?" unterbrach Natascha sie fragend. Mei nickte und überlegte kurz.
"Ich glaube man könnte das mit Papierzauberei übersetzen. Zumindest grob."
"Papierzauberei. Klar. Ihr malt also Bildchen oder wie?" Demonstrativ roch sie am Tee.
"Ein wenig mehr ist es schon. Weißt du, es gibt hierzulande einige Traditionen, die haben nicht ohne Grund Bestand. Aber all das wird vielleicht gar nichts nützen, wenn du weiterhin unbestimmt bist. Und ein wenig glaube ich, dass das mit deinem Halsband zusammen hängt."
Unwillkürlich fasste Natascha sich an ihren Hals.
"Das glaube ich nicht. Es soll mich beschützen, da ist alles, was ich weiß."
"Dir droht hier keine Gefahr", wandte Mei ein.
Natascha schwieg kurz. Ihr Blick wanderte zwischen Mei und Yamato hin und her. Es war klar, worauf die Andere hinaus wollte. Aber konnte sie den beiden wirklich vertrauen? Sie wusste selber nicht was passieren konnte oder würde, wenn sie ihr Halsband ablegte. Alles was man ihr von klein auf eingetrichtert hatte war, dass dieses Halsband sie schütze und sie es nicht ablegen sollte. Obendrein hatte es den Anschein als würde irgendetwas verhindern, dass sich jemand anderes daran zu schaffen machte. Die junge Füchsin wog ihre Worte gut ab, bevor sie antwortete.
"Wenn das mein Schicksal ist, dann soll es so sein. Lieber bleibe ich eine Unentschlossene, als das Band abzulegen."



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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Schneemaehne » 03.07.2017 01:43

Wow, langsam kommen ja so einige Sachen ans Licht! Kann Natascha verstehen, so wie sie bisher hauptsächlich behandelt wurde, wäre ich auch nicht überzeugt das Halsband abzunehmen - habe beim Lesen immer wieder überlegt wie du wohl das Stichwort einbauen wirst, super gemacht! Und ich freue mich, dass ich weiterlesen konnte :)
Karne und ich sind an unserem "Unentschieden" auch dran, leider wird es dann nachgereicht werden müssen. Derweil verkünde ich dann gerne das nächste Stichwort :)


Das sechsundzwanzigste Stichwort lautet:

"Zärtlichkeit"

Der Durchgang der Challenge endet am 01.08.17.
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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Lynx » 03.07.2017 09:09

Danke dir. Ich hätte es ach nicht anders gemacht... Ok, ist doof gesagt, weil das ja eh meine Entscheidung war.

Auf euer Unentschieden bin ich nach wie vor sehr gespannt. Bis dahin versuche ich mal die wirklich harte Nuss den neuen Schlagwortes zu knacken.

(Augen so: Zärtlichkeit...
Hirn: Erm, Montag morgen, ihr seid noch nicht wach. Zweiter Versuch.
Augen: Zärt-lich-keit. Doch, das steht da!
Hirn: Da fuck!)
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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Schneemaehne » 03.07.2017 22:54

Ich habe mir mal die Liste unserer Stichworte bisher angesehen und festgestellt, dass etwas in diese Richtung noch komplett fehlt. Auch wenn ich bisher diese Nuss auch nur anstarre und auf Wunder warte :P
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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Schneemaehne » 29.07.2017 02:21

Der nächste Text wird wieder fröhlicher, ich verspreche es. Aber irgendwie hat es von allen Ideen nur diese hier aufs digitale Papier geschafft...




Der Anblick der Eissteppen bei Nacht würde ihn jedes Mal aufs Neue beeindrucken, egal wie alt er wurde und wie häufig er auf sie hinaussah.
Über die leere, weiße Weite spannte sich ein Himmel der niemals so atemberaubend schön war wie hier. Auf dunklem, samtigen Nachtschwarz schimmerten Sterne, bläulich, rötlich und silbern. Sie formten Figuren die er beim Namen hätte nennen können, wäre er nicht so müde gewesen. Dichte Gruppen hier, einzelne ferne Lichter dort. Jeder von ihnen umrankt mit hundert Geschichten aus hundert verschiedenen Mündern. Der Mond groß und rund, sein kühles Licht ließ den Schnee in einem Licht scheinen das aussah wie nicht von dieser Welt. Eine perfekte, kühle Welt. Ein Gemälde ohne Leben, ohne Wärme. Eingefrorene Sekunden, die zu Minuten und Stunden wurden während der Mond über ihm hinweg zog.
Nach ungefähr drei Stunden wurde seine weiße Welt noch stiller. Wolken zogen auf, wenig später fiel der Schnee. Die weißen Flocken nahmen ihm die Sicht, legten sich in feinen Kristallen auf seine Wimpern und Brauen bis er kaum mehr sehen konnte als die weißen Wolken seines eigenen Atems.
„Da bist du ja.“
Er hob nicht den Kopf. Dafür war er zu müde, seine Glieder schwer wie Blei. Die Kälte betäubte den Schmerz nicht vollkommen, nur so weit, dass er es ertragen konnte still zu liegen. Seine rechte Seite fühlte sich an als würde sie in Flammen stehen.
Die Schritte waren vollkommen geräuschlos, nur das leise Rascheln von dünner Seide verriet ihn. Der Schnee knirschte nicht als er sich setzte und eine Hand in sein dichtes, weißes Fell vergrub.
Lange Zeit schwiegen die beiden, ließen den Schnee ihren Atem verwischen, den aufziehenden Wind ihre Spuren. Es war, als wären sie die einzigen beiden Seelen in dieser endlosen Weite.
„Faire?“
Seine Ohren schnellten nach vorne, seine Augen wandten sich zum ersten Mal vom Schneetreiben ab. Der Mann neben ihm sah unglaublich müde aus. Seine seidene, silbergraue Kleidung war ebenso makellos wie das scharf geschnittene Gesicht, die perfekte Porzellanhaut, die langen weißen Haare und der sauber getrimmte Kinnbart. Eine Statue, kein Wesen aus Fleisch und Blut. Eine Statue mit spitzen Ohren und mit scharfen Eckzähnen die da neben ihm im tiefen Schnee saß als wäre es ein warmes Feuer im Turmzimmer.
Es waren seine Augen, die ihn verrieten. Zum ersten Mal sah er dunkle Ringe darum, sah wie sie rot gerändert waren von Tränen die nicht fließen wollten. Die blassen Lippen waren so fest zusammengepresst dass sie völlig blutleer wirkten. Eine Statue, ja, aber eine die kurz vorm Zerbrechen stand.
Vielleicht war es ein Instinkt, die diesem Körper innewohnte, aber bevor er wusste was er tat hob er den Kopf und legte sie in den Schoß des anderen. Zwang seine müden Muskeln sich wie ein Ball um ihn herum zu rollen, diesen zerbrechlichen alten Freund aus frühsten Kindertagen.
Mit einem Seufzen das viel zu tief für seinen kleinen Körper klang, lehnte er sich gegen sein weißes Fell. Legte ihn einen Arm über den Rücken, drückte das Gesicht in den dichten Pelz. Seine Linke tastete sich vor bis sie seine kleinen, dreieckigen Ohren fand und begann ihn abwesend dort zu kraulen.
Ich bin noch hier, schrieben seine Finger in sein Fell.
Ich bin so müde, antwortete sein zuckender Schweif.
Die Berührung war zärtlich, tröstend. Er war so schmal und der Wolf so groß, es war leicht sein Gewicht zu stützen.
Schlaf jetzt. Die Bewegungen wurden langsamer, kreisend, kraulend, ein gleichmäßiger Rhythmus. Ihm fielen unwillkürlich die Augen zu.
Wieso bist du noch so stark?
Das bin ich nicht, kleiner Wolf. Aber wir müssen es wieder werden. Für die anderen.
Ich bin so müde.
Du bist verletzt, das geht vorüber.

Sie hat mich nicht einmal angesehen. Ein Schauder ging durch seinen ganzen Körper. Obwohl es eine gefühlte Ewigkeit dauerte hob er den Kopf, sah in diese silbernen Augen die seinen so glichen und doch ganz anders waren. Vielleicht hatten sie doch Recht.
Hush. Nicht jetzt. Nicht heute, kleiner Wolf.
Sein Kopf fiel kraftlos wieder in den Schoß des Mannes.
Schlaf jetzt. Du bist müde.
Ich bin müde
, echote er, bevor er die Augen schloss. Irgendwo in der Ferne ging der Mond unter.

Die ersten Strahlen der schwachen Wintersonne beleuchteten ein sonderbares Bild. Ein Mann lag im Schnee, die Rüstung zerrissen, die Kleider blutig, die Reste einer verkohlten Reiterlanze nicht weit von ihm. Eine Spur führte zu seinem Ruheplatz, Pfotenabdrücke groß genug für ein kleines Pferd. Um seine aufgeschürften Hände gewickelt war eine lange Silberkette mit einem Wolfskopf aus Knochen daran.
Und um ihn herum, halb zugeschneit und die riesigen Flügel eng an den schuppigen Körper gefaltet, lag ein Silberdrache, den gehörnten Kopf der aufgehenden Sonne zugewandt. Seine Silhouette warf lange Schatten in den Schnee.
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Re: Challenge: Was ich noch sagen wollte...

Beitrag von Lynx » 29.07.2017 08:38

Das ist total schön geworden. Und der kühle Schauer auf dem Rücken tut bei dem Klima sehr gut. ^^
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