Fütterungszeit

Selbstgetextetes und Selbstgemaltes...

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Lynx
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Fütterungszeit

Beitrag von Lynx » 24.01.2012 14:53

So, jetzt kriegt Lucian auch mal sein Fett weg. Anzusiedeln ist der Text zwischen den Plots I und II, bei den Tagfliegern. Viel Spaß!

Fütterungszeit

„Weißt du eigentlich, wie zauberhaft du aussiehst?“,
Lucian trat ganz dicht an Isa heran und lächelte süffisant,
„Ganz zu schweigen davon, wie du reichst. Luna wäre hellauf begeistert, wenn du jetzt zu ihr gingst.“
Beiläufig rückte er eines der Frettchen zurecht, die tot über die Schulter der Anwärterin hingen. Isas Miene wurde kalt.
„Als du gesagt hast, du bräuchtest meine Hilfe mit einem Falken, habe ich an etwas Medizinisches gedacht“,
stellte sie trocken fest.
„Ist es vielleicht auch. Um das herauszufinden sind wir hier.“
„Und deshalb hältst du es für nötig mich hierher, auf ein freies Feld, zu schleppen und zerfleischen zu lassen?“
„Du hast es erfasst, Eisprinzessin.“
Lucians Grinsen wurde breiter. Nur zu gut wusste er, wie sehr sie dieser Kosename ärgerte.
„Ich bin begeistert“,
sagte sie mit grimmiger Miene.
„Sieht man.“
„Los“,
seufzte sie,
„Sag mir was genau ich tun soll.“
„Nichts Weltbewegendes. Siehst du den Jungfalken dort drüben?“
„Ja.“
„Füttere ihn.“
„Bitte?“,
Isa starrte ihn an. Ein Hauch von Entsetzen flackerte in ihren Augen auf. Anscheinend hatte sie damit gerechnet eher eine beobachtende Rolle zu spielen, als direkt mit einem fremden Falken konfrontiert zu werden.
„Du hast mich schon verstanden.“
Mit einem Kopfnicken deutete er auf den jungen Vogel.
„Lucian ich...“,
So zaghaft sie den Satz begann, so abrupt brach sie ihn auch wieder ab.
„Nein!“,
beschloss sie und drückte ihm die Frettchen in die Hände,
„Ohne mich!“
Verärgert wandte sie sich ab und steuerte auf ihr Pferd zu. Eine Geste mit der Lucian durchaus gerechnet hatte. Rasch setzte er ihr nach und fasste sie an der Schulter.
„Warte, Isa.“
„Sag mal, hast du Watte in den Ohren?“,
fuhr sie ihn an.
„Nein, Isa...“
„Was verstehst du denn dann nicht?“
Die Emotionen schlugen ihm wie eine Feuerwoge entgegen. Ihre Wut traf ihn mit voller Wucht aber da war noch etwas anderes. Etwas, das er schon lange versuchte, ihr zu entlocken.
„Dass du es noch nicht einmal versuchen willst.“
Sie schnaubte,
„Wenn du wüsstest...“
„Weiß ich aber nicht“,
unterbrach er sie jetzt,
„Weil du ja nie mit jemandem darüber sprichst!“
Stille. Die letzten Worte hatte er ihr regelrecht entgegen geschrien. Wie zur Salzsäule erstarrt, sah sie ihn an. Ein leichtes Beben fuhr durch ihre Schultern.Ihre Lippen wurden schmal. Sekundenlang standen sie auf dem Feld und schwiegen einander an. Lucian wusste, dass er sich eigentlich entschuldigen sollte aber er brachte diese Worte ebenso wenig hervor, wie sie eine Antwort auf seine ungestellte Frage. Was war in der Vergangenheit nur mit ihr passiert? Und warum saß sie mit all ihren Talenten tatenlos herum, wenn sie sich doch nur auf einen Falken schwingen müsste, um zur Reiterin erhoben zu werden?
„Wobei wirst du mehr Genugtuung finden? Wenn du zusiehst, wie ich in der Luft zerrissen werde oder wenn du mich in den Krankenflügel sperren kannst?“,
brach sie plötzlich knurrend das Schweigen und nahm ihm die Frettchen aus der freien Hand. Mit eingefrorener Miene wandte sie sich dem jungen Falken zu. Das Tier hatte ihren kleinen Streit mitbekommen und beäugte nun aufmerksam die junge Frau, die in seine Richtung lief. Lucian ballte eine Hand zur Faust.Gerne hätte er sie sich erst beruhigen lassen, doch er musste feststellen, dass eine wütende Isa noch viel mehr auf den Vogel einwirken würde, als eine kontrollierte. Aufmerksam betrachtete er, wie die schöne Anwärterin sich dem Tier näherte.
Der Falke wusste nicht so recht, was nun passieren sollte und hüpfte erst einmal einige Meter zurück. Den Kopf leicht schief gelegt, beäugte er Isa und die Frettchen. Näher kommen ließ er sie allerdings nicht. Erst als Isa ihn mit einem der toten Tiere zu locken versuchte, hörte er auf, vor ihr zurück zu weichen. Vorsichtig trat sie auf ihn zu und ließ das Futter leicht in ihrer Hand wippen. Dabei sprach sie einige beruhigende Worte, die Lucian zwar nicht verstand aber deren Sinn er erahnen konnte. Der Heiler umrundete die beiden ein wenig, um mehr zu sehen. Doch kaum dass der Vogel auch ihm einen Blick schenkte, blieb er wieder stehen.
„Versuch etwas näher an ihn heran zu kommen“,
wies Lucian Isa an. Diese ließ kurz das Frettchen sinken und funkelte ihn genervt an. Beschwichtigend hob er die Hände,
„Gut, ok, du gibst das Tempo vor.“
Offenbar hatte er jetzt beide genau da, wo er sie haben wollte, denn Isa wollte es jetzt wirklich wissen. Beharrlich und mit einer Engelsgeduld lockte sie den Jungvogel immer wieder. Doch das Tier machte keinerlei Annäherungsversuche. Selbst als sie sich in Gras setzte und das Frettchen einen halben Meter vor sich auf den Boden warf, änderte sich das Bild nicht. Der Falke wahrte die Distanz und beäugte sie und das Futter. Isa seufzte leise.
„So wird das nichts“,
sagte sie gerade laut genug, dass Lucian es verstehen konnte.
„Aber du machst das wirklich toll.“
Wieder drehte sie sich halb zu ihm um. Ruhe war in den blauen Spiegel ihrer Augen eingekehrt.
„Wie viele Tage willst du dir Zeit nehmen? Dann schicke ich Luna und dich nämlich los ein Zelt zu holen.“
„War das eine Einladung mit mir zusammen hier draußen zu kampieren?“,
er konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen,
„Die Idee hat was, Eisprinzessin.“
„Was wohl so viel heißen soll, wie dass du schnell zu einer Diagnose kommen willst. Rein äußerlich kann ich keine Schäden erkennen. Er scheint kerngesund zu sein. Aber ich verstöre ihn offenbar sehr.“
Während sie sprach stand sie mit einer fließenden Bewegung auf. Sie nahm sich ein zweites Frettchen von der Schulter und warf es neben den jungen Falken. Sofort folgte sein Kopf der Bewegung. Er hob das Futter auf und schlang es eilig herunter. Isa nutzte diese Ablenkung und trat ein paar Schritte näher. Als der Vogel sich ihr wieder zu wandte blieb sie stehen und wiederholte den Wurf.
„Isa...“,
versuchte Lucian sie mit sanfter aber eindringlicher Stimme zu warnen. Doch sie ignorierte seinen Tonfall und bedeutete ihm mit einer kleinen Geste ruhig zu sein. Nur noch wenige Schritte und sie wäre an dem Tier dran.
Plötzlich ruckte der Kopf des Falkens herum. Lucian hastete los, doch er wusste, dass er sie nicht rechtzeitig erreichen würde. Der junge Vogel gab einen erschrockenen Laut von sich und hieb mit dem Schnabel nach der Anwärterin. Isa wurde hart an der Seite getroffen und zu Boden geworfen.
„Hey!“,
schrie Lucian den Falken an schob sich mit hoch erhobenen Händen zwischen die beiden, bevor der Falke erneut zustoßen konnte. Mit gesträubtem Gefieder wich das Tier zurück. Ein drohende Fauchen kroch aus dem Schnabel. Energisch schritt Lucian voran, um den Falken noch einige Meter weiter zu scheuchen. Erst als die Distanz in seinen Augen groß genug war, wandte er sich Isa zu. Diese richtete sich gerade keuchend auf.
„Ist alles in Ordnung mit dir?“,
die Sorge in seiner Stimme war nicht zu überhören. Sofort ließ er sich neben ihr auf die Knie fallen und tastete reflexartig ihre Seite ab. Auch die Schulter ließ er nicht aus.
„Es würde weniger weh tun, wenn du aufhörtest darauf 'rum zu drücken“,
sagte sie mit gepresster Stimme,
„Wo hast du diesen nervösen Vogel ausgegraben?“
„Entschuldige“,
gab er als Antwort zurück.
„Entschuldige? Was soll das heißen? Und hör auf mich zu untersuchen, es geht mir gut!“
Er ließ von ihr ab und schenkte ihr ein schiefes Lächeln. Den Satz heiße Ohren, den er sich jetzt abholen würde, hatte er sich redlich verdient.
„Ich hätte dir vorher mehr über den Vogel erzählen sollen.“
Sie schwieg. Allerdings stand ihr die Aufforderung dass er mehr erzählen sollte deutlich ins Gesicht geschrieben.
„Er gehört zu einem Anwärter der noch recht grün hinter den Ohren zu sein scheint. Der Junge kam vor ein paar Tagen in den Krankenflügel. Auf den ersten Blick sah es aus, als habe sein Gefährte ihm den halben Arm abgerissen.“
„Du willst mich umbringen“,
stellte Isa überraschend nüchtern fest. Lucian wiegte sich schon in Sicherheit, als sie fortfuhr.
„Es kann keine andere Erklärung dafür geben, du musst dir meinen Tod wünschen...“
Mit stechendem Blick sah sie ihn an. Ihre Stimme wurde schneidend scharf. Das war keine Wut mehr. Isa war sauer, richtig sauer.
„Wieso solltest du sonst so bescheuert sein und mich in ein offenes Messer laufen lassen!“
„Isa...“,
beschwichtigend legte er ihr beide Hände auf die Schultern.
„Nein, Lucian. Diesmal nicht. Es ist ja nicht nur so, dass du mich in die Konfrontation mit einem fremden Falken zwingst. Nein, du suchst dir auch noch ein Tier aus, das seinen Reiter angegriffen hat. Wunderbar. Wirklich. Das muss Liebe sein, oder? Den etwas anderes fiele mir nicht ein, warum man auch noch das letzte bisschen Verstand aus sich verbannt und so eine Nummer abzieht. Bist du echt so bescheuert?“
„Er wollte dich sicher nicht umbringen“,
verteidigte Lucian sich und verkniff es sich dabei ihr in allen Punkten Recht zu geben.
„Stimmt“,
stellte sie plötzlich völlig emotionslos fest. Ihr Blick wurde nachdenklich. Der plötzliche Umschwung an Gefühlen überrumpelte Lucian ein wenig.
„Du hättest es außerdem nie auch nur versucht, wenn ich dir die Wahrheit gesagt hätte.“
Isa zog die Stirn ein wenig in falten und schaute durch ihn hindurch. Seine Worte schienen sie gar nicht erst erreicht zu haben.
„Er hat nur mit dem Schnabel zugestoßen, nicht mit den Klauen. Das war eine reine Angstreaktion, mehr nicht. Er wollte sich einfach nur verteidigen, weil die Nähe ihn überrumpelt hat. Das ist kein Zeichen von Wildheit. Du solltest dir den Anwärter einmal genauer anschauen. Ich schätze da ist irgendetwas zwischen den beiden vorgefallen, was er dir verschwiegen hat. Zumal der Vogel ja Futter vom Menschen annimmt. Nur eben nicht aus der Hand...“
Sie legte den Kopf ein wenig schief und schaute Lucian dann wieder in die Augen.
„Du bist wunderbar“,
sagte er, ohne die Worte wirklich zu wollen. Es war vielmehr einfach nur aus ihm heraus geplatzt.
„Könntest du es bitte lassen so zu grinsen? Ich bin immer noch sauer auf dich“,
zischte sie ihn an und schob ihn beiseite, um aufzustehen. Lucian schaffte es nicht, wieder zu einer ernsten Miene zurück zu kehren. Auch er erhob sich und schaute der Anwärterin hinterher.
„Der Vogel ist völlig gesund. Körperlich. Gib ihm ein paar Tage Ruhe, bevor wieder mit ihm gearbeitet wird. Und wasch seinem Partner den Kopf“,
sagte Isa und ging in Richtung ihres Pferdes.
„Danke“,
rief Lucian ihr hinterher.
„Und lass dich in nächster Zeit bloß nicht bei mir blicken“,
fügte sie barsch hinzu. Er schüttelte den Kopf und blickte ihr nach,
„Würde mir im Traum nicht einfallen.“
Nur der Irrtum ist das Leben.
und das Wissen ist der Tod


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Re: Fütterungszeit

Beitrag von Death of Fantasy » 24.01.2012 15:14

Na, wie nett. Sowas nennt sich dann woh der Versuch einer Schocktherapie oder den Versuch mehr zu entlocken von Dingen, die man nicht weiß, aber zu gerne wissen würde?
Schöne Geschichte. Lernen wir den Anwärter auch noch kennen oder ist der vollkommen irrelevant?
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Leave the hills of Arcady

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Re: Fütterungszeit

Beitrag von Lynx » 24.01.2012 15:16

Der ist irrelevant. Zumindest bislang ist dem keine größere Rolle zugedacht. Der Text passte einfach nur gerade in meine Lucianwoche. ^^
Nur der Irrtum ist das Leben.
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